Skeleton: Szymkowiak und Huber gewinnen Silber und Bronze – die Medaillen sechs und sieben.

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Anja Huber (links) und Kerstin Szymkowiak freuen sich über ihre Medaillen nach den Skeleton-Wettbewerben.

Anja Huber (links) und Kerstin Szymkowiak freuen sich über ihre Medaillen nach den Skeleton-Wettbewerben.

dpa

Anja Huber (links) und Kerstin Szymkowiak freuen sich über ihre Medaillen nach den Skeleton-Wettbewerben.

Whistler. Skeleton, das hat System. Mit Köpfchen voraus sind zwei deutsche Skeletonis zu Silber und Bronze gefahren: Kerstin Szymkowiak und Anja Huber lieferten in Whistler ein Glanzstück ab. Die 32-jährige Szymkowiak holte hinter der Britin Amy Williams Silber und ist ein Vorbild für Hartnäckigkeit: "Das war noch mal ein Aufbäumen gegen das Alter und die Langsamkeit." Die 26-jährige Huber wiederum holte Bronze und ist ein Vorbild für Kampfgeist. Mitte November war sie bei der Bahnbesichtigung in Lake Placid umgeknickt, musste lange pausieren. Nach drei Durchgängen war die Weltmeisterin von 2008 noch Fünfte, das Treppchen weit weg. Mit einem überragenden vierten Lauf schoss sie im Whistler Sliding Centre doch noch bäuchlings auf Platz drei.

Es sind die deutschen Medaillen Nummer sechs und sieben im Eiskanal. "Für diesen Moment habe ich lange und hart gearbeitet. Ich habe immer gewusst: Wenn ich vier konstante Läufe runterbringe, dann kann es klappen", sagte Szymkowiak nach ihrem Silber-Coup - und erklärte am Tag danach ihren Rücktritt. "Ich gehe in Skeleton-Rente. Ich nutze den Höhepunkt meiner Karriere, um sie zu beenden."

Vor den Skeletonis hatten die Rodler fünf Medaillen geholt. Zufall? Nein, Erfolg mit System made in Germany.

Die Schlitten werden zentral in Berlin entwickelt

Bundestrainer Jens Müller hatte gute Laune. "Hast du auch mal an meine Nerven gedacht?", fragte er Anja Huber am Ziel. Es ist der ehemalige Rodler und aktive Tüftler, der den deutschen Skeletonis Beine, einheitliche Kufen gemacht hat. "Früher herrschte ein totales Durcheinander", sagt Thomas Schwab, der Sportdirektor im Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD). "Es hat lange gedauert, bis wir da Ordnung und Struktur drin hatten." Die Struktur kam mit Müller. Wie im Rodeln werden die Skeleton-Schlitten von der Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte in Berlin (FES) entwickelt. Die klugen Köpfe in Berlin geben das Tempo vor.

Der Einheitsschlitten hat das zuvor verbiesterte deutsche Skeleton-Lager zu einer Einheit werden lassen. Huber erinnert sich: "Jeder hatte eben sein eigenes Ding gemacht. Keiner hatte den anderen gesagt, was er an Ideen und Tricks auf Lager hat."

So ist es derzeit (wieder) in der Bob-Sparte. "Ich mache das nicht mehr lange mit", sagte Schwab. Da fahre der eine erst im Modell der Firma A, um dann zu B zu wechseln. So werde das Wissen der FES aus dem Kreislauf transferiert, "statt das Eigene weiterzuentwickeln".

Andre Lange fuhr bis November Singer, stürzte schwer und ist im Zweier mit dem neuen FES-407er gegen den Bo-Dyn-Schlitten von Weltmeister Steven Holcomb aus den USA angetreten. Zur Halbzeit nach zwei Läufen lagen Lange/Kevin Kuske und Thomas Florschütz/Richard Adjei (ebenfalls im FES-Bob) weit vor der Konkurrenz (der Wettkampf war bei Redaktionsschluss nicht beendet). Es dürften weitere Medaillen bei den Frauen sowie im Vierer folgen. Das hat System.

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