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Gerald Ciolek träumt vom Sieg.

Gerald Ciolek träumt vom Sieg.

Reuters

Gerald Ciolek träumt vom Sieg.

Girona. In Perpignan ging am Mittwoch nicht mehr viel. Weder für Fahrer, Helfer, Polizisten oder Zuschauer. Das übliche Chaos in einer verwinkelten und gleichermaßen romantischen südfranzösischen Stadt. Es bleibt nicht aus, das Chaos, die Verstopfung aller Straßen rund um das Epizentrum Zielbereich, dieses Mal am Place de Catalogne.

Gerald Ciolek hatte einen miserablen Renntag hinter sich, allenfalls geschönt durch einen fünften Rang in der Etappe, der ein paar Pünktchen auf das Konto der Sprinterwertung spülte. Und dann das: Nach einer Odyssee am Team-Bus angekommen, schnappte sich ein Chaperon den 22-Jährigen und bat zur Dopingkontrolle. Noch einmal, ein letztes Mal für diesen Tag, arbeitete sich der auspumpte Milram-Fahrer zum Doping-Caravan nahe des Zielstrichs.

Cioleks Tagesbilanz war keine gute. Gleich am Anfang stürzte er, missmutig stieg er wieder aufs Rad. Nach 180 von knapp 200 km zwischen Cap d´Agde und Perpignan dann ein Defekt, während Thomas Voeckler (Frankreich/Bouygies Telecom) seine Flucht erfolgreich abschloss und Mikhail Ignatiew Rang zwei einheimste. Ein paar Sekunden später gewann Mark Cavendish (England/Team Columbia-HTC) den Hauptfeldspurt vor Tyler Farrar (USA/Garmin), Ciolek wurde Fünfter. Cavendish hat nahezu das Optimale aus den bisherigen drei Sprintfinals der 96. Tour geholt.

Erster, Erster, Dritter - mit 96 Punkten führt er die Wertung um das prestigeträchtige Grüne Trikot deutlich an. Der Tageszehnte Thor Hushovd (Norwegen/Cervelo Test Team) hätte zu gerne in seiner Wahl-Heimat Perpignan, hier wohnt er seit einigen Jahren, gewonnen, mit 70 Punkten ist er erster Verfolger von Cavendish, Farrar (54) und Ciolek (42) folgen. "Wir können auch so am Ende in Paris das Trikot holen", meint Columbia-Teamchef Rolf Aldag. Man wollte sich nicht mehr gnadenlos im Finale aufreiben, wenn die anderen Teams nicht mitmachen.

"Fünf Teams haben einen Fahrer nach vorne geschickt, um die Ausreißergruppe zu stellen. 15 Teams hatten offenbar kein Interesse am Sieg", moserte der Westfale über die überwiegende Passivität auf der erneut von drehenden Winden beeinflussten Etappe. "ManXpres", wie Cavendish auch genannt wird, reichte das, denn: "Ich beschäftige mich nicht mit dem Stärken und Schwächen der anderen. Mein Ziel ist Paris und das Grüne Trikot.

Das wäre ein Traum." Und Aldag, der sein Team zu unfassbaren 52 Saisonsiegen geführt hat, will auf einmal gar nicht mehr so gefrässig daherkommen: "Uns reicht ein dritter Etappenerfolg von ´Cav` in Paris." Es ist aber ein langer Weg für den bulligen Sprinter von der Isle of Man, möglicherweise scheitert er an der Überquerung der Hochgebirgspassagen.

Zudem: Der Amerikaner Farrar hat sein Rezept laut ausgesprochen, wie er Cavendish bezwingen will. "Lange Sprints liegen ihm nicht, dazu muss ich ihn zwingen." Lang bedeutet mindestens 300 Meter im Wind, weil der Brite fast schon raubaukenartig erklärt: "Auf den letzten 250 Metern bin ich der Schnellste."

Momentan gibt niemand Widerworte. Gerald Ciolek setzt am Donnertag derweil auf den letzten Kilometer in Barcelona. Im Olympiaviertel von 1992 geht es den Montjuic hinauf. Nach 190,5 km von Girona kommend, wartet ein knapp 1000 Meter langer Anstieg mit rund sechs Prozent Steigung. Zu lang für ein Kurzzeit-Kraftwerk wie Cavendish, ideal für Spurter mit Allround- und Ausdauer-Qualitäten wie Ciolek oder auch Thor Hushovd.

Auch der Münsteraner Fabian Wegmann (Team Milram) hat vergleichbare Rennen wie den GP Miguel Indurain in Estrella mit einem solchen Finale schon gewonnen. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass Lance Armstrong attackiert, eine Sekunde auf Fabian Cancellara ist leicht eingefahren, dann wäre der Amerikaner im Gelben Trikot. Einen Etappenerfolg nähme der Texaner - wie es so seine Art ist - ungefragt mit.

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