Fabian Hambüchen trainiert mit seinem Vater Wolfgang im Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Foto: Bernd Settnik
Fabian Hambüchen trainiert mit seinem Vater Wolfgang im Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Foto: Bernd Settnik

Fabian Hambüchen trainiert mit seinem Vater Wolfgang im Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Foto: Bernd Settnik

dpa

Fabian Hambüchen trainiert mit seinem Vater Wolfgang im Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Foto: Bernd Settnik

Kienbaum (dpa) - Ein kräftiger Zoff mit seinem Vater hat Fabian Hambüchen wieder auf Kurs gebracht. Bei der am Montag beginnenden WM trägt der Turn-Star wieder die größten deutschen Medaillenhoffnungen und möchte vor allem am Reck «wieder einen raushauen».

In Belgien reiste er mit neuem Durchblick an: Für über 5000 Euro hatte er sich beide Augen lasern lassen und kann nun auf Brille oder Kontaktlinsen verzichten.

Erstmals räumte Hambüchen im Trainingslager Kienbaum ein, dass im nacholympischen Jahr nicht alles so reibungslos lief, wie es nach außen den Anschein hatte. Nach Olympia-Silber ließ er es ruhiger angehen, konzentrierte sich auf den Beginn seines Studiums an der Sporthochschule und stemmte seinen Umzug nach Köln in eine gemeinsame Wohnung mit seiner Freundin.

«Nach London wollte ich etwas weniger tun, habe in Köln nur einmal am Tag trainiert. Bis zum Swiss Cup im Dezember lief das noch ganz gut. Aber dann spürte ich irgendwie, dass ich nicht richtig fit werde», gestand Hambüchen im Interview der Nachrichtenagentur dpa. «Und auch mein Vater musste mit der neuen Situation klarkommen. Dann hatte auch er das Gefühl, dass es so nicht läuft und hat eine kräftige Ansage gemacht. Noch im Februar sind zwischen uns die Fetzen geflogen», erklärte Hambüchen. «Ich wollte mir vom Vater doch nichts sagen lassen! Wir haben zwei Tage nicht miteinander gesprochen. Erst dann kam bei mir die Einsicht. Jetzt ist längst alles wieder gut», sagte er.

Auch sein Vater und Trainer kann sich gut an die spannungsgeladenen Tage im Februar erinnern. «Wir haben schon früher alle Probleme familiär aus dem Weg geräumt. Und die ausgetragenen Konflikte waren am Ende immer produktiv», räumte Wolfgang Hambüchen ein. Ungeschönt hatte er seinen Filius damit konfrontiert, dass er sich entscheiden müsse: «Er meinte, er würde auch akzeptieren, wenn ich mich künftig voll auf das Studium konzentrieren wolle. Aber so mit halbem Aufwand trainieren, das führe zu nichts», erzählte der Ex-Weltmeister.

Offensiv lösten beide den Konflikt. Genauso wie auch den Zoff mit dem Deutschen Turner-Bund, der beim Deutschen Turnfest nach dem Fehlurteil des Kampfgerichts eskaliert war. Zuvor hatte Hambüchen darauf bestanden, in der WM-Vorbereitung eine Woche individuell in Köln zu trainieren, um parallel noch zwei schriftliche Prüfungen zu absolvieren. «Wir haben dasselbe Anliegen. Also haben wir uns zusammengesetzt und eine Lösung gefunden», bestätigte Cheftrainer Andreas Hirsch, nachdem Hambüchen erst mit einwöchiger Verspätung ins Trainingslager Kienbaum zum Team stieß. «Es ist eine Situation, von der wir beide profitieren», sagte Hirsch.

Natürlich hoffen nun alle, dass Hambüchen in Antwerpen möglichst mit Medaillen glänzen kann. Nach dem Titel in Stuttgart 2007 und Bronze in Rotterdam 2010 soll für den Hessen bei seiner siebten WM die dritte Medaille am Reck und die achte WM-Plakette (bisher 1/1/5) herausspringen. «Aber ich gehe da anders ran. Ich will zuerst meine Übung perfekt durchturnen, dann kommt der Rest von allein.»

Sein Rivale Epke Zonderland aus den Niederlanden hatte bei der EM wegen seines Medizinstudiums pausiert und kehrt nun auf das Podium zurück. «Ich habe gehört, dass er nach wie vor eine superschwere Übung mit Ausgangswert 7,7 drauf hat. Aber ich bin mit meiner 7,4-Übung auch gut aufgestellt», meinte Hambüchen zuversichtlich. In der Qualifikation geht er am Montag schon im zweiten von vier Durchgängen an die Geräte. Neben dem Reck werden dem 25-jährigen Wetzlarer auch im Mehrkampf, mit seiner neuen Übung am Barren sowie am Boden Final-Chancen eingeräumt.

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