Bei den Spielen 1988 in Seoul gehörte sie zum erfolgreichen Frauenflorett-Trio. 20 Jahre später behandelt die Tauberbischofsheimerin die Athleten im Deutschen Haus.

Zita Funkenhauser bei ihrem olympischen Triumph in Seoul 1988.
Zita Funkenhauser bei ihrem olympischen Triumph in Seoul 1988.

Zita Funkenhauser bei ihrem olympischen Triumph in Seoul 1988.

dpa

Zita Funkenhauser bei ihrem olympischen Triumph in Seoul 1988.

Peking. Sie gewinnt zwar kein Gold mehr, setzt es aber als Implantat ein: Dr. Zita Funkenhauser, Mannschafts-Olympiasiegerin mit dem legendären Tauberbischofsheimer Frauenflorett-Trio von Seoul 1988, ist als Zahnärztin des deutschen Olympia-Teams bei den Spielen 2008 vor Ort - und genießt die Zuschauer-Perspektive. Das Bild hat noch jeder Sport-Fan im Kopf, der damals schon des nächtens Fernsehen schauen durfte: Anja Fichtel mit ihren beiden Mitstreiterinnen Sabine Bau und Zita Funkenhauser Arm in Arm und ergriffen heulend auf dem Siegerpodest - es ist ein Moment der nationalen Sport-Historie geworden: Drei junge Damen aus einem Verein, die im Einzel Gold (Fichtel), Silber (Bau) und Bronze (Funkenhauser) holten und im Mannschaftswettbewerb wie selbstverständlich Gold.

Nach dem Spitzensport folgte die Zahnarzt-Karriere

Vier Jahre später, 1992 in Barcelona, reichte es nochmals zu Silber. Dann aber begann Zita Funkenhauser, die im Jahre 1979 als Siebenbürger Deutsche nach Tauberbischofsheim gekommen war, den ganz normalen Lebensweg zu beschreiten. Sie ließ die Spitzensport-Karriere ausklingen, studierte und promovierte als Zahnärztin, heiratete Matthias Behr, seinerseits Florett-Olympiasieger von 1976, eröffnete in ihrer Heimatstadt eine Zahnarzt-Praxis, bekam zwei Kinder, die Zwillinge Leandra und Greta. "Zu mehr hat es leider nicht mehr gereicht", sagt die 42-Jährige heute - und lächelt, denn das zwölfjährige Schwesternpärchen ist in Mutters große Fußstapfen getreten: Leandra wurde heuer nordbadische Florett-Meisterin ihrer Altersklasse, Greta nordbadische Degenmeisterin.

16 Jahre später kehrt Funkenhauser ins Deutsche Haus zurück

 Die Mama wiederum ist 16 Jahre nach ihrem letzten großen Auftritt auf die olympische Bühne zurückgekehrt. Als Zahnärztin im Deutschen Haus betreut die Olympiasiegerin ihre nationalen Nachfahren - "wobei wir auch kariesgeplagte Italiener oder Holländer behandeln würden, wenn sie bei uns an die Türe klopfen", wie Zita Funkenhauser sagt: "Ich bin ein bisschen aufgeregt und glücklich darüber, dass ich damit den Bogen zu den alten Athleten-Zeiten geschlagen habe" Schon vor vier Jahren, für Athen 2004, hatte ihr das gleiche Angebot vorgelegen, aber zu kurzfristig, weswegen sie den bereits gebuchten Sylt-Urlaub mit der Familie vorzog.

Doch diesmal sind der Gatte und die Töchter (privat) mit dabei. "Und jetzt ist die Faszination auf einen Schlag wieder da, dieser Bazillus Olympia, der dich nie verlässt, wenn du ihn einmal gehabt hast", sagt Zita Funkenhauser im großen Kasten des Kempinski-Hotels inmitten Pekings, wo die Praxis nebst dem Deutschen Haus in einer direkt zugehörigen kleinen Zahnklinik angemietet und eingerichtet wurde. Ein Sponsor bezahlt die Kosten.

Offiziell leitet ein Dentist mit China-Approbation die deutsche Praxis, die sonst nicht eröffnen hätte dürfen - Arnulf-Reimar Metzmacher und weitere fünf Personen gehören zum Team, das täglich von 17 bis 20 Uhr seinen Dienst antritt. "Für die Athleten ist es als Patienten ein gutes Gefühl, wenn sie die Behandlungsmethoden kennen und die Sprache der Ärzte verstehen", erklärt Frau Doktor, in deren Praxisstuhl sich sogar schon der eine oder andere Journalist begeben haben soll - sowie vormals ihr Mann Matthias, von dem man munkelt, so seine spätere (zweite) Ehefrau richtig liebengelernt zu haben. Die Freude über ihre Rolle ist der Tauberbischofsheimerin in diesen chinesischen Tagen anzumerken. Hatte sie zuvor noch Bammel vor dem Reich der Mitte gehabt, überwiegt bei ihr nun das olympische Gefühl des Dabeiseins nebst der Möglichkeit, die Spiele aus einer neuen, anderen Sicht zu erleben.

Die olympischen Erinnerungen sind noch sehr lebhaft

"Als Sportler pendelst du meist nur zwischen Olympischem Dorf und Trainings- oder Wettkampfstätte, da bist du wie in einer Käseglocke und bekommst Land, Leute und Kultur kaum mit." Bei einem späteren Ausflug nach Barcelona habe sie ihre damalige Fechthalle nicht mehr gefunden, verrät Zita Funkenhauser. In Peking dagegen nimmt sie mit, was sich als Gelegenheit bietet, vom Kölner Abend im Deutschen Haus über den Mercedes-Empfang, sie trifft sich mit den alten Freunden und olympischen Bekannten - und besucht den Sport, so oft es geht. Ein Problem hat indessen auch die Olympiasiegerin: Gastgeber China meldet sämtliche Veranstaltungen als ausverkauft, doch etliche Plätze sind unbesetzt, Karten gibt es trotzdem keine. Der große Mittwoch des deutschen Fechtens zum Beispiel mit Goldmedaillen für Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink ist Zita Funkenhauser trotz intensiver Bemühungen um Tickets entgangen. Zeitlich gegangen wäre es - die beiden Finalrunden fanden erst nach der Praxis-Schließung statt.

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