Die WM-Siegerin Caster Semenya wird vehement von ihrer Regierung gegen die Kritik verteidigt.

Pretoria. Der Fall der südafrikanischen 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya (Foto) wird zur Tragödie für die Athletin und zu einer der größten sportpolitischen Krisen seit Jahren. Südafrikas Sportminister Makhenkesi Stofile reagierte auf internationale Medienberichte, die 18-Jährige sei ein Zwitter, drastisch.

"Wir sind geschockt und empört über die um die Welt laufenden sogenannten Resultate des Geschlechts-Tests der IAAF", erklärte er am Freitag in Pretoria. Sollte der Leichtathletik- Weltverband IAAF versuchen, Semenya von internationalen Wettkämpfen auszuschließen, führe dies zu einem "Dritten Weltkrieg".

Nach ihrem Sensationssieg über 800 Meter mit Weltjahresbestleistung bei der WM in Berlin hatte unter anderen die australische Zeitung "Daily Telegraph" berichtet, Semenya sei ein Zwitter. Bei einem Geschlechts-Test habe sie ein dreifach höheres Testosteron-Niveau als bei Frauen üblich aufgewiesen. Sie habe innenliegende Hoden statt Eierstöcke und keine Gebärmutter.

"Das wird alles auf dem Rücken eines Menschen ausgetragen", sagte IAAF-Councilmitglied Helmut Digel. "Das ist ein Problem aller Sportarten, wie wir mit dem dritten Geschlecht umgehen." Im Regelwerk gebe es dazu keine Bestimmungen. Der Tübinger Sportsoziologe betonte aber, dass der IAAF noch keine schriftlichen Ergebnisse des Geschlechts-Test vorliegen.

Eine Entscheidung im Fall Semenya wird die IAAF frühestens auf ihrer Counciltagung am 20./ 21. November in Monaco bekanntgeben. Vor Abschluss der Untersuchungen werde es keine Stellungnahme mehr geben. Den Test hatte die IAAF in einer deutschen Klinik in Auftrag gegeben.

Sportminister Stofile beschuldigte die IAAF, die Menschenrechte zu verletzen und teilte mit, dass Rechtsanwälte mit dem Fall betraut wurden. "Weder Caster noch ihre Familie hat diese Demütigung verdient."

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