Schonzeit
Sebastian Vollmer (M) von den New England Patriots kann sich die Spiele am Fernseher ansehen. Foto: CJ Gunther

Sebastian Vollmer (M) von den New England Patriots kann sich die Spiele am Fernseher ansehen. Foto: CJ Gunther

dpa

Sebastian Vollmer (M) von den New England Patriots kann sich die Spiele am Fernseher ansehen. Foto: CJ Gunther

Boston (dpa) - Die Temperaturen sinken, die Anspannung steigt: Es ist Playoff-Zeit in der National Football League NFL. Amerika versammelt sich vor den TV-Geräten, wenn es ab Samstag in den vier Wild Card Games um den Einzug ins Viertelfinale geht.

Die Football-Formel zu Ruhm und Reputation für die acht Teams lautet: vier Siege in vier Wochen.

Sebastian Vollmer von den New England Patriots kann sich noch entspannen, seinen lädierten Knöchel und Rücken schonen und im TV verfolgen, ob der Viertelfinal-Gegner am 14. Januar daheim Cincinnati Bengals, Pittsburgh Steelers oder Denver Broncos heißen wird. Der einzige deutsche NFL-Profi gehört mit seinen «Pats» neben den Baltimore Ravens, Meister Green Bay Packers und den San Francisco 49ers zu den vier besten Teams der Vorrunde, die zum Playoff-Auftakt ein Freilos haben.

Für Vizemeister Pittsburgh Steelers hingegen geht es bereits um alles. Das Team gastiert bei den Denver Broncos, die erstmals seit sechs Jahren wieder im Januar dabei sind. Den Hauptgrund dafür sehen viele in Quarterback Tim Tebow. Der 24-Jährige war bis zum fünften Spieltag nur Ersatzmann. Nach dem 1:4-Saisonstart begann in Denver jedoch die Tebow-Time. Der Playmaker ist längst zum landesweiten Gesprächsthema geworden. Zum einen, weil er mit dem Football mehr läuft als dass er ihn wirft, vor allem aber, weil der Sohn von Missionars-Eltern ein predigender Profi ist und seinen christlichen Glauben auf dem Spielfeld auslebt wie kein anderer.

Zuletzt waren jedoch keine höheren Mächte mehr in Tebows Spiel, Denver verlor dreimal nacheinander. «Mein Selbstbewusstsein hat nicht darunter gelitten», meinte Tebow trotzig. Kein anderer Quarterback wirft so ungenau wie er. Vizepräsident und Broncos-Ikone John Elway, der Denver zweimal zum Titel führte, empfahl Tebow gegen die favorisierten Steelers dennoch: «einfach mal abzuziehen.»

Quarterback-Probleme gibt es auch beim Gegner. Ben Roethlisberger ist am linken Knöchel verletzt - und das wirkt sich vehement auf seinen rechten Wurfarm aus. Der 29-Jährige mit Schweizer Wurzeln kann den Fuß nicht richtig belasten, und hat zuletzt nur 56 seiner 96 Pässe zum Mitspieler gebracht. «Es wird schon gehen», betonte «Big Ben» jedoch. Prunkstück der Mannschaft ist ohnehin die Defensive, die als beste der Liga geführt wird.

Ein Offensiv-Spektakel ist in New Orleans zu erwarten, wenn die heimischen Saints auf die Detroit Lions treffen. Saints-Quarterback Drew Brees hat in der regulären Saison ebenso wie sein Pendant, Matthew Stafford, eine sensationelle Passquote von mehr als 5000 Yards erreicht. Detroits Coach Jim Schwartz hofft wie Mike Smith (Atlanta Falcons), Gary Kubiak (Houston Texans) und Marvin Lewis (Cincinnati Bengals) auf den ersten Playoff-Sieg. Kubiak oder Lewis werden auf jeden Fall jubeln können. Ein Favorit ist im Duell zwischen Houston und «Cincy» jedoch nicht auszumachen.

Auch beim Match zwischen den New York Giants und Atlanta dürfen sich beide Seiten Siegchancen ausrechnen. New York hat zwar seit dem Super-Bowl-Sieg am 3. Februar 2008 gegen New England keine K.o.-Runden-Partie mehr gewonnen und sich als letztes Team durch einen 31:14-Heimsieg gegen die Dallas Cowboys für die entscheidende Phase der Meisterschaft qualifiziert. Doch das schmälert das Selbstverständnis keinesfalls. So wies Defensive End Justin Tuck genüsslich darauf hin, dass die für ihr kompromissloses Spiel bekannten Kraftklotze von Atlantas Offensive-Linie «eine Reputation als Drecksäcke haben».

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