Johannes Lochner (r) raste im Zweier und Vierer mit Joshua Bluhm zum Erfolg. Foto: Caroline Seidel
Johannes Lochner (r) raste im Zweier und Vierer mit Joshua Bluhm zum Erfolg. Foto: Caroline Seidel

Johannes Lochner (r) raste im Zweier und Vierer mit Joshua Bluhm zum Erfolg. Foto: Caroline Seidel

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Johannes Lochner (r) raste im Zweier und Vierer mit Joshua Bluhm zum Erfolg. Foto: Caroline Seidel

Winterberg (dpa) - Der einstige Rookie im Zweierbob ist plötzlich ein Siegfahrer in der Königsklasse geworden. Der zweimalige WM-Zweite im Zweier, Johannes Lochner, rast der Weltelite im Viererbob davon.

Dabei fährt der 26-jährige Berchtesgadener erst seine erste komplette Weltcup-Saison. Im Vorjahr hatte er sich noch als Junioren-Weltmeister für die WM in Innsbruck/Igls qualifiziert, nachdem er als WM-Debütant 2015 in Winterberg sensationell auf Rang zwei gefahren war. Auch in Innsbruck musste er nur dem dreimaligen Zweierbob-Weltmeister Francesco Friedrich den Vortritt lassen.

In Fachkreisen galt er daher nur als Experte für den Zweier. Nun ist er ein Siegfahrer, rast der Weltelite davon. Woher resultiert der Wandel? «Ich hatte ja immer Riesen-Probleme mit dem Vierer. Im Europacup lief es zwar ganz gut, von der Weltspitze waren wir aber zu weit weg. Und dann war im Sommer die Entscheidung, dass wir mit dem Wallner-Zweier fahren. Und damit wir keine Umstellungsprobleme haben, habe ich gesagt, dass wir auch auf Wallner im Vierer setzen», sagte Lochner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Viele reiben sich ungläubig die Augen, wenn sie die Zeiten sehen. Beim ersten Weltcupsieg auf der anspruchsvollen Piste in Altenberg hatte Lochner 41 Hundertstel Vorsprung auf den Russen Alexander Kasjanow. In Winterberg beim ersten EM-Titel waren es nach zwei Läufen 0,45 Sekunden vor Nico Walther - eine Ewigkeit im Eiskanal. «Ich bin von der ersten Fahrt an mit dem Wallner-Schlitten super zurecht gekommen. Das Gerät taugt so gut, ich habe keine Probleme mit den Lenkseilen», meinte der für den BC Stuttgart Solitude fahrende Athlet. «Unglaublich, wie schnell er sich im Vierer stabilisiert hat», meinte Cheftrainer René Spies.

Das Talent an den Lenkseilen hat «Hansi» vererbt bekommen. Sein Onkel Rudi Lochner gewann 1992 in Albertville Olympia-Silber. Ein Jahr zuvor holte er den WM-Titel in Altenberg - zusammen mit Markus Zimmermann, der auch Christoph Langen zu Olympia-Gold 2002 schob. Der ehemalige Cheftrainer baute den Youngster Lochner auch behutsam auf und schmiss ihn 2015 bei der WM in Winterberg ins kalte Wasser.

Nun bereitet sich der 100-Kilo-Mann auf Olympia 2018 vor. «Im Vierer habe ich mich materialtechnisch entschieden. Wenn ich im Zweier bis Pyeongchang nicht wieder den Anschluss finde, dann muss ich dort auf der Bahn noch mal einen FES-Schlitten probieren. Ich gehe aber davon aus, dass ich bis Olympia Wallner fahre, einfach auch wegen der Umstellung», betonte Lochner, der in diesem Jahr sein Studium mit dem «Master of Science in Electrical Engineering» abschließen möchte.

Es ist auch eine Bauchentscheidung: «Ich fahre eine Bahn zum ersten Mal runter und es passt von Anfang an. Ich habe kaum noch schlechte Fahrten. Im fahre im Zweier plötzlich schlechter als im Vierer. Da ist ein gewisses Gefühl zwischen Bob, den Lenkseilen und mir.»

Das Geheimnis liegt im anderen Lenksystem. «Es ist schwierig zu erklären, wenn man nicht Bob fährt. Mit dem Auto wäre es so, als wenn man etwas schneller fährt - und in den Kurven bricht das Gefährt aus. So ist es mit dem Wallner, ich kann ihn genau auf dem Punkt fahren. Ich weiß genau, wie ich ihn lenken kann, ohne dass die Vorderkufen schieben», verrät der Bayer. Beim FES-Bob hatte er dieses Gefühl nicht. «Dieses Feedback hatte mir gefehlt.»

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