Schalkes Präsident über seinen Klub an sich, Trainer Felix Magath, die Fans und ein Comeback des Stürmers im Nationalteam.

Herr Tönnies, haben Sie in der Winterpause immer den Überblick behalten über die Schalker Neuverpflichtungen?

Clemens Tönnies: Aber klar, wir haben sie ja schließlich genehmigt. Über deren Qualitäten befindet die sportliche Leitung mit ihrem Chef Felix Magath.

Die Bundesliga wundert sich, dass ausgerechnet Schalke trotz angespannter Finanzlage mehr Spieler verpflichtet als jeder andere Klub.

Tönnies: Wir haben ein klares Konzept, wir wollen uns weiter entwickeln und den Wert der Mannschaft erhöhen. Einige Klubs, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, haben geglaubt, dass sie ein Transfer-Schnäppchen machen können, weil Schalke angeschlagen schien. Aber wir lassen uns nicht ausnutzen.

Aber im Sommer wird es doch ohne Transfers nicht gehen, es sei denn, Schalke wird Meister oder qualifiziert sich für die Champions League.

Tönnies: Das Wort Meisterschaft nehmen wir nicht in den Mund. Wir wollen in den internationalen Wettbewerb, das ist unser Ziel. Wir haben durch unser Personalkonzept alle Optionen.

Was sagen Sie Fans, die nach der Finanzlage fragen?

Tönnies: Dass die finanzielle Lage angespannt ist, wir aber dabei sind, die Dinge zu ordnen. Wir wollen Fundamente legen, damit wir weit weniger anfällig sind für Dinge, die uns in den letzten Jahren passiert sind.

Was ist der große Unterschied zwischen einer Fleischfabrik und einem Fußballklub?

Tönnies: Es gibt gewaltige Unterschiede, allen voran den, dass im Fußball die Öffentlichkeit in einem Höchstmaß Anteil nimmt und jeden Schritt hautnah begleitet. Im Fußball haben wir es mit Stars zu tun, um den ganzen Betrieb herum läuft permanent ein Ball der Eitelkeiten. Sachzwänge spielen im Fußball nicht immer die Hauptrolle. Ich lege immer am Kamener Kreuz den Schalter um, auf dem Weg nach Schalke geht es ab dort um Fußball und Emotion, auf dem Rückweg sage ich: Jetzt sind wir wieder in der Fleischproduktion.

"Ich verachte alle Eichbergs dieser Welt", sagte Ihr Bruder Bernd in seiner kurzen Amtszeit als Schalke-Präsident. Er distanzierte sich von dem neureichen Gehabe. Ist Ihre Grundhaltung ähnlich?

Tönnies: Ja. Das hat was mit Charakter zu tun. Ich bin Ostwestfale, wir sind nicht die, die groß herumtönen. Wir arbeiten hart, dann stellt sich der Erfolg ein - fertig. Das gilt für das Unternehmen wie für den Fußball.

Stimmt es, dass Sie Ihrem todkranken Bruder versprochen haben, sich zu engagieren?

Tönnies: Ich war schon länger Schalke-Fan als Bernd, habe mich da aber nicht aktiv eingebracht. Als er schon schwer krank war, sagte er mir, dass er Präsident werden soll. Er war nicht davon abzubringen. Drei Monate später ist er gestorben, und in unserem letzten Gespräch hat er mich gebeten, mich auch um Schalke zu kümmern.

Für die breite Öffentlichkeit war die Verpflichtung von Felix Magath die große Wende auf Schalke. War das Ihr Einfall?

Tönnies: Man muss sich mit sehr guten Leuten umgeben, wenn man Erfolg haben will. Wir haben ein paar Gespräche geführt und irgendwann führte dann an Felix Magath kein Weg vorbei.

Haben sich Ihre Erwartungen in den leitenden Mitarbeiter Magath erfüllt?

Tönnies: In jeder Hinsicht, sowohl in der Professionalität als auch im menschlichen Umgang. Er ist gerade heraus, durchaus nicht unkompliziert, man kann sich auf ihn verlassen.

Sie gehen bei Schalker Spielen in Dortmund zu Ihren Fans in die Kurve. Warum?

Tönnies: Als wir damals die vermeintliche Meisterschaft in Dortmund verspielt haben, saß ich auf der Tribüne. Da habe ich mir gesagt, hier gehst du nie wieder hin. Mit den Fans, das macht Riesenspaß. Ich bin doch selbst Fan, Schalke ist mein Leben.

In Dortmund hatte auch Kevin Kuranyi ein einschneidendes Erlebnis. Ist das "lebenslänglich", dass er bekommen hat, gerecht?

Tönnies: Wenn Jogi Löw diese Konsequenz bei allen anderen angewendet hat und das auch in Zukunft tun wird, muss man das akzeptieren. Wenn er das aber nur durchzieht, um an Kevin ein Exempel zu statuieren, dann darf man das monieren. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass er seine Entscheidung überdacht hätte. Kevin ist nicht nur ein guter Fußballer, sondern auch ein gute Junge, der einen Reifeprozess hinter sich hat. Er hätte eine zweite Chance verdient.

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