Kathrin Hölzl freut sich auf die WM in Garmisch-Partenkirchen.
Kathrin Hölzl freut sich auf die WM in Garmisch-Partenkirchen.

Kathrin Hölzl freut sich auf die WM in Garmisch-Partenkirchen.

dpa

Kathrin Hölzl freut sich auf die WM in Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Mehr als 50 Rennen waren die deutschen Alpinen bei Großereignissen ohne Medaille - dann schlug Kathrin Hölzl zu. Bei der WM in Val d'Isère wurde sie vor zwei Jahren Weltmeisterin im Riesenslalom.

Danach folgten noch ein WM-Titel von Maria Riesch und als Höhepunkt dreimal Gold bei Olympia in Vancouver. Bei der Heim-WM will das Team wieder zuschlagen.

Jahrelang wird über die Heim-WM gesprochen - jetzt ist sie da. Wie fühlt sich das für einen Sportler an?

Hölzl: «Es ist natürlich ein Traum, dass man als Athlet eine WM zu Hause miterleben darf. Wenn man weiß, dass das ganze Publikum hinter einem steht und sich jeder mitfreut, die ganze Familie da sein wird, das motiviert einen extrem. Und wenn man dann noch als Titelverteidigerin an den Start geht, ist das genial.»

Kann die Erwartungshaltung in der Heimat auch zum Problem werden?

Hölzl: «Für mich nicht, aber jeder ist da ein bisschen anders. Sicher ist der Druck bei einer Heim-WM größer als in Val d'Isère, wo wir ab vom Schuss waren. Aber eine WM vor der Haustür ist eine einmalige Gelegenheit und das Schönste, das ich mir vorstellen kann.»

Was ändert sich am WM-Gefühl, wenn man als Titelverteidigerin an den Start geht?

Hölzl: «Naja, ich war noch nie als Titelverteidigerin bei der WM. Ich werde versuchen es so anzugehen wie damals, dass ich mich selber nicht so unter Druck setze. Ich weiß, ich bin schon einmal Weltmeisterin geworden, das kann mir keiner mehr nehmen. Natürlich sind auch jetzt das Ziel und der Traum eine Medaille. Aber wenn es nicht so sein sollte, kommen die nächsten Großereignisse, das wäre also auch kein Weltuntergang. Man muss versuchen locker drauf los zu fahren.»

Sie haben bei der WM in Frankreich 2009 die schier endlos lange Durststrecke der deutschen Alpinen bei Titelkämpfen beendet. Seitdem kommt Erfolg nach Erfolg. Macht einen das stolz, den Bann gebrochen zu haben?

Hölzl: «Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht. Es war damals einfach ein Tag, an dem alles gepasst hat. Ich habe vor dem zweiten Durchgang gewusst, heute kann es funktionieren. Dass es dann Gold wird, damit habe ich nicht gerechnet, damit hat wahrscheinlich keiner gerechnet. Vielleicht war das ein bisschen der Anschub, dass auch die anderen gesehen haben, es geht und man kann auch bei Großereignissen, wenn man das fährt, was man kann, eine Medaille holen. Mehr hab ich ja nicht gemacht. Dann ging eines ins andere und jetzt sind wir da, wo wir jetzt sind.»

Denken Sie noch oft an Val d'Isère zurück?

Hölzl: «Natürlich hat man mal Momente, wenn man im Auto eine gewisse Musik hört oder so, dann denkt man schon mal daran zurück. Das war damals ein Wahnsinnsgefühl und daran erinnert man sich gerne. Wenn ich das Gefühl bei der Heim-WM wieder hochholen kann, vielleicht hilft mir das dann.»

Bei der WM 2007 und 2009 erreichten sie jeweils die besten Ergebnisse im deutschen Team. Können Sie zum Saisonhöhepunkt auch diesmal die beste Leistung erzielen?

Hölzl: «Ich denke, dass ich ein Typ bin, der bei solchen Großereignissen das zeigen kann, was er fahren kann. Aber man kann das nicht planen. Ich versuche einfach, den Wettkampf nicht wie eine WM, sondern wie ein normales Rennen zu sehen. Auch wenn es WM heißt, ist es nur ein Skirennen und man muss nur rot blau rot blau fahren. So versuche ich das zumindest zu sehen. Bis jetzt ist es ganz gut gelungen.»

Was kommt dabei in Ergebnissen ausgedrückt heraus?

Hölzl: «Natürlich ist das Ziel eine Medaille. Ich habe letztes Jahr den Riesenslalom-Weltcup gewonnen, bin heuer aufs Podium gefahren. Es wäre Schmarrn, wenn ich sage, ich will unter die ersten Zehn. Aber man kann es nicht mit Gewalt erzwingen. Ich versuche einfach gut Ski zu fahren und das ganze Drumherum, die Zuschauer und Emotionen zu genießen - und dann denke ich, dass das eine gute WM werden kann.»

Im Riesenslalom sind Sie, Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg und Maria Riesch top. Eine Medaille in dieser Disziplin ist also sicher, oder?

Hölzl: «Sicher ist gar nichts, aber ich denke, dass wir ein sehr starkes Team haben. Das ist super. Man weiß, wenn ich die Chance auslasse, ist noch eine andere da, die für unsere Nation eine Medaille holen kann. Schon im Training pusht man sich gegenseitig und man weiß, dass man international vorne dran ist, wenn man es schon im Training ist. Das gibt Selbstvertrauen und das kann man im Rennen dann leichter umsetzen.»

Aber irgendwo nehmen Sie sich die Medaillen doch auch selber weg...

Hölzl: «Was heißt wegnehmen? Wenn wir alle eine Medaille holen, wären wir eins, zwei, drei - dann nimmt keiner dem anderen eine Medaille weg. Das wäre eine Traumvorstellung. Beim Weltcup-Finale haben wir schon gezeigt, dass wir alle auf dem Hang schnell fahren können. Da waren wir zwei, drei, vier. Aber bei der WM gibt es noch viele andere, die die Nase vorne haben können.»

In der Olympia-Saison musste für Erfolge oder Strafen in die Mannschaftskasse eingezahlt werden. Gibt es eine WM-Kasse?

Hölzl: «Das könnte sich lohnen... Damals haben wir Olympia bei der Mannschaftskasse nicht dabei gehabt, das war sehr ärgerlich. Damals haben wir aus der Kasse unseren Koch im Trainingslager in Neuseeland bezahlt. Eigentlich wollten wir ein riesen Fest machen, Geld wäre genug dagewesen, aber wir haben keinen Termin gefunden. Und dann haben wir gesagt, wenn wir keinen Termin finden für eine gemeinsame gemütliche Feier, lassen wir es lieber wieder.»

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