Russlands Biathleten sind erneut um einen Komplettausschluss herumgekommen. Foto: Jan Woitas
Russlands Biathleten sind erneut um einen Komplettausschluss herumgekommen. Foto: Jan Woitas

Russlands Biathleten sind erneut um einen Komplettausschluss herumgekommen. Foto: Jan Woitas

dpa

Russlands Biathleten sind erneut um einen Komplettausschluss herumgekommen. Foto: Jan Woitas

Antholz (dpa) - Russlands Biathleten sind im Zuge des Skandals um mutmaßliches Staatsdoping vorerst um einen Komplettausschluss herumgekommen.

Der Weltverband IBU vermied nach einer Vorstandssitzung in Antholz diese drastische Strafe, eröffnete aber gegen den russischen Verband RBU ein formelles Verfahren. Zeitgleich stellte die IBU aber 22 der 29 bisher laufenden Verfahren gegen russischen Skijäger aus Mangel an Beweisen ein.

Nur noch gegen sieben Skijäger wird weiter ermittelt, wie IBU-Präsident Anders Besseberg sagte. «Es liegt ein großes Problem auf unserem Tisch, aber wir müssen die Athleten auch schützen, so lange wir keine Beweise haben», sagte der Norweger auf einer Pressekonferenz.

Die RBU muss nun bis zum 5. Februar in einem Bericht erläutern, welche Rolle sie im Skandal um das mutmaßliche Staatsdoping gespielt hat und Stellung in Bezug auf die sieben Sportler nehmen. Vor dem ersten WM-Rennen am 9. Februar in Hochfilzen soll es dann eine weitere Vorstandssitzung geben. Dort soll die RBU-Stellungnahme ausgewertet und über weiter Maßnahmen entschieden werden. Auch ein außerordentlicher Kongress steht zur Debatte.

Auf diesem könnte der Weltverband dann die von den Athleten geforderten tiefgreifenden Regeländerungen umsetzen. In einem von 170 Athleten unterschriebenen Brief hatten sie Sperren von bis zu acht Jahren, die Wegnahme von Startplätzen und deutlich höhere Geldstrafen gefordert. «Wir nehmen die Anliegen der Sportler sehr ernst», sagte Besseberg. Der nächste ordentliche Kongress würde erst 2018 stattfinden. Das wäre den Athleten aber nicht früh genug. Sie drängen auf schnelle Änderungen.

Im IBU-Vorstand hatte es wohl zuvor Diskussionen gegeben. Einige Funktionären wollten wohl härtere Sanktionen durchsetzen. «Wir können aber nur Sperren aussprechen, wenn wir stichfeste Beweise haben und das ist nicht so einfach», sagte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch. Die Ausrichtung des Weltcups in Tjumen und der Junioren-WM hatten die Russen schon im Dezember von sich aus zurückgegeben.

Im zweiten McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA um mutmaßliches Staatsdoping bei den Olympischen Spielen 2014 waren insgesamt 31 russische Skijäger genannt worden. Im Dezember war die zuvor bereits zurückgetretene Olga Wiluchina und Jana Romanowa von der IBU vorläufig gesperrt worden.

Nun will die IBU das Internationalen Olympische Komitee bitten, die Nachtests von noch aktiven Olympia-Skijägern zu priorisieren. Man werde deshalb «einen dringenden Antrag stellen», hieß es am Samstag in einer IBU-Mitteilung. Demnach sollen die Proben von Biathleten, die bei den Winterspielen 2014 in Sotschi dabei waren und noch laufen, schnell untersucht werden.

Das IOC hatte im Dezember angekündigt, alle 254 Urinproben russischer Athleten von den Winterspielen 2014 erneut zu analysieren. Die 63 Blutproben russischer Sportler in Sotschi waren seinerzeit bereits nachgetestet worden - alle waren negativ.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer