Die Winterspiele 2010 in Vancouver waren ein voller Erfolg.
Die Winterspiele 2010 in Vancouver waren ein voller Erfolg.

Die Winterspiele 2010 in Vancouver waren ein voller Erfolg.

dpa

Die Winterspiele 2010 in Vancouver waren ein voller Erfolg.

Vancouver (dpa) - Goldene Erinnerungen, ausgeglichener Etat, nachhaltige Infrastruktur-Verbesserungen: Vancouver blickt ein Jahr nach Olympia stolz auf sein Wintermärchen 2010 zurück. Zum Jubiläum ist an Kanadas Westküste Party angesagt.

Am 12. Februar, dem Eröffnungstag von «Vancouver 2010», wird in der Innenstadt das olympische Feuer noch einmal entzündet. Eine neue Olympia-Sause kann die Metropole gut gebrauchen. Der Glanz vergangener Olympia-Tage ist längst wieder dem tristen Grau des milden kanadischen Westküsten-Winters gewichen. Keine haushohen, rot-weißen Ahornblatt-Flaggen mehr an den Fassaden, keine grün-blauen Deko-Fähnchen an den Laternen, keine olympische Flamme mehr. Das erloschene Feuergestell gleicht eher einem Skelett aus Stahl und Glas, als dass es an glühende Herzen oder die heißeste Sportparty erinnern würde, die Kanada je erlebt hat. Auch das gleich nach den Winterspielen umgebaute BC Place Stadium, das im vergangenen Februar strahlende Olympia-Zeremonien erlebt hatte, gibt heute ganz ohne Dach ein eher trauriges Bild ab.

Doch der erste Eindruck täuscht: Winter-Olympia 2010 hat in Vancouver und Whistler das gewünschte Vermächtnis hinterlassen. Lokale Medien blicken patriotisch und lobend zurück. Die Sportstätten werden weiter genutzt. Im Richmond Olympic Oval, dem für die Spiele neu gebauten Eisschnelllauf-Tempel, drehen jetzt Jogger ihre Runden. Nicht weit davon entfernt, in der Thunderbird Arena, wo Curler Kevin Martin eine der 14 Goldmedaillen für die Gastgeber gewann, ziehen nun die Vancouverites auf der öffentlichen Eisfläche ihre Bahnen.

In Kanadas goldener Eishockey-Halle, die nicht mehr vollmundig Canada Hockey Place, sondern schlicht Rogers Arena heißt, blasen die heimischen Vancouver Canucks in der National Hockey League gerade zum Angriff auf den Stanley Cup. «Fast überall läuft es mit der Weiternutzung genau so, wie wir es erhofft hatten», bilanzierte John Furlong, Chef des olympischen Organisationskomitees VANOC, «wir haben als Organisatoren die Nachhaltigkeit für olympische Arenen auf ein ganz neues Level gebracht. In Turin zum Beispiel wurden 2006 manche Sportanlagen sofort wieder abgebaut. Bei uns werden alle genutzt.»

Erfolge gibt es ein Jahr nach Olympia auch in finanzieller Hinsicht. Das 1,88 Milliarden-Kanada-Dollar-Budget (1,43 Milliarden Euro) für die Spiele konnte mit Hilfe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ausgeglichen werden. Die genaue Höhe des IOC-Zuschusses ist weiter ein Geheimnis. 730 Millionen Kanada-Dollar (557 Millionen Euro) trugen kanadische Sponsoren bei, 270 Millionen Dollar (206 Millionen Euro) brachte der Verkauf von Olympia-Tickets ein.

Da die gastgebende Olympia-Provinz British Columbia und die kanadische Regierung in Ottawa neben einem 187-Millionen-Dollar-Zuschuss (142 Millionen Euro) für das Budget auch komplett für die Olympia-Neubauten aufgekommen waren (603 Millionen Kanada-Dollar/460 Millionen Euro), bleibt im Gegensatz zu anderen Olympischen Spielen keine finanzielle Bürde für die Gastgeber zurück. Für die Einwohner des Großraumes Vancouver ist die beliebte U/S- Bahn Canada-Line, die die Innenstadt mit dem Flughafen verbindet, ein dauerhafter Olympia-Gewinn. Vom Ausbau des Sea-to-Sky-Highways von Vancouver nach Whistler werden noch Generationen profitieren.

Kein Defizit - aber auch kein Gewinn: Was in ökonomisch schwierigen Zeiten wohl als Erfolg gewertet werden muss, bedeutet allerdings auch, dass es kein finanzielles Vermächtnis für die weitere Entwicklung des Sportes in British Columbia gibt. Furlong glaubt dennoch, dass die Steuerzahler nach Olympia eine gute Gegenleistung für das erhalten, was sie für die Winterspiele aufgebracht haben: «Wir haben der Öffentlichkeit gute und faire Zugangsmöglichkeiten zu den Sportstätten verschafft, so dass sie diese auch genießen kann.»

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