Aussprache
Für Tatjana Hüfner ist der Streit im deutschen Team abgehakt. Foto: Johann Groder

Für Tatjana Hüfner ist der Streit im deutschen Team abgehakt. Foto: Johann Groder

dpa

Für Tatjana Hüfner ist der Streit im deutschen Team abgehakt. Foto: Johann Groder

Lake Placid (dpa) - Vom Zwist im deutschen Rodel-Team hat nun auch Tatjana Hüfner die Nase voll. Nach einer heftigen Verbal-Attacke von Georg Hackl gegen die sechsmalige Weltmeisterin kam es in dieser Woche in Lake Placid zum Krisengespräch, der Disput wurde dabei offiziell ausgeräumt.

«Ich mach' da jetzt einen Strich drunter und einen Haken dran», sagte Hüfner der Deutschen Presse-Agentur. Die Dauer-Debatte um eine angebliche Benachteiligung ihres Oberhofer Trainingsstützpunktes will die routinierte Athletin von nun an ausblenden und sich auf den Sport konzentrieren. Das ist verständlich, steht doch am Wochenende das Rennen auf der Olympiabahn von 1980 an - und dort ist Hüfner in ihrer Karriere noch nie auf das Podium gefahren.

Das ganze Thema, das schon den Olympia-Triumph von Sotschi unschön begleitet hatte, kommt dem Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) mehr als unrecht, zumal die heimischen Spitzenathleten die Konkurrenz weiterhin deklassieren. Kein Wunder, dass Sportdirektor Thomas Schwab Hackl zu einem Gespräch mit Hüfner, Cheftrainer Norbert Loch und Coach Torsten Görlitzer beorderte. Bei dem Termin in dieser Woche habe Hackl eine «unglückliche Wortwahl» eingestanden, erzählte Schwab. «Damit ist die Sache von unserer Seite her geregelt.»

Und für Hüfner? Die Olympiasiegerin von 2010 muss mit der Situation leben, auch wenn es schwer fällt. «Rodeln ist ein sehr feinfühliger Sport, der schon registriert, wenn im Unterbewusstsein irgend etwas nicht passt», erklärte die 31-Jährige. Dass sie nicht so befreit wie in ihren erfolgreichsten Jahren auf den Schlitten steigen kann, ist offensichtlich. Im Team wirkt sie isoliert: Während sich ihre Mannschaftskolleginnen Natalie Geisenberger, Anke Wischnewski und Dajana Eitberger beim Vierfacherfolg jüngst in Innsbruck am Podium herzlich umarmten, gab es für Hüfner nur einen flüchtigen Händedruck.

Hüfner beklagt, dass der bayerische Stützpunkt Berchtesgaden um die Olympiasieger Geisenberger, Felix Loch, die Doppelsitzer Tobias Wendl/Tobias Arlt und dem exzellenten Tüftler Hackl besseres Material und bessere Trainingsbedingungen habe als etwa Oberhof.

Dem widerspricht der BSD, der trotz der Misstöne ja weiterhin Siege in Serie erwarten darf. Hoffnung auf eine Veränderung der Situation kann Hüfner also nicht haben. «Die Rodelmannschaft besteht nun mal aus 15 Athleten, und 14 sind voll zufrieden mit dem Betreuungsteam», sagte Schwab. Schon vor der Saison hätten er und Hüfner über ihre Sorgen gesprochen, «aber keine konsensfähige Lösung gefunden».

So bleibt der 33-maligen Weltcupsiegerin und fünfmaligen Gewinnerin im Gesamtweltcup nichts anderes übrig, als weiter in der Eisrinne um ein Erfolgserlebnis zu kämpfen. Psychologisch wäre ein vorderer Platz in Lake Placid enorm wichtig. «Ich komme diesmal ganz gut zurecht», berichtete Hüfner nach den ersten Trainingsfahrten in den USA.

Favoriten am Mount Van Hoevenberg sind Geisenberger im Frauenrennen am Samstag (15.30 Uhr/MEZ) und am Freitag (18.40 Uhr/MEZ) Loch. «Die Bahn hier ist sehr anspruchsvoll und schwierig zu fahren», erzählte Loch. «Aber bis zum Rennen sollte das schon klappen.» Solch ein souveränes Selbstbewusstsein hat Hüfner momentan nicht.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer