Donald Lutz hat seine Chance in der Major League genutzt. Foto: Scott Rovak
Donald Lutz hat seine Chance in der Major League genutzt. Foto: Scott Rovak

Donald Lutz hat seine Chance in der Major League genutzt. Foto: Scott Rovak

dpa

Donald Lutz hat seine Chance in der Major League genutzt. Foto: Scott Rovak

Pensacola (dpa) - Seine Zeit als König ist vorbei, die Baseball-Traumwelt für Donald Lutz nach knapp zwei Monaten Geschichte. Der erste deutsche Profi in der Geschichte der Major League Baseball (MLB) wurde von den Cincinnati Reds wieder ins Farmteam nach Florida geschickt.

Good bye Fliegen im Privatcharter, Nächtigen in Fünf-Sterne-Hotels, spielen vor bis zu 50 000 Fans - zurück zu den Pensacola Blue Wahoos, in die zweite Nachwuchsliga (AA). «Es war unglaublich», schwärmt Lutz rückblickend. «Du wirst wie ein König behandelt. Es hat so viel Spaß gemacht, ich habe viele Leute getroffen und so viel gelernt», sagt der 24-Jährige.

Nachdem Outfielder Chris Heisey, den Lutz bei den Reds vertrat, seine Verletzung auskuriert hatte, musste der deutsche Aushilfsprofi zurück in die Provinz. «Ich war nicht enttäuscht, als ich zurückgeschickt wurde», betont Lutz. Schließlich habe es zu Beginn geheißen, dass er womöglich nur «ein, zwei Wochen» in der MLB spielen werde. Ab sofort tritt er nun wieder vor kleineren Kulissen auf und fährt im Bus quer durch den amerikanischen Süden zu den Auswärtsspielen. Vor Beginn der fünf Partien umfassenden Serie bei den Jacksonville Suns veröffentlichte Lutz auf Facebook ein Foto seines riesigen Kopfkissens im Bus. «Ready to hit the road» (Bereit für die Straße), stand darüber geschrieben. Die Serie ggen Jackosnville endete 2:3.

Der 1,91 Meter große und 113 Kilogramm schwere Hüne aus dem hessischen Friedberg ist zwar wieder im Farmteam angekommen, aber keinesfalls in der Versenkung verschwunden. Die Reds haben weiterhin alle Aktionen des Deutschen im Blick. Pensacola-Trainer Delino DeShields setzte Lutz nun auch bei den Blue Wahoos auf der Position im linken Outfield ein. Zuvor wurde er im Farmteam auch als First Baseman eingesetzt.

«Wir haben ihn runtergeschickt, damit er sich weiterentwickeln kann. Er bekommt dort mehr Spielzeit», betont Cincinnati-Trainer Dusty Baker. «Wenn er in der AA das anwendet, was er bei uns gelernt hat, wird er bald zurück sein. Er ist ein schlauer Bursche», so der Coach weiter. Und die Chancen, dass Lutz noch in dieser Saison seinen 34 MLB-Spielen einige hinzufügen kann, stehen nicht schlecht.

Im September, dem letzten Monat der Vorrunde, dürfen alle 30 MLB-Teams ihre Kader von 25 auf 40 Akteure aufstocken. Und Lutz hat während seiner Zeit in Cincinnati durchaus Argumente für einen weiteren «call up» geliefert. Sein Aufstieg begann am 29. April. Als erster Deutscher kam er in der besten Baseball-Liga der Welt zum Einsatz. Aufgrund der Verletzungen der etatmäßigen Outfielder Ryan Ludwick und Chris Heisey wurde er tags zuvor von Dusty Baker in den Profikader berufen und im Auswärtsspiel bei den St. Louis Cardinals umgehend eingesetzt. «Du bist dran», hatte ihm Baker kurz und knapp im siebten Inning zugerufen. Die Fans in der ausverkauften Arena erhoben sich, als der Stadionsprecher ankündigte, dass dies die MLB-Premiere von «Donald Latz» sei.

Auf sein Debüt folgte zwei Tage später das erste Spiel als Starter. Und am 12. Mai gelang ihm der erste Homerun. Beim 5:1-Heimsieg gegen die Milwaukee Brewers schlug Lutz den Baseball im zweiten Inning über die Feldbegrenzung hinaus. «Auf Wiedersehen Baseball», stand anschließend im Spielbericht auf der Reds-Homepage. Daheim in Friedberg hatte Mama Marlen mitten in der Nacht die Partie verfolgt - es war Muttertag und der Homerun das schönste Geschenk für sie.

Geschichten wie diese gab es nicht nur in den lokalen Medien in Cincinnati, sogar die «New York Times» schrieb ausführlich über den ersten MLB-Deutschen, der einst «keinen Gedanken an seinen jetzigen Sport verschwendete.» Lutz ist zuversichtlich, dass er den nationalen Medien bald weitere Themen liefern kann. Seinen Aufenthalt in Pensacola sieht er nur als temporär an. «Es kommt nicht darauf an, wo du deine Karriere beginnst, sondern wo du sie beendest.»

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