Pechsteins Rückkehr
Claudia Pechstein will nach zwei Jahren Sperre wieder aufs Eis.

Claudia Pechstein will nach zwei Jahren Sperre wieder aufs Eis.

dpa

Claudia Pechstein will nach zwei Jahren Sperre wieder aufs Eis.

Berlin (dpa) - Die Testzeiten stimmen sie zuversichtlich, nach qualvollen Monaten mit schier endlosen juristischen Prozessen greift Claudia Pechstein wieder auf dem Eis an.

Nur vier Tage nach Ablauf ihrer Zwei-Jahres-Sperre wegen erhöhter Blutwerte wird die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin am 12. Februar in Erfurt ihr Comeback geben. Das verkündete die 38 Jahre alte Berlinerin auf ihrer Homepage (www.Claudia-Pechstein.de).

In Erfurt will sie über 3000 Meter die Normzeit von 4:15 Minuten schaffen, um am 18. Februar beim Weltcup in Salt Lake City über 5000 Meter starten zu dürfen. Auf der schnellen Bahn in Utah, auf der Pechstein vor neun Jahren Doppel-Olympiasiegerin geworden war, könnte sie sich mit einer guten Zeit ein Ticket für die Weltmeisterschaften vom 10. bis 13. März in Inzell erkämpfen. Einige Stunden danach wird sie auch versuchen, die 1500-Meter-Norm von 2:03 Minuten zu knacken.

«Die WM im eigenen Land ist mein erklärte Saisonziel. Um dies zu erreichen, muss ich Schritt für Schritt denken», erklärte Pechstein auf ihrer Homepage. «Und den ersten Schritt möchte ich gerne in Erfurt machen», fügte sie hinzu. Sollte sie sich im Utah Olympic Oval für Inzell qualifizieren, wären bei der Einzelstrecken-WM auch Starts über 1500 und 3000 Meter sowie in der Teamverfolgung möglich.

Cheftrainer Markus Eicher traut ihr das durchaus zu. «Ich habe sie heute gesehen, sie ist gut drauf. Ich bin optimistisch, dass sie zum WM-Team gehören kann», sagte Eicher der Nachrichtenagentur dpa. Der Coach stimmte zudem mit ihr das weitere Vorgehen nach ihrem Wiedereinstieg ab. «Es waren gute Gespräche», erklärte er und rechnet auch damit, dass Pechstein das deutsche Trio in der Team-Verfolgung verstärken könnte. «Wir betreiben Leistungssport, und wer Leistung bringt, ist dabei», sagte der Inzeller.

Pechstein müsste in Salt Lake City die 1500 und die 5000 Meter jeweils in der B-Gruppe laufen. Sie hätte aber die Chance, sich mit Siegen sogar für das Weltcup-Finale in Heerenveen zu qualifizieren. Ihr Trainer Joachim Franke, bei dem sie sich seit Monaten individuell vorbereitet, geht gleichfalls von einem erfolgreichen Comeback aus. «In Salt Lake City muss sie aber die 5000 Meter wohl unter sieben Minuten laufen, um nach Inzell zu kommen - sicher eine schwierige Aufgabe», meinte der Berliner, der sich schon seit Jahren im Ruhestand befindet und zuletzt nur Pechstein betreute, die wegen ihrer Sperre in keiner Trainingsgruppe laufen und an keinen Auswahl- Camps teilnehmen durfte.

Bei Formtests in Berlin hatte Pechstein zuletzt ansprechende Leistungen nachgewiesen und auf verschiedenen Strecken die Normzeiten des Weltverbandes ISU unterboten. Das Training absolvierte sie, obwohl sie nach ihrem Nervenzusammenbruch im September krankgeschrieben ist und sich in psychiatrischer Behandlung befindet. Mit ärztlichen Attesten hatte sie die Aufforderung von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) umgangen, sofort ihren Dienst bei der Bundespolizei anzutreten. «In ihrem Heilungsplan steht, dass sie Sport nach eigenem Ermessen treiben kann. Im Moment ist unklar, ob die Krankschreibung bis zum Termin in Erfurt aufgehoben wird», sagte ihr Manager Ralf Grengel.

Doch auch auf juristischem Wege ist für Pechstein die Schlacht gegen die nach ihrer Auffassung ungerechtfertigte Sperre nicht zu Ende. Ihre Anwälte bereiten derzeit eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrecht in Straßburg vor. Pechstein war per indirektem Beweis ohne positive Dopingprobe gesperrt worden. Hämatologen hatten eine Blutanomalie als möglichen Grund der erhöhten Retikulozytenwerte diagnostiziert.

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