Hamburg (dpa) - Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) hat ihren Sportlern vorerst freigestellt, zur in zehn Tagen beginnenden Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft nach Tokio zu reisen.

«Ich glaube nicht, dass wir fahren werden», sagte DEU-Vizepräsidentin Elke Treitz vor dem Hintergrund der Erdbeben-Katastrophe und des Atom-Unfalls in Japan der Nachrichtenagentur dpa. Sie hoffe auf eine schnelle Absage der Titelkämpfe vom 21. bis 27. März durch die Internationale Eislauf-Union (ISU).

Der Weltverband zögert noch und arbeitet fieberhaft an einem Notplan, der möglicherweise eine WM zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Land vorsieht. «Durch die radioaktive Gefährdung der Umgebung von Tokio ist eine neue Situation entstanden, deswegen sind neue Informationen aus Japan nötig», sagte der sichtlich betroffene ISU-Präsident Ottavio Cinquanta am Rande der Eisschnelllauf-WM in Inzell.

Man wolle so schnell wie möglich über die definitive Austragung der Titelkämpfe entscheiden, doch in Absprache mit dem japanischen Eislauf-Verband sei dies erst im Laufe der kommenden Woche möglich. «Wir warten auf präzise Angaben der japanischen Behörden», so der Italiener, der auch versicherungstechnische Fragen und Sponsoren im Blick hat. Die Wettkampfhalle Yoyogi Stadium sei unbeschädigt und einige Sportler seien bereits nach Asien geflogen. Der französische Verband hat den Europameister Florent Amodio allerdings bereits zurückgeholt. «Ich sage nicht, dass jemand nicht nach Japan reisen soll», sagte Cinquanta lediglich.

«Meine persönliche Meinung ist, dass so ein Event entweder verschoben oder weggelassen werden sollte», sagte Trainer Ingo Steuer der dpa, «das Leid ist nicht abzusehen und wir sollen lächeln». Die Sportler seien natürlich im Zwiespalt. Die zweimaligen Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy haben mit Steuer erst für kommenden Samstag einen Flug gebucht. «Ich warte, dass uns die Entscheidung abgenommen wird.» Auch der kanadische Verband hat seinen Läufern die Reise freigestellt.

Bisher musste die ISU in ihrer Geschichte nur einmal, vor genau 50 Jahren, eine WM absagen, nachdem bei einem Flugzeugabsturz in Brüssel am 15. Februar 1961 das gesamte US-Nationalteam auf dem Weg nach Prag ums Leben gekommen war.

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