Langlauftrainer Markus Cramer: «Wenn so ein Sportler (...) vor mir steht und unter Tränen schwört, nichts genommen zu haben, dann glaube ich ihm das.» Foto: Peter Schneider
Langlauftrainer Markus Cramer: «Wenn so ein Sportler (...) vor mir steht und unter Tränen schwört, nichts genommen zu haben, dann glaube ich ihm das.» Foto: Peter Schneider

Langlauftrainer Markus Cramer: «Wenn so ein Sportler (...) vor mir steht und unter Tränen schwört, nichts genommen zu haben, dann glaube ich ihm das.» Foto: Peter Schneider

dpa

Langlauftrainer Markus Cramer: «Wenn so ein Sportler (...) vor mir steht und unter Tränen schwört, nichts genommen zu haben, dann glaube ich ihm das.» Foto: Peter Schneider

Oberstdorf (dpa) - Markus Cramer ist in diesen Tagen der gefragteste Interview-Partner im Lager der Ski-Langläufer. Nicht nur, weil der Sauerländer Trainer des derzeitigen Tour-Dominators Sergej Ustjugow ist.

Auskunft zu seinem russischen Schützling, der in Val Müstair die beiden ersten Tour-Etappen gewann, gibt Cramer gern. Bedeutend unangenehmer sind ihm die Fragen zu Alexander Legkow und Jewgeni Below, die er seit knapp zwei Jahren in seiner Trainingsgruppe betreut. Beide sind nach dem McLaren-Report wegen mutmaßlicher Dopingverstrickungen vom Weltverband FIS derzeit suspendiert.

«Was soll ich erzählen? Während der zur Disposition stehenden Zeiten war ich im Deutschen Skiverband beschäftigt. Ich kann also nur das sagen, was ich von den Betroffenen höre und was ich mir nach meinen bislang in Russland gemachten Erfahrungen zusammenreime», sagt der 54-Jährige zu dem brisanten Thema.

Was er von Legkow hört, sind Unschuldsbeteuerungen. «Ich kenne ihn seit 2007 etwas näher. Wenn so ein Sportler, der vier Jahre lang immer in den Top Fünf des Gesamtweltcups war, der die Tour de Ski und Weltcup-Rennen gewonnen hat und damit kein zufälliger Olympiasieger wurde, vor mir steht und unter Tränen schwört, nichts genommen zu haben, dann glaube ich ihm das», betont Cramer.

Der Trainer verweist zudem auf Legkows Anti-Doping-Pass. Von August 2013 bis Juli 2014, also in der Zeit der Olympischen Winterspiele 2014, wurde Legkow 20 Mal getestet, davon 16 Mal im Ausland. Auch deshalb, weil der russische Star-Läufer zu dieser Zeit vom Schweizer Trainer Reto Burgermeister betreut wurde und sich die meiste Zeit zum Training in der Schweiz aufhielt. Alle analysierten Proben waren negativ.

Cramer war im Sommer 2015 nach Russland gewechselt. Auf Wunsch Legkows, zu dem er über die vielen Jahre ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hat. Nachdem er im ersten Jahr nur Legkow und Sergej Turischew betreut hatte, legte ihm Verbandspräsidentin Jelena Vjälbe im vergangenen Sommer nahe, noch mehr Läufer in seine Gruppe aufzunehmen. Mittlerweile sind es 13. «Junge und Ältere, Erfahrene und unheimlich Talentierte», berichtet Cramer. Eine seiner ersten Ansprachen an die gemischte Gruppe war: «Kein Doping. Wir müssen durch Leistungen überzeugen. Nur die sind Argumente für einen sauberen Sport», sagt Cramer.

Umso schockierter war er dann nach dem McLaren-Report. «Es ist nichts bewiesen, der Sportler hat keinen Einfluss darauf, was geschehen sein könnte. Das ist sehr schwierig, ihn dann zu motivieren. Aber Legkow will es allen beweisen. Er trainiert jetzt für die WM», berichtet der deutsche Coach. Seine startberechtigten Schützlinge kämpfen auch für ihre suspendierten Trainingskollegen. Ustjugow widmete in einem Stadion-Interview in Val Müstair seine Siege Legkow und Below. «Das hat mich sehr berührt. Die Gruppe ist sehr eng zusammengewachsen», sagt Cramer.

Er hofft, dass sich bald vieles klären lässt, dass auch die Anhörung vor der FIS-Kommission schnellstens stattfindet und die Suspendierung aufgehoben wird. «Ich stehe ungern an vorderster Front. Mir wäre es lieber, die Athleten können bald ähnlich wie Ustjugow wieder Sieger-Interviews geben.»

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