Gregor Schlierenzauer hat zum ersten Mal die Vierschanzentournee gewonnen. Foto: Daniel Karmann
Gregor Schlierenzauer hat zum ersten Mal die Vierschanzentournee gewonnen. Foto: Daniel Karmann

Gregor Schlierenzauer hat zum ersten Mal die Vierschanzentournee gewonnen. Foto: Daniel Karmann

dpa

Gregor Schlierenzauer hat zum ersten Mal die Vierschanzentournee gewonnen. Foto: Daniel Karmann

Bischofshofen (dpa) - Nachdem sich Gregor Schlierenzauer mit dem Triumph bei der 60. Vierschanzentournee einen Kindheitstraum erfüllt hatte, übermannten ihn die Gefühle.

Ausgelassen bejubelte der Überflieger aus Österreich am Vorabend seines 22. Geburtstages den ersehnten Erfolg, dem er fünf Jahre hinterhergejagt war.

Als Schlierenzauer am 12. März 2006 im Weltcup debütierte, deutete der damals 16-Jährige mit Rang 24 auf Anhieb sein Potenzial an. Im Dezember des gleichen Jahres feierte der mit einem überragenden Fluggefühl gesegnete Ausnahmespringer in Lillehammer seinen ersten Sieg und avancierte damit zum sechstjüngsten Weltcup-Gewinner der Skisprung-Geschichte.

Mit zwei Tageserfolgen bei der Vierschanzentournee 2006/07 wurde er schnell seinem Ruf als Jahrhunderttalent gerecht, den Gesamt-Triumph musste er damals aber dem Norweger Anders Jacobsen überlassen. Ein Jahr später lag er vor dem Finale erneut aussichtsreich im Rennen, erlebte dann aber in Bischofshofen mit dem Aus im ersten Durchgang die schwärzeste Stunde seiner Karriere.

Mit Niederlagen wie dieser oder Rückschlägen wie der Verletzung im Vorjahr konnte der ehrgeizige Schlierenzauer lange nicht umgehen, was ihm oft als Arroganz ausgelegt wurde. Mittlerweile haben die Erfahrungen im Sport den Tiroler zu einem jungen Mann reifen lassen, dessen Blick sich geschärft und über die Schanzen hinaus geweitet hat.

«Es gibt genügend Top-Sportler, die durch schwierige Situationen stärker geworden sind. Es hat mir vielleicht gutgetan, dass alles so passiert ist, wie es passiert ist», sagt der Neffe des ehemaligen Weltklasserodlers Markus Prock.

Der öffnete Schlierenzauer zu Beginn der Karriere wichtige Türen. Heute ist der Flug-Stilist ein gefragter Mann in der Werbung und dank seiner sportlichen Erfolge längst Millionär - auch ohne die bei dieser Tournee verpasste Millionen-Prämie für den Grand Slam. «Wenn ich wegen des Geldes Sportler geworden wäre, dann hätte ich in die Formel 1, zum Golf oder Tennis gehen müssen», sagt Schlierenzauer.

Ihn treibt die Sehnsucht nach dem perfekten Sprung und die Sucht nach Erfolgen an. Trotz seines jungen Alters hat er bereits etliche vorzuweisen. Olympia-Gold mit der Mannschaft 2010, Einzel-Weltmeister 2011, viermal WM-Champion mit dem Team und drei WM-Titel beim Skifliegen stehen unter anderen zu Buche. Und 38 Weltcupsiege, mit denen er in der ewigen Bestenliste auf Rang drei hinter dem Finnen Matti Nykänen (46) und dem Polen Adam Malysz (39) liegt.

Dennoch nimmt sich Schlierenzauer nicht mehr so wichtig wie noch zu Beginn seiner Karriere. Gar nichts abgewinnen kann er dem Hype um seine Person und den Schildern junger, weiblicher Fans, die sich ein Kind von ihm wünschen. «Es ist unglaublich, welche Emotionen man als junger Mensch wecken kann. Wie manche ausflippen und überhaupt auf diese Idee kommen, solche Plakate auszupacken, das ist nicht normal», stellt er fest.

Er sucht daher in seiner Freizeit die Abgeschiedenheit, bereist gern ferne Länder. «An den unterschiedlichsten Bildern und Eindrücken wächst der Mensch. Alles andere haben wir ja mittlerweile in unserer zivilisierten Welt», sagt Schlierenzauer.

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