Liga-Boss
Roger Goodell bereitet sich auf einen Arbeitskampf in der NFL vor.

Roger Goodell bereitet sich auf einen Arbeitskampf in der NFL vor.

dpa

Roger Goodell bereitet sich auf einen Arbeitskampf in der NFL vor.

Boston (dpa) - Amerika rüstet für den wichtigsten Sport-Sonntag des Jahres. Wenn sich am 6. Februar in der supermodernen Arena in Dallas die Green Bay Packers und die Pittsburgh Steelers im Superbowl gegenüberstehen, fiebern wieder rund 100 Millionen Menschen quer über den Kontinent vor den Fernsehern mit.

Es wird reichlich Konfetti in den Vereinsfarben des neuen Football-Champions geben, rauschende Partys, eine Parade durch die Siegerstadt. Doch wenn alles vorbei ist, droht der große Kater - nicht nur beim Meister.

«Wir befinden uns im Krieg», sagt der Präsident der Spielergewerkschaft NFLPA, DeMaurice Smith. NFL-Chef Roger Goodell war über einen derartigen Militärjargon «not happy», dennoch hatte Smith allen Football-Fans mitten in deren schönster Jahreszeit die Realität knallhart vor Augen geführt. Der Superbowl-Sonntag könnte das letzte Football-Fest für lange Zeit werden. Denn die Liga ist nach wie vor im Machtkampf mit den Spielern.

Es geht um einen neuen Arbeitsvertrag, und mittlerweile ist es ein Wettlauf gegen die Zeit geworden. Wenn sich beide Seiten nicht bis zum 3. März auf einen neuen Kontrakt einigen, droht ein Arbeitskampf und im schlimmsten Fall eine Saison ohne American Football. Goodell hat die Angelegenheit längst zur Chefsache erklärt und angekündigt, sein Gehalt auf einen Dollar herunterzukürzen, sollte nicht rechtzeitig ein neues Arbeitspapier ausgehandelt werden.

Der 51-jährige Liga-Boss verdient inklusive Prämien rund zehn Millionen Dollar im Jahr - weitaus mehr als das Gros der rund 1700 NFL-Profis. Carl Francis von der NFLPA sieht Goodells Aussage nur als Populismus: «Ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass seine Entscheidung irrelevant für den weiteren Ablauf ist. Er sollte lieber garantieren, dass es keinen Lockout geben wird.» Im Eishockey hatte ein Arbeitskampf zur Absage der NHL-Saison 2004/2005 geführt.

Der Streitpunkt ist vor allem das Geld. Die 32 Clubbesitzer, die bereits vor drei Jahren verärgert aus dem laufenden Kontrakt ausstiegen, verlangen, dass die Spieler weniger als die ihnen 2006 vertraglich zugesagten 59,6 Prozent oder 4,8 Milliarden Dollar der Gesamteinnahmen von jährlich rund acht Milliarden Dollar verdienen. Die Bosse argumentieren vor allem mit ihren gigantischen Investitionen in neue Arenen.

Die Gewerkschaft hält dagegen, dass die Vereine mit garantierten TV-Verträgen von rund vier Milliarden Dollar pro Jahr ihre Kassen bereits bestens füllen. Am 23. Januar hatten sich Goodell und Smith erstmals seit November wieder getroffen - ohne Ergebnis. Wann sie sich wieder an den Verhandlungstisch setzen, ist unklar.

«Spieler und Clubs tragen ein großes Risiko. Für den Fall, dass keine Übereinkunft erzielt wird oder ein neuer Vertrag erst mit zeitlicher Verzögerung zustande kommt, werden beide Seiten die finanziellen Konsequenzen tragen müssen», sagt Jeff Pash, Verhandlungsführer der NFL. Nach Ligaschätzungen würde sich der Einnahmeverlust auf 120 Millionen Dollar belaufen, sollte bis Anfang März keine Einigung erzielt werden. Im August, wenn die Vorbereitungsspiele beginnen, wären es 350 Millionen Dollar, im September, zum Start der neuen Saison, sogar eine Milliarde Dollar.

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