Ablösung
Roger Federer verlässt nach seiner Niederlage gegen Novak Djokovic den Platz.

Roger Federer verlässt nach seiner Niederlage gegen Novak Djokovic den Platz.

dpa

Roger Federer verlässt nach seiner Niederlage gegen Novak Djokovic den Platz.

Melbourne (dpa) - Nadal raus, Federer raus: Das Finale der Australian Open findet ohne einen der beiden Superstars statt. Zufall? Oder der Beginn einer neuen Zeitrechnung im Herren-Tennis? Die Luft für die beiden Protagonisten der vergangenen Jahre wird auf jeden Fall dünner.

Der Ausgang schien vorprogrammiert. Nadal auf dem Weg zu seinem persönlichen «Rafa Slam», Roger Federer kurz vor der Titelverteidigung - dem großen Showdown in der Rod Laver Arena fieberten alle entgegen. Welcher der beiden Ausnahmespieler würde sein großes Ziel erreichen? Allein darum drehte sich seit eineinhalb Wochen alles am anderen Ende der Welt. Die Antwort fällt so kurz wie überraschend aus: keiner.

Nadal wurde erneut von seinem eigenen Körper gebremst, Federer stieß gegen Novak Djokovic an seine Grenzen. Zufall? Oder doch das Ende einer Ära im Herren-Tennis und der Beginn einer neuen Zeitrechnung? «Darüber wird immer sehr schnell gesprochen. Lasst uns in sechs Monaten noch einmal reden», sagte Federer nach seinem Viertelfinal-Aus gegen Novak Djokovic trotzig.

Doch die Anzeichen verdichten sich, dass dem Herren-Tennis nach Jahren der Federer-Nadal-Dominanz eine Blutauffrischung bevorsteht, die dem Sport nur gut tun kann. Nicht einfach so steht Federer zum vierten Mal nacheinander bei einem Grand-Slam-Turnier nicht im Endspiel. «Ich bin immer noch Weltmeister», entgegnete der Schweizer seinen Kritikern nach dem «Anti Slam», spürbar gereizt vom Gerede über das sich scheinbar anbahnende Ende seiner Dominanz.

Erstaunlich gegen Djokovic, dem er bereits bei den US Open 2010 im Halbfinale unterlegen war, war vor allem die Tatsache, dass Federer nicht schlecht spielte. Früher hätte ihn keiner gefährden können, wenn er auf diesem Niveau agiert hätte. Inzwischen ist aber selbst ein Federer in bester Verfassung nicht mehr unschlagbar.

Djokovic wollte die Gunst nach einem seiner größten Siege nicht nutzen, um Salz in die Wunden der gestrauchelten Favoriten zu streuen. «Wir sind immer noch hinter ihnen. Man kann nicht sagen, dass eine neue Ära beginnt», sagte der Serbe. Finalgegner Andy Murray nahm die Diskussion nicht ganz ernst. «Beide waren großartig für diesen Sport und werden es auch noch sechs oder sieben Jahre sein. Ich stehe aber lieber im Finale, als mir Nadal gegen Federer im TV anzusehen», sagte der Schotte.

Neben den beiden Melbourne-Finalisten rücken Nadal und Federer mit dem Schweden Robin Söderling und dem Tschechen Tomas Berdych jedoch noch weitere Spieler auf die Pelle. Die übernächste Generation mit dem Australier Bernard Tomic oder dem kroatischen Aufschlag-Wunder Milos Raonic ließ in Australien ebenfalls schon einmal ihr Können aufblitzen.

«Es gibt jetzt mehr Spieler, die in der Lage sind, ein Grand-Slam- Turnier zu gewinnen und das ist gut so», ließ sich Djokovic immerhin noch entlocken. Doch der 23-Jährige, der seit dem Davis-Cup-Sieg im Dezember vor Selbstvertrauen nur so strotzt, weiß auch, was ihm und den anderen Herausfordern noch fehlt. «Wenn man im Herrentennis an der Spitze stehen will, muss man konstant auf sehr hohem Niveau spielen.» So wie Nadal und Federer jahrelang.

«Roger ist immer noch extrem motiviert und Rafa hat das letzte Jahr dominiert wie kein Zweiter», meinte der Serbe daher bescheiden. Sein Trainer Marian Vajda sieht zumindest das Ende der Herrschaft von Federer kommen. Grund sei das Alter des Schweizers, der bereits 29 ist. «Bei Turnieren über zwei Gewinnsätze kann Roger noch bestehen und sein Können ausspielen, aber über fünf Sätze ist es ein mentales und auch physisches Ding», sagte der Coach.

Federer will sich jedoch noch nicht zurückziehen. «Das ist erst der Anfang der Saison und ich freue mich auf die weiteren Turniere», sagte der Eidgenosse. Er werde jetzt ein paar Tage Urlaub machen und dann in Dubai mit seinem Fitnesstrainer Pierre Paganini arbeiten. «Und dann sehen wir mal weiter», sagte der Schweizer entschlossen. Kampflos wird er sich nicht aus der Weltspitze verabschieden.

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