In die Diskussion, ob die Thüringer auch künftig Weltcup-Station bleiben, kommt die Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2023

Biathlon Weltcup Oberhof
Die Biathletin Laura Dahlmeier aus Deutschland (M) beim Biathlon-Weltcup in der DKB-Ski-Arena in Oberhof gefolgt von Gabriela Koukalova aus Tschechien und Justine Braisaz aus Frankreich (v.l.).

Die Biathletin Laura Dahlmeier aus Deutschland (M) beim Biathlon-Weltcup in der DKB-Ski-Arena in Oberhof gefolgt von Gabriela Koukalova aus Tschechien und Justine Braisaz aus Frankreich (v.l.).

Hendrik Schmidt

Die Biathletin Laura Dahlmeier aus Deutschland (M) beim Biathlon-Weltcup in der DKB-Ski-Arena in Oberhof gefolgt von Gabriela Koukalova aus Tschechien und Justine Braisaz aus Frankreich (v.l.).

Oberhof. Erik Lesser redet Klartext. Auch bei der Frage nach der Zukunft des Weltcup-Standorts Oberhof: „Diese Diskussion finde ich völligen Quatsch. Wir sind an Orten wie Preque Isle. Da kommen 50 Schulkinder, machen ein bisschen Party und wir laufen die Strafrunde ums Skigebäude. Das ist in Oberhof undenkbar.“ Kollege Arnd Peiffer nennt den Ort im US-Bundesstaat Maine gar „ein Gurken-Kaff“.

Dennoch: Die Kontroversen über die Weltcup-Station im Thüringer Wald enden nicht. Nach der Absage wegen Schneemangels 2016 hat das Aus gedroht. Nicht nur wegen des Minus‘ von mindestens 300 000 Euro. Die Neid-Debatten, Machtkämpfe alter Seilschaften und Streitereien im Organisationskomitee (OK), Skiverband und in der Region bleiben nicht verborgen. Dazu die Niederlage bei der Bewerbung um die WM 2020, die Antholz erhält. „Im Frühjahr sind wir am Scheideweg gestanden“, sagt Peter Heimrich, Präsident des ausrichtenden Wintersportfördervereins Rennsteig Oberhof. „Die Region hat über die Jahre vergessen, was der Weltcup für sie bedeutet. Das Erwachen war heftig.“

Verbunden mit dem eindeutigen Auftrag für das neue OK um den Chef, ehemaligen Biathleten und Stasi-Mitarbeiter Holger Wick: Aus den Fehlern lernen, um das Vertrauen des Weltverbandes IBU nicht zu zerstören. „Ein Ausfall wie im Vorjahr ist kein Dilemma, aber er war selbst verschuldet“, sagt Borut Nunar, Rennleiter der IBU. Diese hat den Oberhofern längst einen Anforderungskatalog vorgelegt. Die Ansage: Werden die Auflagen nicht erfüllt, droht der Verlust der A-Lizenz – und damit die Chance, über 2018 hinaus Weltcup-Ort zu bleiben.
Also haben sie sich zusammengerauft. Und investiert. In den vergangenen vier Jahren mehr als zehn Millionen Euro, wie Birgit Klaubert sagt. Am Samstag kämpft sich Thüringens Ministerin für Bildung, Jugend und Sport durch den Stau in die Arena am Grenzalder, um zu verkünden, dass die Landesregierung auch künftig Geld gibt. „Die Investitionen haben sich gelohnt“, sagt Holger Wick, verweist auf das Multifunktionsgebäude, das neu errichtete Team- wie TV-Areal, das im Sommer als Caravan-Stellplatz dient und das Schnee-Depot samt Wasserspeicherteich. Damit haben sie 17 000 Kubikmeter Kunstschnee produziert, um den Weltcup rechtzeitig abzusichern.

„Das ist ein ganz großes Comeback von Oberhof“, lobt Franz Steinle. Für den Präsidenten des Deutschen Skiverbandes ein Beleg, dass die 1600-Einwohner-Stadt einer von zwei herausragenden nationalen Standorten ist – neben Ruhpolding, Antholz und Nove Mesto zu den vier Weltcup-Hochkarätern zählt. Für ihn ist Oberhof weiterhin gesetzt.

Deutschland ist die einzige Nation mit zwei Weltcup-Veranstaltungen. Das hat sportliche wie ökonomische Gründe. Germany als größter Kernmarkt, das zeigen die TV-Einschaltquoten und die sechs Hauptsponsoren der IBU. Sie stammen alle aus Germany. „Die deutschen Weltcups haben Biathlon auch ein bisschen groß gemacht. Daher ist es gerechtfertigt“, sagt Arnd Peiffer. Nach dem Neustart scheinen sie in Oberhof also wieder in der Spur zu sein. Ihr Image als Biathlon-Tempel haben sie an Nove Mesto verloren. „Unbeschreiblich, was dort los ist“, sagt Kaisa Mäkäräinen. Während der Thüringer Tage registriert die Finnin weniger Begeisterung: „Vor zehn Jahren war es hier super toll, jetzt ist es nur noch toll“, sagt sie. Die Oberhofer sind nach ihrer Selbstbeschränkung der Besucherzahlen und den verkleinerten Tribünen mit knapp 60000 Zuschauern sehr zufrieden. Eine neue Bescheidenheit. Das Credo für die 1,3 Millionen Euro teure Veranstaltung: kleiner, aber feiner.

Kommt das Umdenken noch rechtzeitig? Im Juni entscheidet das IBU-Exekutivkomitee, wer den Zuschlag als Weltcup-Ort bis 2022 erhält. Präsident Anders Besseberg weiß um die Status-Diskussionen in Oberhof, sagt aber nur so viel: „Es gibt etwa 20 Bewerber.“
Nicht aber für die Ausrichtung der WM 2023. Franz Steinle verkündet, dass es der DSV mit Oberhof noch einmal angeht. Weil Weltmeisterschaften ein Schaufenster sind. Und wichtig. Nicht nur für Oberhof.

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