Aljona Savchenko und Robin Szolkowy holen Bronze. Erstmals seit 46 Jahren geht Gold nicht nach Russland.

Vancouver. Es waren die Augen, die Aljona Savchenko verrieten. Die drei Medaillen-Paare standen eng beisammen auf der obersten Stufe des Treppchens. Die 26-Jährige vom Chemnitzer EC schaute ins Nichts. Durch die Fotografen, durch die Wände des Pacific Coliseums in Vancouver.

Als die Gruppe sich auflöste, warf sie einen verstohlenen Blick auf Qing Pang: Da hing sie, die Goldmedaille, die Savchenko, Robin Szolkowy und Trainer Ingo Steuer sich so gewünscht hatten. Aber sie hatten es gewusst: Szolkowy stand in der Kür den Doppel-Axel nicht. Das war´s.

"So eine Chance auf Olympia-Gold bekommt man nicht oft"

In der Welt der Eiskunstläufer muss gelächelt werden. Immer und überall. Wegen der Kameras. Wegen der Preisrichter. Das Lächeln, mit dem sich die Weltmeister im Paarlauf nach dem Schlussakkord ihrer Musik "Jenseits von Afrika" in die Arme nahmen, war gequält. Ingo Steuer hingegen versteckte seine Gefühle nicht. Unbeobachtet von den Kameras hatte der Trainer den Oberkörper mit weiten Armen auf die Bande gestützt, nahm die Hände mit einer ratlosen Geste nach oben und schlug sie vor das Gesicht. Bronze mit 210,60 Punkten. Nur Bronze.

"Schade", sagt der Trainer. "So eine Chance auf Olympia-Gold bekommt man nicht oft. Wenn der Doppel-Axel gestanden wäre, dann wäre es Gold geworden." Szolkowy sagte: "Wenn und Aber hilft nicht. Wir hatten zwei Fehler, die anderen beiden Paare wurden höher bewertet. Als ich beim Doppel-Axel abgesprungen bin, dachte ich: Der wird wohl doch nicht so gut."

Savchenko sagte: "Die Enttäuschung ist erst einmal groß. Aber es ist eine Medaille." Der Trainer braucht noch etwas Zeit: "Irgendwann kommt sicher der Moment, in dem wir uns über die Medaille freuen. Aber ich bin froh, dass es nicht Silber geworden ist. Das ist noch ärgerlicher." Weil noch näher am ersehnten Gold dran.

Vor 14.200 Zuschauern schrieben die chinesischen Paare Xue Shen/ Hongbo Zhao mit dem Weltrekord von 216,57 Punkten vor Qing Pang/ Jian Tong (213,31) Geschichte. Denn nach 46 Jahren ging Gold erstmals nicht an Russland beziehungsweise die Sowjetunion. Mehr noch: Kein russisches Paar schaffte es aufs Treppchen.

Das ist ein Machwechsel im Duell der Schulen: Die russische Eislaufschule strebt nach elegantem Gleiten, nach nichts anderem als Perfektion. Die Chinesen halten es beim Eislaufen wie der Asiate beim Autobau: Es wird abgeschaut. Die Chinesen haben sich die Präzision der Russen angeeignet - und dazu ihre asiatische Athletik eingebaut. Eine Mängelliste gab es nicht. Beide Paare waren großartig.

Es ist das erste Eiskunstlauf-Gold für China. Sie haben es sich hart erarbeitet. Xue Shen (31) und Hongbo Zhao (36) hatten zwei Mal Olympia-Bronze gewonnen, zwischenzeitlich aufgehört. "Hut ab", gratulierte Steuer, "dass sie es tatsächlich geschafft haben, Gold zu holen."

Shen und Zhao sind verheiratet - sie hatte zum Comeback nur unter der Bedingung zugestimmt, dass er sie heiratet. Seit zwei Jahren betreiben sie eine Eiskunstlaufschule für Kinder. Das goldige Paar hofft, nun noch mehr Kinder inspirieren zu können.

Uninspiriert hingegen wirkten Savchenko/ Szolkowy nach der Siegerehrung. Sie laufen nun noch die WM, "dann werden wir bekannt geben, wie es weitergeht", sagte Steuer. Die Frage ist, ob das Paar, das von seiner großartigen Vergangenheit lebt, eine Zukunft hat.

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