Auf dem Weg an die Ostküste nach Durban sticht uns an der N 3 die Abfahrt "New Germany" ins Auge. Nach fünfstündiger Fahrt mit vier Kollegen im kleinen Japaner ist die Luft dünn geworden, ab und an wird Biltong gereicht, dieses getrocknete Rindfleisch, das die Südafrikaner essen wie der Deutsche den Kartoffelchip. Das Fleisch soll einst mit dem Schweiß des Pferdes unter dem Sattel zu besonderem Geschmack gekommen sein. Fünf Wochen Südafrika in der WG haben unsere Esskultur globalisiert.

Ist das das "New Germany"? Wo man sich auch als Deutscher zu erkennen gibt, fliegen einem inzwischen die Herzen zu. "What a big team", sagte Vusi gestern. Wir genossen in seinem Haus einen "Braai", ein südafrikanisches Barbeque. Der Kollege aus Osnabrück und ich spielten Fußball mit Vusis Kindern. Bafana gegen Germany, Bafana gewann 3:1. Wir waren die Sieger der Herzen. Das "New Germany". 9000 Kilometer von der Heimat entfernt definiert sich Deutschland noch einmal neu.

Vor drei Tagen, als mich ein halbwissender Taxifahrer nach Michael Ballack fragte, seinem Lieblingsspieler, antwortete ich ihm, der Capitano sei verletzt, er spiele gar nicht, sei nun aber bis zum WM-Ende bei der Mannschaft. Drei Tage später ist auch das überholt. Am Schild "New Germany" kam es mir wieder in den Sinn.

Im Radio lief "Our House" von "Madness". Verrückt das Ganze. Im Haus des DFB ist kurz vor Durban kein Platz mehr für Ballack. Auch das: "New Germany".


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