Gefeiert
Martin Schmitt wurde von den Fans bei seinem letzten Auftritt in Garmisch-Partenkirchen frenetisch gefeiert. Foto: Fredrik Von Erichsen

Martin Schmitt wurde von den Fans bei seinem letzten Auftritt in Garmisch-Partenkirchen frenetisch gefeiert. Foto: Fredrik Von Erichsen

Zugleich übernahm Diethart mit seinem Erfolg die Führung in der Gesamtwertung. Foto: Daniel Karmann

dpa, Bild 1 von 2

Martin Schmitt wurde von den Fans bei seinem letzten Auftritt in Garmisch-Partenkirchen frenetisch gefeiert. Foto: Fredrik Von Erichsen

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Severin Freund saß nach seinem kapitalen Fehlstart ins Olympia-Jahr längst im Teamcontainer, als Martin Schmitt zum letzten Mal in seiner Karriere noch einmal das Bad in der Menge genoss.

Mit dem Halbzeit-Aus beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen verspielte Freund die letzte Chance auf einen deutschen Podiumsplatz in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee. «Wir haben sehr durchwachsene Tage hinter uns. Wir wollten um den Gesamtsieg mitkämpfen, dieser Zahn ist uns gezogen worden», sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Immerhin sorgten Andreas Wellinger als bester DSV-Adler auf Rang fünf und Richard Freitag als Neunter beim Sieg des Österreichers Thomas Diethart zumindest für einen kleinen Lichtblick. «Ihnen ist heute ein Befreiungsschlag gelungen. Das ist eine tolle Geschichte. Alle haben die Ärmel hochgekrempelt», berichtete der Chefcoach.

Auch Routinier Schmitt hatte nach Rang 27 gut lachen, wurde er bei seinem letzten Weltcup-Auftritt von den 21 000 Fans in Garmisch-Partenkirchen doch frenetisch gefeiert. «Das war traumhaft vor dieser Kulisse. Ich habe alles aufgesogen und es genießen können, es war ein besonderer Tag», sagte Schmitt.

Seine 18. Tournee darf Schmitt nicht mehr zu Ende springen, denn Bundestrainer Werner Schuster nimmt den 35-Jährigen nicht mit nach Innsbruck und Bischofshofen. «Er hat die Entscheidung sofort akzeptiert. Es war für ihn nachvollziehbar», berichtete Schuster, der dem siebenköpfigen Weltcup-Team den Vorzug gab. «Ich habe sieben Springer, die schon die Olympia-Norm haben. Denen will ich das Vertrauen schenken», sagte Schuster.

Mit dem Ausgang des Wettbewerbes hatten seine Schützlinge wie schon beim Auftakt in Oberstdorf nichts zu tun. Newcomer Diethart flog mit 141 und 140,5 Metern der Konkurrenz um Landsmann Thomas Morgenstern und Simon Ammann aus der Schweiz davon und fährt als Gesamtführender nach Innsbruck. «Ich bin überwältigt. Das ist so ein geiles Gefühl», sagte der 21-Jährige.

Bei den Deutschen patzte dagegen ausgerechnet Frontmann Freund und verstärkte mit seinem Halbzeit-Aus die Misere. «Wir haben derzeit ein Problem: Wir haben keine klare Hierarchie im Team. Die muss sich wieder einstellen», erklärte Schuster.

Freund, der mit 130 Metern sein K.o.-Duell gegen den Japaner Taku Takeuchi verlor und - anders als Michael Neumayer und Schmitt - auch nicht unter die besten Lucky Loser kam, stand die Enttäuschung über das Ende aller Tournee-Chancen ins Gesicht geschrieben. «Ich habe gedacht, dass ich stabiler bin. Es hat wieder nicht gereicht. Das ist sehr schade, aber ich bin einfach schlecht gesprungen», bilanzierte der 25 Jahre alte Bayer.

Die weiteren Tournee-Stationen will er nun dazu nutzen, «wieder in die Spur zurückzufinden». Schuster nahm seine Nummer 1 daher auch in Schutz: «Er trägt das deutsche Skispringen seit einigen Jahren. Aber er ist auch nur ein Mensch und muss damit leben.»

Wie Freund erlebte auch Marinus Kraus einen brutalen Absturz. Der 22-Jährige, beim Auftakt in Oberstdorf als Achter noch bester DSV-Springer, schied auf Rang 35 ebenfalls im ersten Durchgang aus. «Er ist noch jung, da geht es immer mal auf und ab», kommentierte Schuster das enttäuschende Ergebnis.

Dafür meldete sich Wellinger eindrucksvoll zurück. Der 18 Jahre alte Youngster flog auf 134 und 134,5 Meter. Zum dritten Platz, den Ammann hinter Morgenstern belegte, fehlten 11,3 Punkte. «Ich bin natürlich sehr zufrieden», sagte Wellinger, «wir sind auf einem richtigen Weg und machen da weiter.»

Hoffnungen weckte auch der Auftritt von Freitag, der 133 und 133,5 Meter sprang. «Ich bin froh, dass mir diese Steigerung gelungen ist. Das nehme ich gerne an», frohlockte der zum Auftakt in Oberstdorf gescheiterte Sachse. «Er war der Sieger des Tages», lobte Schuster. Nach einem Mittelfußbruch im Herbst und einer Knochenhautreizung unmittelbar vor der Tournee hofft Freitag darauf, dass der Knoten nun platzt: «Ich gebe alles und schaue, was gelingt.»

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