Der Direktor der Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, informiert über die geplatzten Verhandlungen.
Der Direktor der Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, informiert über die geplatzten Verhandlungen.

Der Direktor der Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, informiert über die geplatzten Verhandlungen.

dpa

Der Direktor der Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, informiert über die geplatzten Verhandlungen.

Washington (dpa) - Die Fronten verhärtet, die Spieler ausgesperrt, die neue Saison in Gefahr: Amerikas Lieblingssport Football steht vor der größten Krise seiner Geschichte.

Nachdem am Freitag die Teambesitzer und die Spielervereinigung NFLPA ihre Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag in der National Football-League NFL in Washington ergebnislos abgebrochen hatten, setzten die 32 Eigner ihre Profis vor die Tür. Erstmals seit 1987 gibt es in der reichsten Liga der Welt wieder einen Lockout. «Wir sind entmutigt, frustriert, enttäuscht - aber wir geben nicht auf», meine NFL-Verhandlungsführer Jeff Pash.

Der Weg zurück an den Gesprächstisch ist jedoch vorerst verbaut. Unmittelbar nach dem Scheitern der Verhandlungen löste sich die NFLPA auf. Da die Profis somit keinen Repräsentanten mehr hatten, war ihr Weg frei, die Liga zu verklagen. Noch am Freitagabend ging bei einem Amtsgericht in Minneapolis eine 52 Seiten umfassende Klage von zehn NFL-Spielern ein - darunter die Star-Quarterbacks Tom Brady, Peyton Manning und Drew Brees. In dem Kartellverfahren beschuldigen die Athleten die Liga der «Verschwörung und wettbewerbsschädigender Geschäftsmethoden».

Der 2006 abgeschlossene Tarifvertrag, aus dem die Besitzer bereits 2008 ausstiegen, endete am 3. März. Im Beisein des staatlichen Vermittlers George Cohen stimmten beide Seiten zweimal einer Fristverlängerung zu - ohne sich jedoch letztlich auf einen neuen Kontrakt einigen zu können. «Die Parteien haben in den Hauptverhandlungspunkten ihre stark unterschiedlichen Positionen beibehalten. Deshalb macht es derzeit keinen Sinn, den Schlichtungsversuch fortzusetzen», betonte Cohen.

In den Gesprächen ging es vor allem um die Aufteilung der jährlichen Gesamteinnahmen von rund neun Milliarden Dollar. Bislang gehen eine Milliarde Dollar direkt an die Teambesitzer. Von den restlichen acht Milliarden sind den rund 1700 Profis vertraglich 59,6 Prozent (4,8 Milliarden Dollar) zugesichert. Die Eigner halten dies für zu viel und argumentieren mit Investitionen in neue Arenen sowie der Wirtschaftskrise. Der Aufforderung der NFLPA, ihre Finanzbücher zu öffnen und die Verluste aufzuzeigen, kamen sie nicht nach. «Jedes Business, in dem sich die Partner nicht vertrauen, in dem eine Seite sagt, du machst dies und das, weil ich es so will, ist kein gutes Business», betonte NFLPA-Präsident DeMaurice Smith.

Durch den Lockout dürfen Spieler die Vereinsanlagen nicht mehr betreten, Rekonvaleszenten können weder Team-Physiotherapeuten noch Kraftraum nutzen. Vereinslose Spieler bleiben ohne neuen Arbeitgeber. Sollte bis zum Start der Saisonvorbereitung im August kein Arbeitspapier unterschrieben sein, drohen Einnahmeverluste von einer Milliarde Dollar. Jeder ausgefallene Spieltag der Saison würde rund 400 Millionen Dollar kosten.

Die NFL ist derzeit beliebt wie nie zuvor. Die TV-Einschaltquoten haben in der vergangenen Saison Höchstwerte erreicht. Der Superbowl am 6. Februar zwischen den Green Bay Packers und den Pittsburgh Steelers ging mit 111 Millionen Zuschauern als erfolgreichste Sendung in die US-Fernsehgeschichte ein.

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