Deutschland gewinnt 4:1 gegen Spanien. Aber die vermeintliche Harmonie zerstören die Protagonisten mit ihrer Absage an Tag drei.

Tennis
Zuschauer: Florian Mayer, Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber (v.l.)

Zuschauer: Florian Mayer, Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber (v.l.)

dpa

Zuschauer: Florian Mayer, Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber (v.l.)

Frankfurt. Die heile, deutsche Tennis-Welt hat nicht einmal einen Tag gehalten. Nachdem das deutsche Davis-Cup-Team am Samstag noch die Versöhnung zwischen Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber perfekt initiiert hatte, bekam das Bild von der neuen Harmonie am Sonntag schon wieder heftige Risse.

Am Abschlusstag des Erstrundenduells gegen Spanien sahen sich weder Haas noch Kohlschreiber in der Lage, zum beim Stand von 3:0 bedeutungslosen Einzel gegen die spanische Nummer eins Feliciano Lopez anzutreten.

Die Zuschauer bekamen für ihr Geld nur noch die Begegnung von Ersatzmann Daniel Brands gegen den Spanier Roberto Bautista-Agut zu sehen, die der Deggendorfer mit 7:6 (7:5), 6:4 gewann. Das fünfte Spiel wurde „abgeschenkt“ – Endstand: 4:1.

Arriens: Jeder geht im Zustand einer Niederlage

Das deutsche Team wurde deshalb in der Frankfurter Ballsporthalle gnadenlos ausgepfiffen. Die Euphorie der ersten beiden Tage war wie weggeblasen. „Ich kann mir keine größeren Extreme vorstellen“, sagte Teamchef Carsten Arriens.

Noch am Tag zuvor war er dafür gefeiert worden, erstmals seit langem wieder die besten deutschen Spieler zusammengeführt zu haben. Doch dann kam alles anders. „In der Kabine hat sich vorhin keiner als Sieger gefühlt. Jeder geht im Zustand einer Niederlage“, sagte Arriens.

Haas und Kohlschreiber hatten zuvor Verletzungen und Erschöpfung als Grund angegeben. Florian Mayer kam wegen seiner im Einzel erlittenen Schulterverletzung nicht für einen Einsatz infrage. Während der Bayreuther seine Teilnahme am ATP-Turnier in Zagreb in dieser Woche bereits abgesagt hat, sind Haas und Kohlschreiber für die Veranstaltung noch gemeldet.

Als Teamchef Carsten Arriens die Nachricht verkündete, gab es ein gellendes Pfeifkonzert. „Ich kann ihre Verärgerung vollkommen nachvollziehen“, sagte Arriens. Ihm war es zuvor nicht gelungen, einen seiner Profis zu überreden. „Vielleicht haben wir die Situation auch ein bisschen unterschätzt“, sagte Arriens zum Frust der Fans.

DTB-Präsident Karl-Georg Altenburg versprach, als Entschädigung im Sommer einen Showkampf in Frankfurt zu veranstalten. Doch das war nur ein schwacher Trost. „Auf der einen Seite verstehe ich den Frust der Leute, aber man muss ab und zu auch an seine eigene Gesundheit denken“, sagte Kohlschreiber.

„Wir sind alle drei angeschlagen und platt und können nicht spielen“, meinte Haas. „Ich denke, es ist an der Zeit, ein paar Regeln im Davis Cup zu ändern“, sagte die deutsche Nummer eins mit Blick auf die Einzel am dritten Tag, wenn die Begegnung schon entschieden ist.

Unter dem Strich bleibt viel Frust. „Wir haben hart daran gearbeitet, Tennis wieder attraktiv zu machen“, sagte Altenburg. Notiz am Rande: Im Viertelfinale tritt das deutsche Team vom 4. bis zum 6. April in Frankreich an. Teilnehmer: ungewiss.

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