Die Bluttat von Paris war abscheulich. Sie trägt auch dazu bei, das gesellschaftliche Klima weiter zu vergiften - nicht nur in Frankreich. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Die Bluttat von Paris war abscheulich. Sie trägt auch dazu bei, das gesellschaftliche Klima weiter zu vergiften - nicht nur in Frankreich. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Bluttat von Paris war abscheulich. Sie trägt auch dazu bei, das gesellschaftliche Klima weiter zu vergiften - nicht nur in Frankreich. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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Die Bluttat von Paris war abscheulich. Sie trägt auch dazu bei, das gesellschaftliche Klima weiter zu vergiften - nicht nur in Frankreich. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Berlin (dpa) - Die Bluttat von Paris war nicht nur abscheulich. Sie trägt auch dazu bei, das gesellschaftliche Klima weiter zu vergiften. Das gilt nicht nur für Frankreich. Auch hierzulande wird die Debatte um Islam, Islamisten und Terror wieder schriller.

Die Schockwellen des Anschlags auf «Charlie Hebdo» erreichen Deutschland in einer sehr schwierigen Zeit. Denn obwohl es hierzulande friedlicher ist, als in Frankreich, wo man mit fremdenfeindlichen Parolen zweistellige Wahlergebnisse einfahren kann: Die Auseinandersetzung zwischen Islam-Hassern und den Befürwortern eines vielfältigen Deutschlands hat sich auch hier in den vergangenen Monaten sehr zugespitzt.

Auf der einen Seite stehen dabei die Pegida-Demonstranten in Dresden, die bei ihrer Kritik an Islamisten auch vor Pauschalurteilen über «den Islam» und «die Muslime» nicht zurückschrecken. Am anderen Ende des Spektrums findet man Menschen, die sich in unserer Einwanderungsgesellschaft wohlfühlen, wo Taxifahrer oft aus dem Iran stammen und Ärzte aus Syrien.

Entsprechend fallen jetzt auch die Reaktionen auf den Terror von Paris aus. Konrad Adam, einer von drei Bundesvorsitzenden der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD) sieht darin eine Bestätigung der These vom drohenden «Kampf der Kulturen», die der US-Politologe Samuel Huntington 1993 aufgestellt hatte. Sein Parteikollege Hans-Olaf Henkel fordert nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» eine «unvoreingenommene Diskussion über die Häufung der Menschenrechtsverletzungen und die Abwesenheit von Pressefreiheit und Demokratie in 55 von 57 islamischen Ländern». Die Bewegung der «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida), der die AfD wohlgesonnen ist, sieht in dem Anschlag eine Bestätigung für ihre Warnungen vor den Folgen islamischer Einwanderung.

Der Grünen-Parteivorsitzende Cem Özdemir warnt trotz aller Empörung über diesen brutalen «Angriff auf die Meinungsfreiheit» davor, jetzt in Panik zu verfallen. Er sagt: «Die Situation in Frankreich ist mit Deutschland nicht einfach so vergleichbar. Die Grande Nation steckt in einer größeren wirtschaftlichen Krise und ist tiefer gespalten.» Von einer derartigen Polarisierung sei Deutschland weit entfernt. Er stell jedoch fest: «Mit Pegida und der AfD versuchen auch hier populistische Kräfte Stimmung zu machen, gegen Toleranz, gegen Weltoffenheit, gegen europäische Werte.»

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will von einem «Kulturkampf» à la Huntington nichts wissen. Er sagt: «Die Art und Weise wie Pegida, AfD und NPD versuchen, diesen Anschlag für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, ist widerlich.» Maas betont: «Das war auch ein Anschlag auf den Islam.»

Tatsächlich wird in der Debatte über die terroristische Bedrohung oft vergessen, dass die meisten Opfer islamistischer Terroristen Muslime sind - in Syrien, im Irak und auch im Jemen, dem Ursprungsland von Osama bin Laden. Am Tag des Attentats auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» sprengte sich vor einer Polizeiakademie in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ein Selbstmordattentäter in die Luft. Er tötete 37 Menschen. Die meisten Opfer waren Männer, die sich für den Dienst bei der Polizei bewerben wollten.

Im Jemen, wo sich die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung als gläubige Muslime bezeichnet, gibt es keine anti-islamischen Karikaturen. Doch auch hier gibt es Zeichner, die keine Angst haben, sich mit Al-Kaida-Terroristen und anderen Fanatikern anzulegen. Wenige Stunden nach den verheerenden Anschlägen in Paris und Sanaa veröffentlicht die Nachrichten-Website «Barakish.net» eine Karikatur des Jemeniten Kamal Scharaf. Sie zeigt einen Teufel, der einem von «Jungfrauen» träumenden Möchtegern-Selbstmordattentäter Dynamitstangen in den Hintern steckt. Dabei sagt er: «Ich kann deinen Platz im Paradies von hier aus schon sehen.»

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