DSV-Sportdirektor
Thomas Pfüller will bei den Langläuferinnen Nachwuchs für den Biathlon sichten. Foto: Gero Breloer

Thomas Pfüller will bei den Langläuferinnen Nachwuchs für den Biathlon sichten. Foto: Gero Breloer

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Thomas Pfüller will bei den Langläuferinnen Nachwuchs für den Biathlon sichten. Foto: Gero Breloer

Oberhof (dpa) - Um auch nach dem angekündigten Rücktritt von Superstar Magdalena Neuner weiter eine konkurrenzfähige Biathlon-Mannschaft zu haben, will Sportdirektor Thomas Pfüller bei den Langläuferinnen aussichtsreiche Talente sichten.

«Ja, diese Überlegungen gibt es. Wir sind bei den Frauen im Biathlon nicht mehr die Macht der Vergangenheit. Um bis 2014 die Lücke zu schließen, müssen wir neue Wege gehen», sagte der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) am Rande des Weltcups in Oberhof.

Damit auch in der Zukunft die erfolgsverwöhnten Biathletinnen vorne mitlaufen, sollen laut Pfüller nun die Kräfte gebündelt werden. «Mit den wichtigen Trainern ist das schon besprochen worden. Ab Mai soll das Konzept in Kraft treten», erklärte der Sportdirektor. Er brachte Namen wie Denise Herrmann (23) oder Hanna Kolb (20) ins Gespräch, die derzeit bei der Tour de Ski der Langläufer unterwegs sind. «Es wurde noch mit keiner Athletin gesprochen. Aber es gibt keine Tabus», erklärte Pfüller. Er betonte, dass den Langläuferinnen keine Talente entzogen werden sollen. Dennoch müsse man den Fokus stärker auf den Biathlon legen: «Denn mit Biathlon erwirtschaften wir unser Geld und nicht mit Langlauf.»

Den deutschen Biathletinnen droht nach dem angekündigten Karriereende von Magdalena Neuner eine schwere Zukunft. Zumal in der jüngsten Vergangenheit bereits der Abschied von Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Martina Beck verkraftet werden musste. Und Kathrin Hitzer fällt wegen ihrer Schwangerschaft aus. «Das kann keine Nation verkraften. Früher hatten wir Zeiten, wo vier auf das Podest laufen konnten und eine durchkam. Da wurden die Maßstäbe im Nachwuchs nicht mehr ganz so hoch angesetzt. Das holt uns jetzt ein», meinte Pfüller.

Auch Biathlon-Bundestrainer Uwe Müssiggang ist offen für neue Wege. «Es spricht viel dafür, dass man eine vielseitige Ausbildung macht und dann später die Entscheidung trifft, in welche Richtung es geht - Langlauf oder Biathlon», sagte Müssiggang und stellte die Fans auf schwierigere Zeiten ein. «Wir haben jetzt eine Situation, die langsam davon abweicht, die man in Deutschland gewohnt ist. Magdalena Neuner, Andrea Henkel, Tina Bachmann - danach ist schon eine Lücke da, die schwer zu schließen ist.»

Paradebeispiel für einen gelungenen Wechsel vom Langlauf zum Biathlon ist Kati Wilhelm. Sie schulterte das Gewehr und umgehend kam der Erfolg. Dreimal Olympia-Gold, fünfmal Weltmeisterin und 21 Weltcup-Einzelsiege standen am Ende ihrer Karriere zu Buche.

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