Claudia Pechstein will ihre elfte Medaille bei Eisschnelllauf-Europameisterschaften gewinnen. Foto: Vincent Jannink
Claudia Pechstein will ihre elfte Medaille bei Eisschnelllauf-Europameisterschaften gewinnen. Foto: Vincent Jannink

Claudia Pechstein will ihre elfte Medaille bei Eisschnelllauf-Europameisterschaften gewinnen. Foto: Vincent Jannink

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Claudia Pechstein will ihre elfte Medaille bei Eisschnelllauf-Europameisterschaften gewinnen. Foto: Vincent Jannink

Budapest (dpa) - Vor 20 Jahren erlebte sie ihre EM-Premiere, in Budapest will sie nun ihre elfte Medaille bei Eisschnelllauf-Europameisterschaften erkämpfen: Claudia Pechstein ist bei ihren ersten Mehrkampf-Meisterschaften nach abgesessener Sperre wegen erhöhter Blutwerte heiß auf Podestplätze.

«Ich habe zu Saisonbeginn gesagt: Ich will auch im Mehrkampf um eine Medaille mitkämpfen, da gibt es keine Abstriche», bekräftigte die 39-Jährige. Bei ihrem bisher letzten EM-Auftritt 2009 in Heerenveen hatte sie nicht nur ihren dritten Titel nach 1998 und 2002 sowie ihre zehnte EM-Medaille (3/5/2) geholt, sondern mit Traumzeiten auch die Funktionäre überrascht. Da waren die Zweifel gewachsen, ob Pechsteins Zeiten in hohem Alter mit rechten Dingen erzielt wurden. Nur vier Wochen später wurde die Berlinerin bei der WM in Hamar wegen der erhöhten Retikulozyten per indirektem Beweis aus dem Verkehr gezogen und danach für zwei Jahre gesperrt.

Mit unverändert hohen Werten kämpft die Berlinerin weiter vor gerichtlichen Instanzen ebenso wie auf dem Eis um ihre Reputation. Nach fünf zweiten Weltcup-Plätzen zum Saisonauftakt will sie unbedingt ihre insgesamt 56. Medaille bei Olympia oder internationalen Meisterschaften mit nach Hause bringen. Aber sie weiß, wie schwer es wird. Die Tschechin Martina Sablikova, die in den vergangenen beiden Jahren gewann und auch Ireen Wüst aus den Niederlanden scheinen derzeit für Pechstein unerreichbar.

«Aber dahinter kämpfen mehreren Athletinnen um Platz drei. Und da hoffe ich, das bessere Ende für mich zu haben», sagte Pechstein. Einen Strich durch die Rechnungen könnte den Athleten das Wetter machen. Bei den Weltmeisterschaften vor elf Jahren auf dem Natureis im Stadtpark vor der malerischen Kulisse des Budapester Schlosses mussten die Rennen mehrfach wegen starker Sonneneinstrahlung verschoben werden.

Damals leistete sich Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann den wohl größten Fauxpas ihrer glanzvollen Karriere, als ihr über 3000 Meter ein Fehler beim Bahnwechsel unterlief. Davon profitierte Anni Friesinger, die sich mit hauchdünnem Vorsprung von einer Zehntelsekunde auf Pechstein die Weltmeister-Krone sicherte. Der Berlinerin ist dieser knappe Rückstand bis heute genau in Erinnerung und setzt bei ihr auch mit fast 40 Jahren neue Motivationen frei.

«Aber diese EM wird keine Selbstläufer», räumte sie ein. Auf Mallorca hat im Dezember neue Kraft getankt und die Grundlagen für eine erfolgreiche zweite Saisonhälfte gelegt. Rückenwind bekam sie durch eine 40,04-Sekunden-Zeit beim 500-Meter-Test in Berlin, bei dem sie für ihre Verhältnisse gute Grundlagen im Kurzsprint-Bereich nachwies. Sie näherte sich damit dem Niveau, auf dem sie in früheren Jahren Mehrkampf-Medaillen erkämpft hatte.

Für die anderen Berlinerinnen Isabell Ost und Bente Kraus geht es nicht um Medaillen, sondern einen Platz im Finale über 5000 Meter am Schlusstag. Olympiasiegerin Stephanie Beckert verzichtet wegen Rückenproblemen in diesem Jahr auf Mehrkämpfe. Ihr Bruder Patrick nimmt an der Seite des Inzeller Newcomers Moritz Geisreiter die Titelkämpfe in Angriff. Für beide wäre gleichfalls eine Qualifikation für die besten Zwölf über 10 000 Meter ein echter Schritt nach vorn.

Nach der Absage des russischen Welt- und Europameisters Iwan Skobrew gilt Eisschnelllauf-Olympiasieger Sven Kramer bei seinem EM-Comeback als Favorit. Zwischen 2007 und 2010 hatte sich der Niederländer viermal in Serie EM-Gold gesichert.

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