Björn Werner
Björn Werner spielt für die Indianapolis Colts in der NFL. Foto: Thomas Eisenhuth

Björn Werner spielt für die Indianapolis Colts in der NFL. Foto: Thomas Eisenhuth

dpa

Björn Werner spielt für die Indianapolis Colts in der NFL. Foto: Thomas Eisenhuth

Indianapolis (dpa) - Sein Name ist schon seit Jahren für viele Amerikaner eine Herausforderung. Und mittlerweile haben auch die Profis der National Football League NFL mit «Bjorn Wörnör» so ihre Probleme - nicht nur sprachlich, sondern vor allem sportlich.

Der 23 Jahre alte Liga-Neuling der Indianapolis Colts zeigt in seiner ersten NFL-Saison genau zum richtigen Zeitpunkt die Leistungen, die sich sein Club vom «Germinator» bei der Verpflichtung im April erhofft hatte. Nun steht Björn Werner vor dem vorerst wichtigsten Spiel seiner jungen Profi-Karriere.

Trainer Chuck Pagano hat beim Berliner «in den vergangenen Wochen eine stetige Verbesserung und größeres Selbstvertrauen» ausgemacht. «Er geht in die richtige Richtung und spielt genau die Art von körperbetontem Football, die wir als Team spielen wollen», sagt der Coach. Und Werner wird sich auch am Samstag wieder von seiner besten Seite zeigen müssen. Im Playoff-Viertelfinale spielen die Colts bei den New England Patriots. Der dreimalige Meister aus dem Großraum Boston um Quarterback-Star Tom Brady und Trainer-Guru Bill Belichick gilt als Favorit. Doch die Colts reisen mit einer Siegesserie von vier Spielen an.

«Wir gehen mit Momentum in die Playoffs», hatte Werner bereits vor dem Auftakt in die K.o.-Runde betont. Und der grandiose 45:44- Heimsieg nach zwischenzeitlichem 10:38 im Wild-Card-Playoff-Match gegen die Kansas City Chiefs vor einer Woche dürfte wie ein Aufputschmittel für die Colts-Profis gewirkt haben. Nie zuvor hatte der Club einen derartigen Rückstand noch drehen können. Werner war nach dem «epischen Sieg» (Chuck Pagano) genauso glücksbeseelt wie alle im Colts-Lager.

Zu Saisonbeginn hingegen hatte der deutsche Debütant wenig zu lachen gehabt. Nach einer erfolgreichen College-Karriere an der Florida State University (FSU) hatten ihn die Colts bei der Draft unter allen Talenten in der ersten Runde an 24. Stelle ausgewählt und mit einem Vier-Jahres-Vertrag über knapp acht Millionen Dollar ausgestattet. An Erstrunden-Verpflichtungen werden durchaus große Erwartungen geknüpft. Quarterback Andrew Luck, auf den die Colts im Jahr zuvor gleich an erster Stelle zugriffen, gilt als der Spielmacher der Zukunft in Indianapolis.

Werner hingegen musste zunächst um jede Einsatzminute kämpfen. Doch das kam nicht überraschend. An der FSU hatte er als Defensive End gespielt. Seine Aufgabe war es, sich zum gegnerischen Quarterback durchzuwühlen und ihn zu Boden zu reißen, bevor dieser werfen konnte. In Indianapolis hingegen schulten sie ihn zum Outside Linebacker um. Somit duelliert sich nun vor allem mit den Tight Ends. Viele dieser Angriffsrecken bringen es auf mindestens solch imposante Maße, wie der 1,90 Meter große und 118 Kilogramm schwere Berliner.

Aufgrund eines Bänderrisses im Fuß musste er im Oktober drei Wochen pausieren. «Ein Rückschritt», wie er sagt. Die ersten Spiele nach der Verletzung seien «so la la» gewesen, resümiert Werner. Mittlerweile jedoch hat er seine neue Position und die dazugehörigen Spielzüge mehr und mehr verinnerlicht und spiele deshalb «freier» auf. «Ich versuche einfach, mich einzubringen und jede Woche besser zu werden. Und ich bin auf dem Weg dahin», betont Werner.

Seinen deutschen Akzent hat er auch nach knapp fünf Jahren in Amerika noch nicht verloren - sehr zur Freude seiner Mitspieler. «Egal, wo ich hinkomme, Leute ziehen mich damit auf. Aber ich bin jemand, der über sich selbst lachen kann», meint Werner, schmunzelt und betont: «So sehr sie sich auch bemühen, mich zu imitieren, es hört sich nicht mal annähernd so an. Aber es ist witzig.»

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