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Biathletin Tina Bachmann ist nach dem Staffelrennen in Oberhof völlig fertig.

Biathletin Tina Bachmann ist nach dem Staffelrennen in Oberhof völlig fertig.

dpa

Biathletin Tina Bachmann ist nach dem Staffelrennen in Oberhof völlig fertig.

Oberhof (dpa) - Erst eine Mannschaftsbesprechung, dann konzentriertes Training: Die deutschen Biathletinnen haben sich an die Aufarbeitung ihres schlechtesten Staffelrennens in der Weltcup-Geschichte gemacht.

«Die Mädels müssen das Negativerlebnis möglichst schnell abhaken, dürfen den Kopf jetzt nicht in den Schnee stecken, damit der völlig missratene Auftritt nicht lange nachwirkt», sagte Frauen-Disziplintrainer Gerald Hönig nach einer unruhigen Nacht. «Das werden wir nur auf der psychologischen Ebene hinkriegen», ergänzte sein Co-Trainer Ricco Gross in Oberhof.

Nicht nur der sechste Platz mit 3:16,8 Minuten Rückstand auf Sieger Schweden war enttäuschend. Vor allem die desaströse Schießleistung des Quartetts Katrin Hitzer, Magdalena Neuner, Tina Bachmann und Andrea Henkel konnte Gross nicht begreifen. «54 Prozent Trefferquote war auch bei den nicht einfachen Bedingungen mit Nebel und Wind eine ziemliche Katastrophe. Ich dachte immer: Wann wache ich endlich aus dem Alptraum auf?», sagte der Neu-Trainer und viermalige Staffel-Olympiasieger.

Andrea Henkel übte sich in Galgenhumor. «Man hätte den Eindruck bekommen können, dass wir uns alle einig gewesen wären, das Ding in den Sand zu setzen. Jetzt haben wir uns für die Einzelrennen am Wochenende richtig unter Zugzwang gesetzt. Aber besser ein Rennen geht richtig in die Hose als immer nur ein bisschen», sagte die mit 33 Jahren älteste Skijägerin des Quartetts. Mut macht, dass Neuner, Bachmann und Henkel jeweils Laufschnellste auf ihren Runden waren.

Damen-Coach Hönig analysierte den missratenen Auftritt sachlich: «Andrea hat der Wind beim Stehendanschlag verblasen. Auch Katrin hatte einige ganz knappe Fehler. Tina hat bei ihrem erst zweiten Weltcup-Staffeleinsatz und der mäßigen Sicht ratlos hantiert.» Neuner habe sich wegen einer Böe erst nicht getraut und dann «einige Schüsse rausgelassen, ohne im Visier das Schwarze der Scheiben zu sehen».

Während die deutschen Damen um Schadensbegrenzung bemüht waren, herrschte bei den Schwedinnen Feierlaune. «Wir waren schon bei den ersten drei Weltcups des Winters beste Schießnation. Wir haben im Sommer viel ins Schießen investiert. Das zahlt sich nun aus», sagte Schwedens deutscher Trainer Wolfgang Pichler aus Ruhpolding.

Völlig aus dem Häuschen waren die Weißrussinnen. Deren überraschender dritter Platz sollte Medizin für Cheftrainer Klaus Siebert sein. Der Altenberger ist an Darmkrebs erkrankt und konnte das Rennen nur am Fernseher verfolgen. «Deshalb haben wir auch so in die Kamera gejubelt, als Dank an Klaus», sagte Schlussläuferin Ludmila Kalintschik. «Ich hoffe, dass er zur WM wieder bei der Mannschaft ist. Neujahr haben wir mit ihm telefoniert, ihm gesagt, dass wir ihn vermissen. Alles was wir geschafft haben, haben wir Klaus zu verdanken», betonte die sichtlich gerührte Weißrussin.

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