Statt zu reisen kümmert sich Nicolas Kiefer lieber um seine kleine Tochter Mabelle. Foto: Caroline Seidel
Statt zu reisen kümmert sich Nicolas Kiefer lieber um seine kleine Tochter Mabelle. Foto: Caroline Seidel

Statt zu reisen kümmert sich Nicolas Kiefer lieber um seine kleine Tochter Mabelle. Foto: Caroline Seidel

dpa

Statt zu reisen kümmert sich Nicolas Kiefer lieber um seine kleine Tochter Mabelle. Foto: Caroline Seidel

Hannover (dpa) - Vor einem Jahr beendete Nicolas Kiefer seine Karriere. Statt um die Welt zu reisen, wollte sich der Hannoveraner lieber um seine kleine Tochter Mabelle kümmern.

Ein Entschluss, den die einstmals größte deutsche Tennis-Hoffnung bis heute nicht bereut hat, wie Kiefer im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Herr Kiefer, ihr Rücktritt ist nun ein Jahr her. Haben Sie die Entscheidung schon einmal bereut?

Kiefer: «Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich genieße die Zeit sehr. Außerdem habe ich den Tennisschläger ja nicht komplett weggelegt. Hin und wieder mache ich ja noch meine Schaukämpfe, zudem arbeite ich im Bundesstützpunkt Nord in Hannover mit dem Nachwuchs. So bleibe ich auf jeden Fall im Tennis drin.»

Also ist es nicht so, dass Sie zum Beispiel nach ihrem Auftritt vor vollem Haus in Halle noch einmal das Kribbeln gespürt haben...

Kiefer: «... doch, doch, das schon. Das Kribbeln war schon da. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich bereit bin, wieder zu spielen. Zu dem bereit sein zählt ja auch die komplette Vorbereitung, und was man alles dafür investieren muss. Das habe ich 15 Jahre lang gemacht, und das muss nicht mehr sein. Es war eine schöne Zeit, aber der trauere ich nicht hinterher.»

Ein Comeback ist also kein Thema?

Kiefer: «Daran habe ich noch nicht ein einziges Mal gedacht.»

Die Situation bei Tommy Haas war Ende 2010 ja ähnlich. Er hat den Weg zurück gewählt. Können Sie seinen Entschluss verstehen?

Kiefer: «Ich habe mich ja auch sehr lange mit meiner Entscheidung gequält. Klar verstehe ich ihn, wenn man weiß, was man mit seinem Körper schon alles durchgemacht hat und was man trotzdem noch leisten kann. Bei mir hat aber die familiäre Situation den Ausschlag gegeben, es nicht noch einmal zu versuchen.»

Trauen Sie es Tommy Haas zu, dass er noch einmal ein Turnier gewinnt?

Kiefer: «Für das deutsche Tennis wäre es natürlich schön, aber er weiß auch, dass ihm die Zeit ein wenig wegläuft. Es kommen immer jüngere Spieler nach und er wird auch älter. Tommy hat sich sicher seine Ziele gesetzt und wird sich im Winter gut vorbereitet haben, damit er gut in die Saison startet. Dann ist sicher alles möglich.»

Ihre Töchter sind im gleichen Alter...

Kiefer: «... ja, wenn wir 49, 50 Jahr alt sind, dann sind unsere Töchter 16, 17. Dann können wir ja mal ein Mixed gegeneinander spielen. Warum nicht?»

Ihre Tochter Mabelle war der Grund, warum Sie nicht noch einmal ein Comeback versucht haben. Ist Vater sein immer noch das Schönste für Sie?

Kiefer: «Ja, definitiv. Ich genieße die Vaterrolle sehr. Ich bin ein absoluter Familienmensch, deshalb ist es einfach schön, die Zeit zu haben. Von daher möchte ich auch gar nicht mehr viel unterwegs sein. Heute Vormittag waren wir alle zusammen beim Babyschwimmen, das war riesig.»

Sie sind als Berater an der TennisBase Hannover tätig. Wie sieht ihre Rolle genau aus?

Kiefer: «Ich kümmere mich mehr um den Profibereich, habe aber auch den Nachwuchs im Blick. Bei den deutschen Jugend-Meisterschaften waren wir zuletzt mit zwei Titeln und einem Finalisten sehr erfolgreich. Zudem freut uns natürlich der Zuspruch in ganz Deutschland. Dass Julia Görges, Sabine Lisicki und Anna-Lena Grönefeld hier in der Vorbereitung trainiert haben ist natürlich eine tolle Auszeichnung.»

Stehen Sie auch noch selbst auf dem Platz?

Kiefer: «Ja, regelmäßig. Wir tauschen uns mit den Trainern der Spielerinnen und Spieler ständig aus und überlegen, was wir besser machen können. Wir arbeiten zusammen Pläne aus, sind ständig mit allen Trainern hier im Gespräch. Es macht riesig Spaß und ist eine tolle Herausforderung. Jetzt sitze ich hier vor dem Computer und verfolge die Ergebnisse der Jungs und Mädels, wenn sie auf der Welt unterwegs sind. Und wenn sie gewinnen, dann balle ich die Faust.»

Das deutsche Damen-Tennis ist wieder in aller Munde. Die Herren hinken dagegen etwas hinterher. Warum?

Kiefer: «Die Damen haben es uns vorgemacht. Andrea Petkovic, Sabine Lisicki, Julia Görges - alle drei haben die Möglichkeit, im kommenden Jahr unter die besten Zehn zu kommen. Ich glaube, die Erfolge der Mädels sollten für die Herren einfach Motivation sein. Die Damen, die bei uns trainiert haben, waren sehr erfolgreich. Die Herren können auch sehr gerne hier herkommen.»

Aber fehlt den Herren manchmal nicht einfach der letzte Biss?

Kiefer: «Florian Mayer war schon immer ein guter Spieler, der in diesem Jahr gemerkt hat, dass er erfolgreich sein kann. Er selbst weiß, glaube ich, dass er noch deutlich Luft nach oben hat. Philipp Kohlschreiber ist sicherlich deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben. Bei ihm habe ich manchmal das Gefühl, dass er sich zu sehr unter Druck setzt.»

Der Deutsche Tennis Bund hat mit Georg Altenburg einen neuen Präsidenten. Charly Steeb ist bereits im Boot, Boris Becker hat seine Hilfe angeboten. Könnten Sie sich ebenfalls vorstellen zu helfen?

Kiefer: «Man hört sich immer alles an. Ich habe Charly schon kontaktiert, und irgendwann werden wir uns einmal zusammensetzen und uns austauschen. Es gibt immer viele Möglichkeiten, was man verbessern kann. Von daher kann es sicher nicht schaden, wenn man viele ehemalige Sportler mit einbindet.»

Wenn Sie das aktuelle Herren-Tennis bewerten. Ist das Niveau mit Djokovic, Nadal, Federer, Murray so hoch wie lange nicht mehr?

Kiefer: «Auf jeden Fall, auch einen David Ferrer darf man nicht vergessen. Das ist schon sehr, sehr hohes Niveau. Und der meiner Meinung nach Beste hat sich am Ende bei der WM wieder durchgesetzt: Roger Federer. Ich bin immer noch ein Federer-Fan und habe mich daher sehr für ihn gefreut. Er ist jetzt wieder bereit für den großen Wurf in 2012.»

Interview: Lars Reinefeld, dpa

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