Von Skiläuferin Maria Riesch wird bei der Heim-WM viel erwartet.
Von Skiläuferin Maria Riesch wird bei der Heim-WM viel erwartet.

Von Skiläuferin Maria Riesch wird bei der Heim-WM viel erwartet.

dpa

Von Skiläuferin Maria Riesch wird bei der Heim-WM viel erwartet.

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Sie ist vor dem Start der alpinen Weltmeisterschaften die Hauptdarstellerin. Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch steht von Dienstag an im Mittelpunkt des deutschen Interesses.

Im Super-G steht die erste von elf Medaillen-Entscheidungen in Garmisch-Partenkirchen an. In fünf olympischen Disziplinen geht die Slalom-Weltmeisterin an den Start - Medaillenchancen hat sie in jeder. «Alleine die Vorstellung einer Siegerehrung in meiner Heimat, vor so vielen Leuten, die ich kenne - dort zu jubeln wäre etwas ganz besonderes. Vielleicht wäre es sogar vergleichbar mit Olympia», sagte die 26-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Kann man bei einer Heim-WM eigentlich zu Hause schlafen?

Riesch: «Wir haben es ein paar Mal durchgesprochen. Die Trainer haben es mir überlassen, ob ich im Hotel oder daheim schlafe, aber daheim fühle ich mich am wohlsten. Der Vorteil des Hotels ist, dass der Physiotherapeut vor Ort ist und man dort auch die täglichen Videoanalysen macht. Ich werde wohl mischen, mal da, mal da übernachten, wie es für mich am besten ist.»

Das ist ein schöner Heim-Vorteil in den eigenen vier Wänden einmal abschalten zu können. Gibt es noch andere Heim-Vorteile?

Riesch: «Eigentlich ist der Heim-Vorteil der, dass man auf einer Strecke oft trainieren konnte. Den hatte ich nicht ganz so, weil ich als Fahrerin von allen Disziplinen ständig irgendwo im Weltcup unterwegs war. Aber ein oder zwei Tage haben wir hinbekommen auf der Kandahar und auf dem Gudiberg.»

Sie sprechen die beiden Strecken an. Wann sind Sie das erste Mal auf den Heimpisten gefahren?

Riesch: «Da kann ich mich nicht mehr dran erinnern, weil das schon so lang her ist. Ich hab schon als ganz kleines Kind mit dem Skiclub am Gudiberg trainiert, das war der Hausberg. Die Kandahar kenne ich sicher als kleines Kind aus dem Skikurs. Meine Mama hat erzählt, dass ich noch nicht einmal drei Jahre alt war, als ich die Kandahar heruntergefahren bin.»

Was macht eine Heim-WM für Sie besonders?

Riesch: «Der Name sagt schon alles: Heim-WM. Die Chance bekommen nicht viele Sportler in ihrer Karriere, dass sie eine WM im eigenen Heimatort fahren dürfen und dann auch noch mit guten Chancen Medaillen zu gewinnen. Das ist der größte Traum und vor eigenem Publikum wäre es die Krönung von diesen drei Jahren mit Großereignissen. Nach der WM 2009 und Olympia vergangenes Jahr sind ja vielleicht aller guten Dinge drei.»

Kann man den Stellenwert einer WM mit Olympia vergleichen?

Riesch: «Man kann es nicht so richtig vergleichen, denn Olympia ist das größte Sportereignis überhaupt. Dass ich da zwei Goldmedaillen gewonnen hab, kann mir niemand mehr nehmen und das ist ein Wahnsinnsgefühl. Aber natürlich ist die Heim-WM auch eine besondere Herausforderung. Alleine die Vorstellung einer Siegerehrung in meiner Heimat, vor so vielen Leuten, die ich kenne - dort zu jubeln wäre etwas ganz besonderes. Vielleicht wäre es sogar vergleichbar mit Olympia.»

Welche Ziele haben Sie sich für die WM gesteckt?

Riesch: «Schwer zu sagen. Die Ziele zu hoch stecken möchte ich auf keinen Fall. Ich weiß, dass ich gut drauf bin und in allen Disziplinen auf das Podest fahren kann. Gemessen daran könnte man vielleicht sagen, mein Ziel ist, in jeder Disziplin eine Medaille zu holen, was sicher fast unmöglich ist. Wenn es mir gelingen sollte, einmal Gold zu holen, wäre ich glücklich und zufrieden. Und alles, was dann noch dazu kommt, wäre der absolute Traum.»

Was trauen Sie der gesamten deutschen Mannschaft in Garmisch-Partenkirchen zu?

Riesch: «Dass wir ein starkes Team haben, nimmt den Druck ein bisschen. Neben mir sind noch zwei, drei andere, die Medaillen holen können. Die letzten Großereignisse hat man es nicht so erwartet, aber es ist passiert. Jetzt kann man es erwarten. Hoffen wir, dass es auch passiert.»

Sie sagen es, es wird erwartet. Kann der Erwartungsdruck auch zu einer zu schweren Last werden?

Riesch: «Das ist eine individuelle Geschichte. Ich bin zum Glück die letzten Jahre mit dem Druck immer sehr gut umgegangen, beziehungsweise man macht das nicht bewusst, das geschieht einfach. Es ist wohl ein Talent, einen kühlen Kopf zu bewahren. Das ist mir die letzten beiden Jahre sehr gut gelungen, aber das ist keine Garantie, dass das immer so klappt. Die Erlebnisse in Val d'Isère und Vancouver geben mir da schon Stärke und Sicherheit. Von mir wird am Meisten erwartet, vielleicht sind die Anderen dadurch ein bisschen abgeschottet.»

Sie haben die vergangenen Jahre ihre Wettkampfstärke bewiesen. Freut man sich am Ende vielleicht sogar auf diesen Druck?

Riesch: «Irgendwie schon, denn es ist ja auch eine Riesen-Motivation. Eine gewisse Nervosität gehört am Start einfach dazu, die braucht man, um sich unter höchster Anspannung voll in einen Lauf hineinzuhauen. Es ist nur wichtig, dass man in dem Moment, wo es los geht, keine zittrigen Knie mehr hat.»

Lernt man mit Druck umzugehen oder ist das eine angeborene Gabe?

Riesch: «Ich glaube, ich habe ein gewisses Talent dafür. Dazu kommt, dass ich entsprechende Erfahrungen bei den vergangenen Großereignissen gemacht habe. Vor allem in Val d'Isère... Das war schon ein Schlüsselerlebnis in meiner Karriere. Sturz im Training, dann Abfahrt und Super-G schlecht, in der Kombi nicht gut gefahren und dann noch krank geworden, im Riesenslalom gestürzt. Es sprach eigentlich alles gegen mich - und dann trotzdem bei der allerletzten Chance die Goldmedaille im Slalom zu holen, dass war eine unglaubliche Befreiung innerlich. Das hilft einem einfach.»

Manche Trainer sprachen wegen dieser Wettkampfstärke schon von Ihnen als «Rennpferd». Ärgert eine junge Frau so ein Begriff eigentlich?

Riesch: «Die Bezeichnung ist ein bisschen unglücklich, aber eigentlich ist es ein Kompliment und jeder weiß, was damit gemeint ist. Und es ist immer noch besser als Rennsau.» (lacht)

Sie starten bei jedem Weltcup und haben ein Riesen-Programm. Wie kann man da Kraft und Energie tanken, um auch bei der WM noch Reserven zu haben?

Riesch: «Das geht fast nicht. Aber das ist ähnlich wie in den letzten Jahren auch. Für Vielfahrer ist das Programm eng. Wenn es so gut läuft wie in dieser Saison bei mir, steckt man es auch einigermaßen leicht weg. Natürlich ist man immer am Limit und muss schauen, dass man die wenigen freien Tage zur Regeneration nutzen kann. Ich hab es die letzten Jahre ganz gut hinbekommen und ich habe immer gegen Ende der Saison, auch wenn ich an Substanz oder Gewicht verloren hatte, weiter gute Leistungen gebracht. Ich bin das einfach so von jungauf gewöhnt.»

Was ist Ihnen wichtiger: Der Sieg im Gesamtweltcup oder WM-Gold?

Riesch: «WM-Gold.»

Warum?

Riesch: «Ich hab das die letzten beiden Jahre miterlebt, was so eine Goldmedaille auslöst. Sicher ist der Gesamtweltcup ein großes Ziel von mir und sportlich das Beste, das man erreichen kann. Aber es ist in der Wahrnehmung von außen nicht vergleichbar mit einer Goldmedaille.»

Egal ob WM oder Weltcup - das Duell gegen Lindsey Vonn dürfte es auch in Garmisch-Partenkirchen geben. Wird man die Nähe wieder wie bei Olympia reduzieren?

Riesch: «Da wurde auch ein Großteil medial gepusht. Wir verstehen uns gut, aber sind trotzdem Konkurrentinnen auf der Piste. Wir sind nun einmal auch nicht ständig zusammen und verbringen nicht jede freie Minute miteinander. Teilweise wurde es übertrieben dargestellt. Klar trifft man sich mal auf einen Kaffee, wenn man im selben Hotel wohnt oder man hält auf der Piste kurz Smalltalk. Aber bei den Weltcups konzentriert sich jeder auf sich selbst. Und bei der WM wird es erst recht so sein.»

In Garmisch war sie oft schon, gerade Weihnachten wieder. Haben Sie der Konkurrenz damit nicht einen gefühlten Heim-Vorteil verschafft?

Riesch: «Nein. Die zwei oder drei Tage, die sie ab und zu in Garmisch verbracht hat, die werden sich sicher nicht auf die WM auswirken.»

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