Ausfall
Stephanie Beckert wurde nicht für die EM nominiert.

Stephanie Beckert wurde nicht für die EM nominiert.

dpa

Stephanie Beckert wurde nicht für die EM nominiert.

Klobenstein (dpa) - Beckert verletzt, Pechstein gesperrt und Friesinger am Reporter-Mikrofon: Erstmals seit 30 Jahren gehen die erfolgsverwöhnten deutschen Eisschnellläuferinnen ohne Medaillen-Hoffnungen in eine Europameisterschaft.

«Der Ausfall von Stephanie schmerzt sehr. Aber wir konnten kein Risiko eingehen und wollen ihre Medaillen-Chance für die WM in Inzell wahren», verteidigte Cheftrainer Markus Eicher die Entscheidung, Team-Olympiasiegerin Stephanie Beckert nicht im Mehrkampf im italienischen Klobenstein «zu verheizen».

Seit dem Sommer plagt sich die 22-Jährige mit Rückenproblemen und verspürt gerade bei Starts und schnellen Bewegungen auf Kurzstrecken trotz Reha-Maßnahmen kaum Linderung der Schmerzen. «Bei den Weltcups Ende Januar in Moskau und dann in Salt Lake City wird sie auf den langen Strecken wieder dabei sein», kündigte Eicher an. Ungewiss ist Beckerts Start bei der Mehrkampf-WM in Calgary (11. bis 13. Februar). Dazu müssten ihre Vertreterinnen bei der EM auf dem 2070 Meter hohen Rittner Hochplateau in Klobenstein die WM-Tickets erkämpfen.

Ins Rennen schickt Eicher in Isabell Ost (Berlin/22), Jennifer Bay (Dresden/19) und Bente Kraus (Berlin/21) ein unerfahrenes Youngster- Trio. Isabell Ost feierte im Vorjahr ihren EM-Einstand auf Platz 18, für die anderen beiden ist es die erste internationale Meisterschaft. «Ich traue Ost und Bay zu, dass sie ins Finale der besten Zwölf einziehen», gab sich Eicher als Zweck-Optimist und hofft auf weitere Steigerungen der bisherigen zweiten Reihe.

Für die bis zum 8. Februar wegen erhöhter Blutwerte gesperrte Claudia Pechstein ist aus zeitlichen Gründen auch der WM-Start in Calgary noch kein Thema. Stephanie Beckert will darüber erst später entscheiden - Voraussetzung ist aber, dass zumindest eine Deutsche auf der Freiluftbahn, die idyllisch von mehreren Dreitausendern der Dolomiten eingerahmt wird, unter die besten 14 kommt.

120 Jahre nach den ersten Europameisterschaften auf dem Hamburger Heiliggeistfeld geht Titelverteidigerin Martina Sablikova aus Tschechien als Top-Favoritin in den Vierkampf. Das sieht zumindest Anni Friesinger-Postma so, die sich fünfmal die europäische Mehrkampf-Krone aufsetzte und nun ihre Premiere als TV-Reporterin für das niederländische Fernsehen NOS erlebt. «Aber auch die beiden Niederländerinnen Ireen Wüst und Marrit Leenstra haben gute Chancen auf den Titel», sagte die Inzellerin.

Am Fuße des Rittner Horns endet die Regentschaft von Sven Kramer. Der Oranje-Star, der 2007 in Klobenstein seine vierjährige EM- Siegesserie startete, wird in dieser Saison wegen Knie-Problemen pausieren. Um seine Nachfolge streiten vor allen der Norweger Havard Bökko und der Russe Iwan Skobrew. Für Robert Lehmann (Erfurt) und Tobias Schneider (Berlin), die bei kontinentalen Titelkämpfen schon in die Top acht vordrangen, wäre diesmal bereits die Final-Teilnahme und das damit verbundene WM-Ticket ein Erfolg. Die bisher letzte EM- Medaille für deutsche Herren hatte es 1897 beim Sieg des Münchners Julius Seyler gegeben.

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