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Magdalena Neuner traf im Sprint-Wettbewerb von Oberhof alle zehn Scheiben. Foto: Martin Schutt

Magdalena Neuner traf im Sprint-Wettbewerb von Oberhof alle zehn Scheiben. Foto: Martin Schutt

dpa

Magdalena Neuner traf im Sprint-Wettbewerb von Oberhof alle zehn Scheiben. Foto: Martin Schutt

Oberhof (dpa) - Magdalena Neuner hat im Rekordtempo ihr Trauma von Oberhof überwunden. Zehn Schuss, zehn sichere Treffer ins Schwarze: Mit einer unglaublichen Souveränität holte sich die Doppel-Olympiasiegerin den Sieg im Sprint und zeigte nicht nur der versammelten Konkurrenz: Ich kann es.

«Ich bin überglücklich, dass das so aufgegangen ist und ich unter die Staffel einen Haken machen kann. Ich konnte Gott sei Dank die Löschen-Taste drücken», sagte die 24-Jährige nach ihrer Galavorstellung.

Magdalena Neuners Erleichterung war greifbar, sie strahlte über das ganze Gesicht und ließ sich von den 18 000 frenetischen Fans in der Rennsteig-Arena am Grenzadler feiern. Neben ihrer makellosen Schießeinlage konnte der Ausnahme-Biathletin auch in der Loipe keine das Wasser reichen. Am Ende hatte sie nach den 7,5 Kilometern 37,3 Sekunden Vorsprung auf die Weißrussin Daria Domratschewa und 43,4 Sekunden auf Olga Saizewa aus Russland.

Zwei Tage zuvor hatte sie in der Staffel ihm stehenden Anschlag einen Blackout erlebt: Acht Schuss, sieben Fahrkarten, vier Strafrunden. Das hatte auch die Rekord-Weltmeisterin noch nicht erlebt. «Das war schon ein bisschen ein traumatisches Erlebnis», bekannte die Wallgauerin freimütig. Um dieses aufzuarbeiten, griff sie zu einem für sie bewährten Mittel. Neuner telefonierte mit ihrem Mentaltrainer. «Das war schon nötig, um dieses Trauma aufzulösen und um einfach wieder positive Gedanken zu schaffen. Und das ist mir ganz gut gelungen», erzählte die Bayerin.

Mit ihrem insgesamt 13. Sprinterfolg baute Neuner zudem ihre Führung im Gesamtweltcup weiter aus. Als Fünfte lieferte auch die siebenmalige Weltmeisterin Andrea Henkel eine tolle Leistung ab. «Mit dem Platz bin ich sehr zufrieden, mit dem Rennen nicht. Meine Beine waren etwas schwer», sagte die Thüringerin, die eine Strafrunde absolvieren musste. Die anderen Deutschen hatten mit den vorderen Plätze nichts zu tun. Tina Bachmann (4 Fehler) wurde 32., Miriam Gössner (4) 37., Sabrina Buchholz (3) kam auf Rang 41 zwei Plätze vor Franziska Hildebrand (3).

Einmal mehr hat Deutschlands Sportlerin des Jahres gezeigt, dass sie mit Druck umgehen kann. Die zehn Treffer von Oberhof waren Befreiungsschüsse für die Topathletin, die nach dem Winter ihre Sportkarriere beenden wird. «Beim Stehendschießen habe ich überhaupt nichts gedacht. Nur dass die Scheiben so groß sind und man eigentlich nicht vorbeischießen kann. Läuferisch war es so, wie ich mir das vorstelle», sagte Neuner. Sie scheint gerüstet für die Heim-WM im März in Ruhpolding, wo sie bei sechs Starts sechs Medaillen gewinnen will.

Um auch nach dem angekündigten Rücktritt von Neuner weiter eine konkurrenzfähige Biathlon-Mannschaft zu haben, will Thomas Pfüller, der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), bei den Langläuferinnen aussichtsreiche Talente sichten. «Ja, diese Überlegungen gibt es. Wir sind bei den Frauen im Biathlon nicht mehr die Macht der Vergangenheit. Um bis 2014 die Lücke zu schließen, müssen wir neue Wege gehen», sagte der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) am Freitag am Rande des Weltcups in Oberhof.

Nach dem verpassten Podestplatz mit der Staffel wollen die deutschen Biathleten ihre Chance nun im Sprint suchen. Am Samstag hoffen Arnd Peiffer, Andreas Birnbacher, Simon Schempp, Florian Graf, Daniel Böhm und Michael Rösch auf bessere Windbedingungen als in der Staffel.

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