Zum ersten Mal spielt Deutschland bei einem großen Turnier in Schwarz.

Düsseldorf. Sie hatten sich herausgeputzt: Zum Vorrunden-Finale gegen Ghana liefen die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum ersten Mal bei einem großen Turnier im "Kleinen Schwarzen" auf.

Stilsicher wie ihr Trainer, dem Anlass entsprechend und doch nicht ganz freiwillig: Denn nur weil Ghana Heimrecht hatte und ganz in Weiß gegen den Ball trat, wurden die schwarzen Leibchen aus dem Trikotkoffer gekramt.

Das auf Figur geschnittene Teil aus High-Tech-Fasern ist der vorläufige Höhepunkt einer modischen Revolution, die beim altehrwürdigen Deutschen-Fußball-Bund (DFB) vor sechs Jahren begann.

Jürgen Klinsmann machte Schluss mit dem DFB-Grün

Es brauchte einen Jürgen Klinsmann, um vom ewig grünen Auswärtstrikot für deutsche Kicker wegzukommen, mit dem sich Gerd Müller so prima im gegnerischen Strafraum tarnen konnte.

Das seit 1954 in der DFB-Farbe Grün gehaltene Ersatzhemd war dem "Klinsi" zu brav. Rot sollte Aggressivität, Leidenschaft und positive Energie ausstrahlen, hieß es damals.

Psychologen jubelten - Rot stehe für Powertypen. Ein genialer Schachzug. Die Rot-Premiere gegen Kamerun im Herbst 2004 glückte - 3:0 für Ballack und Co.

Dass es nun Schwarz ist, ist nicht unbedingt ein modischer Kniff, sondern eher dem Traditionsbewusstsein des DFB geschuldet. Offiziell soll das Trikot an das erste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft am 12. Dezember 1898 in Paris gegen den White Rovers Club erinnern, das das deutsche Team in schwarzen Oberhemden 7:0 gewann.

Und weil ein DFB-Trikot nie nur ein Trikot ist, finden sich neben den Farben Schwarz, Rot und Gold auch andere bedeutungsschwangere Details: Elf eingewebte Linien für die elf Freunde auf dem Platz, drei Sterne für drei WM-Titel, ein schwarz umrandetes Wappen für den letzten Europameister-Sieg 1996.

Aus psychologischer Sicht ist das Trikot ebenfalls nicht einfach schwarz: Wer Schwarz trägt, wirkt beeindruckend, stark, geheimnisvoll. US-Forscher haben 1988 in einer Studie mit Football-Spielern herausgefunden, dass Sportler in schwarzen Trikots aggressiver spielten als in weißen. Esoteriker sagen, Schwarz blockiere die Gefühle. Schießt sich die deutsche Elf eiskalt zum Titel?

Die drei Endspiele 1954, 1974 und 1990 gewann Deutschland übrigens im oft als langweilig gescholtenen weißen Heimtrikot. Und "Kaiser" Franz Beckenbauer sagte schon bei der Vorstellung des neuen Shirts im November 2009: "Du musst die Spiele gewinnen, sonst nützt dir das schönste Trikot nichts."

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