Freizeitspaß
Andrea Petkovic amüsierte sich an ihrem spielfreien Tag beim Trendsport Zorbing.

Andrea Petkovic amüsierte sich an ihrem spielfreien Tag beim Trendsport Zorbing.

dpa

Andrea Petkovic amüsierte sich an ihrem spielfreien Tag beim Trendsport Zorbing.

Melbourne (dpa) - Dank der Erfolge von Andrea Petkovic kommt das Tennis in Deutschland langsam wieder aus der Versenkung. Dass damit auch das Interesse an ihrer Person steigt, ist der 23-Jährigen bewusst. Doch die Hessin sieht sich darauf vorbereitet.

Der bislang größte Erfolg ihrer Karriere stellte Petkovic vor unerwartete Probleme. «Ups, ich muss ja noch mein Hotel verlängern», sagte Deutschlands neue große Tennis-Hoffnung in Melbourne. Ihr Appartement im Stadtteil Richmond war vorerst nur für eine Woche gebucht gewesen, auch das Rückflugticket für sie und ihren Vater war auf den 24. Januar ausgestellt - der erstmalige Einzug ins Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers, wo sie in der Nacht zum Dienstag auf die Chinesin Na Li treffen sollte, kam auch für die 23-Jährige überraschend.

Doch in der Familie Petkovic hat jeder seine Aufgabe. Während ihr Vater zusammen mit Trainer Petar Popovic auf der Tour für das Sportliche verantwortlich ist, koordiniert die Mutter von daheim Hotel- und Flugreservierungen. Die Schwester versammelt derweil die Fans in Darmstadt im Café Corner, «wo die letzten Spiele so eine Art Mini-Public-Viewing stattgefunden hat», wie Andrea Petkovic nicht ohne Stolz erzählt.

Während die Angehörigen also für ein Rundum-Paket sorgten, konnte sich die 23-Jährige bei den Australian Open ganz aufs Tennis konzentrieren - und das gelang ihr in der ersten Woche auf beeindruckende Art und Weise. «Ich fühle mich einfach gut im Moment, mit den Leuten, die um mich herum sind, und mit mir selbst», sagte die Darmstädterin.

Diese Zufriedenheit und Gelassenheit strahlte die Hessin auch auf dem Platz aus. Beim Training am Montag paarte sie wieder jene Mischung aus Spaß und Ernsthaftigkeit, mit der sie Down Under in den ersten vier Spielen auch auf dem Platz brillierte. Als sie mit einem Volley ihren Trainer Popovic abschoss, ballte sie genüsslich die Faust, lachte und jubelte. Keine 30 Sekunden später hämmerte sie wieder konzentriert eine Vorhand nach der anderen über das Netz - die nächste Aufgabe wartete schließlich bereits.

Mit ihren Triumphen gegen Venus Williams und Maria Scharapowa hat sie in Deutschland wieder ein bisschen Interesse für den Tennissport geweckt, der nach den Goldenen Jahren der Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf zuletzt in der Versenkung verschwunden war. «Da bin ich sehr froh drüber, denn ich liebe Tennis und ich hoffe, dass wir mit unseren Siegen dazu beitragen können, dass Tennis wieder populär wird», sagte die Politikstudentin.

Wenn sie von wir spricht, meint Petkovic auch die Bad Oldesloerin Julia Görges, die beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres unglücklich in der dritten Runde an Scharapowa gescheitert war. «Ich bin ganz froh, dass die Jule auch da ist, da teilt sich das Interesse der Öffentlichkeit ein bisschen auf.»

Doch die 1,2er-Abiturientin ist darauf vorbereitet, dass im Falle weiterer Erfolge im Laufe des Jahres auch ihr Standing in der Öffentlichkeit ein anderes werden wird. Petkovic arbeitet seit längerem mit dem Balinger Mental-Trainer Holger Fischer zusammen. «Er hat mir gesagt, solange du nicht bereit für eine Rolle in der Öffentlichkeit bist, wirst du auch nicht erfolgreich sein.»

Ihr Auftreten in Melbourne zeugte davon, dass sie die Worte des Experten verinnerlicht hat. Auch dass sie nach dem Sieg gegen Scharapowa plötzlich von vier Security-Leuten begleitet wurde, nahm sie gelassen hin. Als neue Steffi Graf sieht sie sich trotzdem nicht. «Steffi war eine Ausnahmeerscheinung. Ich glaube nicht, dass es noch einmal eine Spielerin mit ihren Erfolgen gibt.»

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