Kevin Anderson
Zog nach 6:36 Stunden ins Wimbledon-Finale ein: Kevin Anderson. Foto: Steven Paston/PA Wire

Zog nach 6:36 Stunden ins Wimbledon-Finale ein: Kevin Anderson. Foto: Steven Paston/PA Wire

dpa

Zog nach 6:36 Stunden ins Wimbledon-Finale ein: Kevin Anderson. Foto: Steven Paston/PA Wire

London (dpa) - Der Sieger des zweitlängsten Wimbledon-Matches stieß die Debatte selbst an. Finalist Kevin Anderson sprach sich dafür aus, auch im fünften Satz einen Tiebreak zu spielen.

Die aktuelle Regelung, im Entscheidungssatz so lange weiterzumachen, bis ein Tennisprofi zwei Spiele Vorsprung habe, sei nicht mehr zeitgemäß. «Ich sehe den Mehrwert dadurch nicht. Ich sehe keinen Grund dafür, nicht bei allen Grand Slams einen Tiebreak zu spielen», sagte der 32-Jährige nach dem bei weitem längsten Halbfinale der Geschichte von Wimbledon über 6:36 Stunden und seinem erstmaligen Final-Einzug beim bedeutendsten Turnier der Welt. «Solch langen Matches sind sehr ermüdend. Ich denke, es würde die Gesundheit der Spieler schützen.»

Erschöpft saß der Südafrikaner in den Katakomben der berühmten Londoner Tennis-Anlage. Mit 26:24 im fünften Satz hatte der Weltranglisten-Achte am Freitag John Isner niedergerungen. Auch der unterlegene US-Amerikaner war dafür, die Regeln zu ändern: «Ich denke, das ist längst überfällig.» Der Vorschlag der beiden: einen Tiebreak bei 12:12. Die US Open sind momentan das einzige der vier Grand-Slam-Turniere, bei dem der entscheidende Satz nach 6:6 mit einem Tiebreak endet.

Die Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen berichtete Isner von seinen Schmerzen. Seine linke Ferse quäle ihn, er habe eine furchtbare Blase am Fuß. «Ich fühle mich schrecklich», sagte der 33-Jährige. Anderson meinte: «Ich weiß nicht, wie ich durch dieses Match gekommen bin. Es ging weit über normales Tennis hinaus.»

Schon wieder an einem Rekord für ein Endlos-Spiel auf den Rasenplätzen im Südwesten Londons beteiligt gewesen zu sein, konnte Isner nicht darüber hinwegtrösten, sein erstes Grand-Slam-Endspiel so knapp verpasst zu haben. Acht Jahre ist es her, als der Amerikaner mit dem Erstrundenspiel über drei Tage, in 11:05 Stunden und einem 70:68 im fünften Satz gegen den Franzosen Nicolas Mahut für einen wohl ewigen Rekord sorgte.

Am Freitag mussten sich durch das Halbfinale zwischen Anderson und Isner die beiden Topstars Rafael Nadal und Novak Djokovic über Stunden in Geduld üben. Sie wussten nicht, wann ihr Auftritt beginnt. Unter geschlossenem Dach und bei Licht, draußen wurde es dunkel, boten die beiden Dauerrivalen ein mitreißendes Spiel.

Um 23.02 Uhr packten beide beim Stand von 6:4, 3:6, 7:6 (11:9) aus der Sicht von Djokovic die Taschen, aus Rücksicht vor den Anwohnern wird in Wimbledon nicht länger gespielt. Um halb elf wurde auf der Anzeigentafel der Hinweis eingeblendet, Besucher, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist und auf Anschlüsse angewiesen seien, sollten sich mit ihrer Rückreise befassen.

Erst am Samstagnachmittag vor dem dadurch verzögerten Damen-Finale mit Angelique Kerber machte der frühere Weltranglisten-Erste Djokovic mit dem 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 3:6 und 10:8 seine Chance auf seinen vierten Wimbledon-Titel perfekt. Das hochklassige Duell dauerte 5:15 Stunden und geht als zweitlängstes Halbfinale in die Wimbledon-Geschichte ein.

Anderson änderte seine gewohnte Regeneration, um für das Endspiel am Sonntag wieder zu Kräften zu kommen. Er strampelte doppelt so lang auf dem Fahrrad, dann ging es in die Eistonne. Anders als sonst aß er schon vor dem Dehnen. «Meine Füße schmerzen, sie sind geschwollen. Meine Beine fühlen sich ziemlich wie Wackelpudding an. Ich muss sehen, wie mein Körper reagiert.»

Schon vor dem Endspiel am Sonntag nimmt der 2,03 Meter große Hüne und erste südafrikanische Wimbledon-Finalist seit 1921 zwei erinnerungswürdige Auftritte mit. Erst besiegte er Topstar Roger Federer, dann spielte er das längste Halbfinale - und das zweitlängste Match von Wimbledon.

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