Dauerbrenner
Skispringer Michael Uhrmann setzt seine Karriere weiter fort.

Skispringer Michael Uhrmann setzt seine Karriere weiter fort.

dpa

Skispringer Michael Uhrmann setzt seine Karriere weiter fort.

Kuusamo (dpa) - «Wenn ich die WM in Oslo auslasse, würde ich mir das nie verzeihen. Der Holmenkollen ist ein Mythos. Das wird eine völlig andere WM als jede andere vorher.» Die Augen von Michael Uhrmann leuchten bei diesen Sätzen.

Allein die Aussicht auf die Titelkämpfe im Februar 2011 waren für den beständigsten deutschen Skispringer der vergangenen Jahre Motivation genug, um noch ein Jahr dranzuhängen. «Ich habe vor der vergangenen Saison und auch mitten drin über den Schlusspunkt nachgedacht. Aber bei Olympia und der Silbermedaille mit dem Team war klar, dass ich noch ein Jahr weitermache», sagt der 32-Jährige.

Uhrmann hat sich im Sommer der Herausforderung einer neuerlichen Umstellung des Sprungstils gestellt. Das starre Bindungssystem verlangt einige Änderungen im Bewegungsablauf. «Das Thema ist sicher für einige eine große Chance. Für mich nicht. Mein Bindungssystem ist eigentlich total simpel, hat überhaupt nichts geheimes», erzählt der Familienvater aus Rastbüchl entspannt vor dem Weltcup-Auftakt am Wochenende im finnischen Kuusamo.

Drei verschiedene Varianten testete Uhrmann im Sommer und könnte prinzipiell auf alle drei zurückgreifen. «Aber ich lege mich auf eine Variante fest. Man muss nun die ersten Weltcup-Sprünge abwarten, ob das richtig ist, sehen, was die Konkurrenz macht. Fest steht: Die Bindung allein macht es nicht. Wer gewinnen will, muss alle Komponenten des Springens beherrschen», meint der Polizeihauptmeister.

Von eigenen Siegen spricht Uhrmann nicht. «Ich möchte mein Limit erreichen und wenn es wieder so wäre wie im vergangenen Winter, nämlich beim Saisonhöhepunkt, wäre das toll. Momentan ist die Form noch nicht so wie gewünscht, aber mir bringen sowieso vor allem die Wettkämpfe den nötigen Kick», berichtet Uhrmann. Deshalb blickt er dem Auftakt locker entgegen.

Dass die deutschen Adler erneut ohne einen Schneesprung in den ersten Wettkampf gehen, interessiert den Routinier nicht mehr. «Im vorigen Winter war das für mich ein großes Problem, ich war überaus nervös. Aber es hat geklappt, wir hatten einen Superstart. Es ist ja jetzt durch die Eisspuren auf den modernen Schanzen auch etwas völlig anderes. Das sind wettkampfnahe Voraussetzungen», sagt der zweifache Titelträger der diesjährigen Meisterschaften.

Im deutschen Skiverband hat man das Training etwas umgestellt. Der Österreicher Harald Pernitsch hat für die Schützlinge von Bundestrainer Werner Schuster spezielle Programme für den Kraft- und Athletikbereich geschrieben. Eine wöchentliche Kontrolle der Werte soll dazu beitragen, dass keiner überzieht. «Ich trainiere weiter bei Peter Wucher, der einiges aus dem Pernitsch-Programm übernommen hat. Bei mir wird alle zwei bis drei Wochen kontrolliert», erzählt Uhrmann. Erfolge sind sichtbar. «Ich bin zufrieden, habe bei meinen Werten im Vergleich zum vorigen Jahr nichts verloren. Im Gegenteil. Sie sind besser», berichtet der Team-Olympiasieger von 2002.

Der Spaß steht jetzt im Vordergrund. «Ich kann nicht ewig springen, das ist klar. Oslo ist ein großes Ziel, das möchte ich schaffen und mich rechtzeitig qualifizieren. Deshalb ist kein Weltcup für mich unwichtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach dieser Saison Schluss ist, ist größer als im vergangenen Jahr», sagt Uhrmann, der momentan seinen A-Trainerschein macht. Seine Zukunft ist klar skizziert: Trainer und Ausbilder bei der Bundespolizei. «Die Theorie muss ich mir noch aneignen, die praktische Erfahrung nach zehn Jahren Skispringen in der Weltspitze aber kann mir keiner nehmen.»

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