Die deutschen Volleyballer begeistern bei der EM – weil der Trainer so viel Geduld hat, wie keiner seiner Vorgänger.

Europameisterschaft
Sein Wirken bringt den Erfolg: Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen.

Sein Wirken bringt den Erfolg: Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen.

dpa

Sein Wirken bringt den Erfolg: Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen.

Danzig. Als die versammelten Journalisten Vital Heynen im März 2012 zum ersten Mal live erlebten, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Belgier, der Tage zuvor als neuer Bundestrainer der Volleyballer verpflichtet worden war, kam ins ostwestfälische Halle, um am Rande des Pokalfinals über seine neue Berufung zu plaudern.

Ach was, was heißt denn plaudern – Heynen redete wie ein Wasserfall, dieser Mann schien beseelt von der Aufgabe, verzagende Schmetterasse aus Deutschland aus dem Tief zu führen. Was für ein Unterschied zu Heynens Vorgänger: Der Argentinier Raul Lozano hatte es mit seiner introvertierten Art allen schwer gemacht. Der Südamerikaner sprach kein deutsch, wenig englisch und auch in seiner spanischen Muttersprache teilte er nur das Nötigste mit.

Heynen: „Ich glaube an Emotionen im Sport, du musst dich zeigen“

Nun sitzt also der Gegenentwurf auf der Bank. Vital Heynen, ein Getriebener seines Sports, der auf dem Trainingsplatz und in der Mixed Zone so agiert, als renne er noch immer über das Feld, um die Bälle zu verteilen. Damit war er erfolgreich. Als Zuspieler absolvierte Heynen 150 Länderspiele für sein Land, mit seinem Club Noliko Maaseik holte er zehn Meisterschaften, neun Pokalsiege und zog zweimal ins Finale der Champions League ein. Nun ist er 43 Jahre alt.

„Ich glaube an Emotionen im Sport“, sagt er, „du musst dich auf dem Spielfeld zeigen, und das geht im Training los.“ Bei den deutschen Spielern musste Heynen mit dieser Überzeugung erst einmal landen. Während die Volleyball-Frauen immer wieder über sich hinauswuchsen, standen sich die männlichen Kollegen oftmals selbst im Weg. Der Neue sah es als seine wichtigste Aufgabe an, seine Spieler von ihren Selbstzweifeln zu erlösen.

Der Konflikt mit Grozer ist inzwischen ausgeräumt

Offenbar ist ihm das gelungen, bei der EM, die derzeit in Polen und Dänemark ausgetragen wird, hinterließ die Auswahl des DVV bislang einen blendenden Eindruck. Drei Siege gegen Olympiasieger Russland, Bulgarien und Tschechien stehen auf der Habenseite, am Mittwoch folgt das Viertelfinale gegen den Sieger der Begegnung Polen gegen Bulgarien.

Der Aufschwung ist auch einer neuen Spielphilosophie geschuldet. Heynen geht es darum, nicht im Hau-Ruck-Verfahren zu punkten, sondern den Gegner zu bearbeiten. Ein Brachialangreifer wie Georg Grozer, der es gewohnt war, die Offensive im Alleingang zu führen, hatte damit Probleme. Unvergessen ist das Debakel im olympischen Viertelfinale von London, als Heynen und Grozer lautstark aneinander gerieten. Jetzt ließ sich Grozer im Sommer an der Schulter operieren – und ist inzwischen froh, bei der EM nicht mehr jeden Angriff spielen zu müssen.

Die junge Generation scheint am meisten vom Wirken Heynens zu profitieren. Warum das so ist, sagt Außenangreifer Christian Fromm: „Er versucht, hinter die Fassade von uns zu blicken und jeden kleinen technischen Fehler mit tausend Wiederholungen abzustellen. So viel Geduld hat nicht jeder Trainer.“

» Mittwoch, 20 Uhr/Sport1

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