Davos (dpa) - Glaubt man den Berechnungen des Wirtschaftsmagazins Forbes, besitzen die acht reichsten Männer der Welt zusammen mehr als 426 Milliarden US-Dollar. Das ist laut Weltbank mehr Geld, als zum Beispiel in Österreich in einem ganzen Jahr erwirtschaftet wird.

Und laut Oxfam mehr, als die gesamte ärmere Hälfte des Planeten besitzt, also 3,6 Milliarden Menschen.

So steht es in der neuen Studie «Eine Wirtschaft für die 99 Prozent» der Entwicklungsorganisation, die am Montag veröffentlicht wurde. Sie zeigt ebenfalls auf, dass seit 2015 das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr Besitz hat als alle anderen Menschen zusammen.

Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher der Grünen, nennt die Ergebnisse der Studie erschreckend. «Diese schier unbegreifliche Form der Vermögenskonzentration ist unanständig und gefährlich.» Klaus Ernst, stellvertretender Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, spricht von einem «abartigen Ausmaß an Ungleichheit.» Und Joachim Poß, der für die SPD im Bundestag sitzt, nennt die Entwicklung sozial ungerecht und ökonomisch schädlich.

Doch Oxfams Methodik ist nicht unumstritten. Denn die Zahlen, auf die sich die Organisation stützt, betrachten das so genannte Nettovermögen. Wer einen Kredit hat, fällt damit schnell auf Null zurück oder hat sogar ein negatives Vermögen. Die Datenbasis der Oxfam-Studie besagt zum Beispiel, dass die ärmsten zehn Prozent der Menschheit ein negatives Vermögen von fast 1100 Milliarden US-Dollar haben. Die 40 Prozent darüber besitzen demnach mehr als 1500 Milliarden. Nur durch die Hypothek der unteren zehn Prozent landet die gesamte Gruppe unter dem Vermögen der reichsten acht Milliardäre.

«Durch diese Berechnung gilt zum Beispiel ein verschuldeter Student in den USA als arm, obwohl er wahrscheinlich in Zukunft viel Geld verdient», sagt Judith Niehues vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln. «Nach der Berechnungsmethode gehört ein Drittel der Europäer zur ärmeren Hälfte der Welt.» Die Forscherin betont, dass zum Beispiel Rentenansprüche oder soziale Sicherheitsnetze nicht zum Vermögen zählten, und deshalb das Vermögen als alleiniger Indikator für Wohlstand nicht ausreiche.

Niehues weist darauf hin, dass in Europa gerade in Ländern mit starken sozialen Sicherungssystemen das Vermögen ungleicher verteilt sei. «Vermögen entsteht auch, wenn die Menschen privat für ihr Alter vorsorgen. In Ländern mit starkem sozialen Netz passiert das weniger.»

An Transparenz mangelt es der Oxfam-Studie jedoch nicht: Die Organisation legt alle ihre Quellen offen, ebenso die Zählmethoden, die für die einzelnen Ergebnisse benutzt wurden. «Wir wollen dafür sorgen, dass die verschiedenen Ideen diskutiert werden, die zu einem Ende der extremen Vermögenskonzentration auf der Welt führen können», sagt eine Sprecherin.

Denn dass das Vermögen der Welt tendenziell immer ungleicher verteilt ist, steht für die meisten Kommentatoren trotz strittiger Details bei der Berechnung außer Frage. Auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) betont: «Die Ränder der Gesellschaft fransen aus. Das ist eine Frage, die weltweit bewegt.»

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