Nicht zuhalten
Angeblich sollen 20 Prozent der Spieler noch Wachstumshormone nehmen. Foto: Jason Szenes

Angeblich sollen 20 Prozent der Spieler noch Wachstumshormone nehmen. Foto: Jason Szenes

dpa

Angeblich sollen 20 Prozent der Spieler noch Wachstumshormone nehmen. Foto: Jason Szenes

Boston (dpa) - Ein kleiner Pieks sorgt in der NFL für große Diskussionen. Eigentlich sollten die Profis der National Football League von dieser Saison an auf menschliche Wachstumshormone (HGH) getestet werden. So hatten es Liga und Spielergewerkschaft NFLPA im Juli bei der Unterzeichnung des neuen Tarifvertrages vereinbart. Die NFL wäre die erste Profiliga in Nordamerika, die derartige Bluttests durchführt. Was sich nach einem Durchbruch im Dopingkampf anhörte, entwickelt sich zur Hängepartie - und sorgt in Washington für Ärger. «Wir sind sehr enttäuscht, wie langsam sich diese wichtige Angelegenheit entwickelt», betonten die Kongress-Abgeordneten Darrell Issa und Ellijah Cummings in einem Schreiben an Liga-Boss Roger Goodell und NFLPA-Geschäftsführer DeMaurice Smith. Jede Woche ohne Test gefährde die sauberen Spieler und sende jungen Athleten die Nachricht, dass HGH auf höchstem Niveau toleriert werde, so die Mitglieder des amerikanischen Repräsentanten-Hauses weiter. Es ist kein Geheimnis, dass die Muskelpakete einiger Profis nicht nur auf hartes Training und reichlich Milch-Shakes zurückzuführen sind. «Viele glauben, dass mindestens 20 Prozent der Spieler HGH nehmen», sagte Ex-Quarterback und Football-Kommentator Boomer Esiason. Der wertvollste Spieler von 1988 meinte in der Tageszeitung «New York Daily News», dass die NFLPA absichtlich das HGH-Thema «so lange wie möglich aufhält». Auch Henry Waxman sieht diesen Stillstand als «Grund zur Sorge». Waxman ist Oppositionsführer im House Energy and Commerce Committee, einem ständigen Ausschuss des Repräsentanten-Hauses. Zusammen mit zwei weiteren Abgeordneten reichte er beim Vorsitzenden, Fred Upton, den Antrag auf eine Anhörung ein. Waxman will so die Bedenken der Spielergewerkschaft ausräumen. Diese hatte sich dazu verpflichtet, ihre Athleten auf HGH testen zu lassen - vorausgesetzt, man sei mit den Testmethoden einverstanden. Nun ließ die NFLPA verlauten, dass man vorher gerne nähere wissenschaftliche Informationen zu den Untersuchungen hätte und den Beweis, dass diese auch zuverlässig seien. Die Gesetzgeber sehen dies als Foulspiel an. In einem Schreiben an Liga und Gewerkschaft zitieren sie rund ein Dutzend Wissenschaftler und Labor-Chefs aus aller Welt, die bestätigen, dass die Tests wissenschaftlich bewährt sind. Bei Olympischen Spielen wird das Nachweisverfahren seit 2004 angewendet. Allerdings, so Waxman, gebe es ein paar Fragen zur Aussagekraft von HGH-Tests. Durch eine Anhörung könne man von Wissenschaftlern zugleich erfahren, wie die Pläne von NFL und NFLPA aussehen, HGH-Missbrauch zu beseitigen, sagte er. Doch auf der Gegenseite besteht offenbar wenig Interesse daran. Eine Einladung der nationalen Anti-Doping-Agentur USADA zur Besichtigung ihrer Testlabore lehnte die Gewerkschaft ab. Und auch die NFL hält sich zurück.

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