Bob-Cheftrainer René Spies legt den Fokus auf den Materialsektor. Foto: Thomas Eisenhuth
Bob-Cheftrainer René Spies legt den Fokus auf den Materialsektor. Foto: Thomas Eisenhuth

Bob-Cheftrainer René Spies legt den Fokus auf den Materialsektor. Foto: Thomas Eisenhuth

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Bob-Cheftrainer René Spies legt den Fokus auf den Materialsektor. Foto: Thomas Eisenhuth

Leipzig (dpa) - Testen, tüfteln und dann am Saisonende am Ort der Olympia-Schmach in Sotschi triumphieren. So stellt sich der neue Bob-Cheftrainer René Spies die Saison nach der Ära Christoph Langen vor.

Dafür hat der 43-jährige Winterberger im Sommer seine Hausaufgaben gemacht. Trotz der Rücktritte von Weltcup-Gesamtsieger Maximilian Arndt (Viererbob) und Weltmeisterin Anja Schneiderheinze sieht er sein junges Team um den dreimaligen Zweierbob-Champion Francesco Friedrich gut gerüstet. «Die jungen Wilden oder auch wilden Jungs wissen genau, was sie wollen», meinte Spies, der materialtechnisch neue Wege geht und ab sofort zweigleisig fährt.

Was ist neu in dieser Weltcup-Saison?

Der Fokus von Bob-Chef Spies liegt auf dem Materialsektor. Er kaufte mit dem Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) extra vier Zweierbobs vom Österreicher Hannes Wallner und wollte somit den Konkurrenzkampf anheizen. «Wir haben als Verband jetzt mit Unterstützung des BMI und des DOSB vier Wallner-Geräte im Zweierbereich gekauft und gehen in die Entwicklungsphase, in der wir versuchen, die Geräte weiterzuentwickeln», sagte Spies.

Gibt es Probleme mit dem bisherigen Partner FES?

Das staatliche Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) bleibt weiter ein Partner. «Am Ende gibt es einen Konkurrenzkampf und wir werden uns dann für das beste Gerät für Olympia 2018 entscheiden», sagte Spies. Die Berliner haben parallel einen neuen Zweierbob an den Start gebracht und den großen Schlitten auf eine neuen Entwicklungsstufe gestellt.

Wer kann den Rücktritt des zweimaligen Viererbob-Weltmeisters Maximilian Arndt kompensieren?

Praktisch alle drei deutschen Piloten. Johannes Lochner gewann die Generalprobe beim Europacup in Königssee vor Francesco Friedrich und Nico Walther im großen Schlitten. Zudem holte er zuvor bei den deutschen Meisterschaften beide Titel. «Konkurrenz belebt immer das Geschäft, das ist sehr wichtig. Das nächste Mal sieht es vielleicht wieder ganz anders aus», sagte Friedrich. Der bisher nur als Zweierbob-Spezialist gesehene Lochner kaufte sich im Sommer sogar privat einen Wallner-Viererbob und ist bislang damit gut gefahren. Friedrich fährt in Whistler einen bereitgestellten Prototypen des Tirolers Wallner. Walther setzt auf die neuen FES-Produkte.

Warum fahren die Deutschen nicht beim Weltcup in Lake Placid?

«Durch den Kauf der Wallner-Schlitten mussten wir auch finanziell schauen, wie wir es kompensieren. Und zwei Wochen Pause in Übersee ohne richtiges Training bringen uns nicht weiter. Wir testen lieber in Winterberg und Königssee unser Material», sagte Spies.

Riskiert das Team damit einen schlechten WM-Startplatz in Sotschi?

Da andere Spitzenpiloten wie Oscars Melbardis aus Lettland oder der Schweizer Beat Hefti beim Saisonauftakt fehlen, ist es zu verkraften. «Natürlich wollen wir auch so viel Weltcup-Punkte wie möglich sammeln, denn am Ende ist der WM-Startplatz davon abhängig. Da werden wir auch Vollgas geben, aber der Fokus für Olympia 2018 liegt in der Materialentwicklung», betonte Spies.

Wer kann die Lücke von Weltmeisterin Anja Schneiderheinze, die ein Baby erwartet, schließen?

Mit Platz vier bei der WM in Innsbruck/Igls hat Stephanie Schneider bereits ihre Klasse bewiesen. Sie setzt auch weiterhin auf Lisa Buckwitz an den Anschubbügeln. Dahinter kommen mit Mariama Jamanka und Kim Kalicki hoffnungsvolle Pilotinnen - und vielleicht auch bald Annika Drazek. Die Winterberger Startrakete absolvierte bereits sieben Fahrten an den Lenkseilen. «Sie wird als Anschieberin erst in der zweiten Saisonhälfte ins Wettkampfgeschehen einsteigen», meinte Spies. Die Entscheidung soll nach den Anschubtests am 21. Dezember in Oberhof fallen.

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