Linus Straßer
Machte in Adelboden einen großen Schritt Richtung Olympia: Slalom-Läufer Linus Straßer. Foto: Jean-Christophe Bott

Machte in Adelboden einen großen Schritt Richtung Olympia: Slalom-Läufer Linus Straßer. Foto: Jean-Christophe Bott

Siegte in Adelboden auch im Slalom: Marcel Hirscher aus Österreich. Foto: Jean-Christophe Bott

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Machte in Adelboden einen großen Schritt Richtung Olympia: Slalom-Läufer Linus Straßer. Foto: Jean-Christophe Bott

Adelboden (dpa) - Linus Straßer wertete das halbe Olympia-Ticket als Erfolg - obwohl für den Skirennfahrer vom TSV 1860 München eine noch bessere Platzierung als Rang zehn möglich war.

«Natürlich freue ich mich über das Ergebnis, aber da ist noch so viel mehr drin», sagte der 25-Jährige nach dem Weltcup-Slalom in Adelboden. Fünf Wochen vor den Winterspielen in Südkorea fehlt ihm nun noch ein weiteres Top-15-Ergebnis für die Norm. Vor allem seine Fahrt im zweiten Lauf - bis zum schwächeren Zielhang - war aber ein deutlicher Fingerzeig in Richtung der Platzierungen, die ihm viele Experten und er sich selbst seit Jahren zutrauen.

Nach dem Kreuzbandriss von Felix Neureuther und in der nach langer Verletzungspause anhaltend schwachen Phase des einstigen WM-Zweiten Fritz Dopfer ist Straßer derzeit der einzige deutsche Slalom-Fahrer, der das Leistungsvermögen für absolute Spitzenplätze im Weltcup hätte - und damit, in der Theorie, auch für die Winterspiele in Pyeongchang.

«Er wäre jemand, der in die besten Fünf fahren kann von seinem Potenzial», urteilte Alpinchef Wolfgang Maier in der Schweiz. Aber: «Linus hat noch nicht die Gelassenheit, um das, was er kann, auch zu hundert Prozent zwischen den Toren zu zeigen.»

Deswegen ist Straßer rund einen Monat vor dem Saisonhöhepunkt weniger ein Versprechen als eher eine Hoffnung - an die nicht nur er selbst voll Überzeugung glaubt. «Entweder man steckt den Kopf in den Sand, oder man kämpft. Es geht mir auch nicht darum, in die Top 15 zu fahren. Sondern ganz vorne rein», sagte der Lockenkopf. «Ich vertraue dem, was ich kann, und dem, was ich mache, noch immer absolut.»

Erfolge wie Rang drei beim City-Event in Oslo am Neujahrstag oder sein erster Weltcup-Sieg beim Parallel-Rennen in Stockholm im Januar 2017 bestätigen ihn - ebenso wie der zehnte Platz in Adelboden. Vor Dopfer auf Rang 22 und Dominik Stehle als 26. war er damit bei Marcel Hirschers 52. Weltcup-Sieg klar der beste Deutsche.

Neureuther und Dopfer berichten von Trainingsbestzeiten ihres unverändert selbstbewussten Teamkollegen, der seit seiner Premieren-Saison vor drei Jahren bei den Weltmeisterschaften stets als Geheimfavorit auf Spitzenergebnisse gehandelt worden ist. Auch Alpin-Chef Maier lässt keinen Zweifel an dessen Fähigkeiten.

Womöglich sind solche Kommentare und Prognosen aber auch ein Teil von Straßers Problem. «Eine Erwartungshaltung ist etwas anderes als das, was ich auf die Piste bringe», sagte Maier. «Der Linus ist der einzige, der mal ganz vorne was reißen könnte, aber mit diesem Thema kann er noch nicht so umgehen. Jeder sagt ihm, er kann es. Aber er bringt es nicht auf den Rennhang.» Im Slalom war bis Sonntag der 20. Platz in Madonna di Campiglio seine Saisonbestleistung.

Straßer wirkt beherrscht, wenn er über das Thema der ausbleibenden guten Platzierungen reden soll. «Das ist die erste Saison mit Olympia, das kommt sicher dazu. Ich sehe das als Lernprozess und nehme das auch so hin», sagt er. An seinem Plan will er festhalten.

«Wir haben uns extrem gut vorbereitet, ich habe gut gearbeitet, habe gutes Material und gute Trainer um mich rum. Ich fahre auch sehr schnell Ski. Das muss ich nur mal im Rennen umsetzen. Das ist für mich eine Frage der Zeit.» Zehnter auf dem schweren Chuenisbärgli von Adelboden war da ein guter Anfang: «Jetzt ist der Januar. Jetzt ist der Slalom-Monat. Es geht jetzt erst richtig los.»

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