Dominanz
Thomas Morgenstern springt beim Heimspiel in Innsbruck zum Sieg.

Thomas Morgenstern springt beim Heimspiel in Innsbruck zum Sieg.

dpa

Thomas Morgenstern springt beim Heimspiel in Innsbruck zum Sieg.

Bischofshofen (dpa) - Thomas Morgenstern will sich mit dem ersten Tournee-Triumph einen Kindheitstraum erfüllen und Österreichs Ski-Adlern einen spektakulären Rekord bescheren.

Als bisher einzige Nation in der 58-jährigen Geschichte der Traditionsveranstaltung hat Norwegen durch Björn Wirkola (1967-1969) dreimal nacheinander den Sieger gestellt, drei verschiedene Gewinner aus einem Land in Serie gab es aber noch nie.

«Wenn man schaut, dass wir die letzten drei Jahre immer ganz vorne waren, und das mit drei verschiedenen Sportlern, das hat noch keine Nation zustande gebracht», stellte Cheftrainer Alexander Pointner vor dem Finale in Bischofshofen fest. 2009 hatte Wolfgang Loitzl die Nase vorn, im Vorjahr triumphierte Andreas Kofler. Nun soll Morgenstern den Hattrick perfekt machen.

Nach einer Krise zu Beginn des Jahrtausends traten die Athleten aus der Alpenrepublik mit zwei Mannschaftstiteln bei der Weltmeisterschaft 2005 ihren Siegeszug an, der bis heute anhält. Als Team sind die Österreicher seither bei allen Großveranstaltungen (WM und Olympia) ungeschlagen.

Zwar spuckten Ausnahmekönner wie der Schweizer Simon Ammann, Janne Ahonen aus Finnland oder der Pole Adam Malysz den «Austria-Fliegern» im Einzel so manches Mal in die sportliche Suppe, aber kein Land im Skisprung-Zirkus kann mit so vielen Top-Athleten aufwarten. «Die Mannschaft hat gelernt, wenn mehrere Spitzenspringer da sind, dass einer die Verantwortung übernimmt», erklärte Pointner.

Die Basis für den Erfolg wurde vor vielen Jahren mit einer radikalen Umstellung des gesamten Systems gelegt. «Wir sind ein gutes Team, in dem stark vernetzt gearbeitet wird. Das ist der Grundstein, daraus resultieren die Ressourcen. Es gibt eine lückenlose Betreuung aller Athleten, die nach Auswahllehrgängen gleich wieder zu Hause weiter betreut werden», berichtete der Erfolgstrainer. Es sei nicht das primäre Ziel, «schon ganz junge Athleten an die Weltspitze zu führen, sondern ihnen eine gute Ausbildung zu geben.»

Der 40-Jährige hat mit seinen Schützlingen zudem neue Wege beschritten. Wenn andere Nationen vor der Saison zum Schneetraining ins dunkle Skandinavien reisen, liegt Pointner mit seinen Jungs beim Badeurlaub in Ägypten am Strand. Dies gehört zum Neuro-Coaching, das vom Deutschen Ulrich Conradi entwickelt wurde und den Österreichern seit drei Jahren mentale Stärke verleiht. Kern der Methode: Das Hirn ist trainierbar wie ein Muskel.

Die Erfolge geben Pointner und seinen Springern, die im Weltcup seit einigen Jahren mit einem Tour-Bus unterwegs sind, recht. Dennoch achtet der Familienvater darauf, dass keiner die Bodenhaftung verliert: «Wir sind mit dem zufrieden, was wir haben und wissen es wertzuschätzen, denn es ist nicht selbstverständlich, wenn man jemand unter den Top Drei hat. Das Ganze ist kein Wunschkonzert und die anderen sind auch keine Deppen.»

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