Jung-Profi
Tobias Kamke bei dem US Open 2010.

Tobias Kamke bei dem US Open 2010.

dpa

Tobias Kamke bei dem US Open 2010.

Hamburg (dpa) - Tobias Kamke genoss den Augenblick in der Londoner 02 World und blickte auf ein Jahr zurück, in dem er sich den Titel «Newcomer des Jahres» redlich verdient hatte.

«Die Auszeichnung auf dem Center Court, das war unglaublich», erzählt der 24 Jahre alte Lübecker, der am Rande der Tennis-Weltmeisterschaft Ende November den Preis erhielt. Was ihn am meisten ehrt: Dass die Kollegen ihn gewählt hatten. Bei Platz 254 gestartet, am Ende bis auf Rang 66 in der Weltrangliste hochgeklettert - das imponierte sogar Roger Federer, der ihn im Restaurant in London ansprach und ihm gratulierte.

Nur für Michael Stich kam der Durchbruch Kamkes fast ein wenig spät. «Es hat ein bisschen länger gedauert als ich gedacht habe, aber so war es bei mir auch», erzählt der Hamburger Turnierdirektor und Mentor Kamkes. Der Grundlinienspieler von der Küste zählte schon in der Vorjahren zu den fittesten Spielern auf der Tour. Mitte 2009 verpflichtete er gemeinsam mit seinem Freund Julian Reister aus Hamburg erstmals einen Tour-Coach, der die beiden zu den Turnieren begleitete. «Ich habe gemerkt, dass ich es nicht so gut hinkriege, jede Woche irgendwo auf der Welt allein zu sein», gibt Kamke zu.

Die Matchanalysen von Ralph Grambow sind ihm wichtig geworden. Schwierig könnte es 2011 werden, wenn sich die Wege von Kamke und Reister trennen, weil die Nummer 114 der Welt aus Reinbek nicht bei den Topturnieren zugelassen wird. Derzeit scheut der Lübecker Aufsteiger den Weg, einen neuen Trainer nur für sich allein zu engagieren - doch auf Dauer wird kein Weg daran vorbeiführen.

An der Professionalisierung arbeitet er noch. Auch ein Mentalcoach hat ihn vorangebracht: «In Stresssituationen auf dem Platz bin ich immer sehr negativ geworden - jetzt habe ich Anhaltspunkte, wie ich da rauskomme. Das zeigen meine Erfolge.»

Schon 2010 hat er gemerkt, dass er mit dem Einzug in die dritte Runde in Wimbledon endgültig bei den Profis angekommen ist. Für Aufsehen sorgte beim ATP-Turnier in Basel auch das 6:4, 6:1 gegen den Tschechen Tomas Berdych - es war der erste Erfolg über einen Spieler aus den Top Ten. Zwei Titel feierte der Schleswig-Holsteiner 2010 auf der Challenger Tour.

Am meisten geärgert hat ihn sein Erstrunden-Aus am Hamburger Rothenbaum, wo er in seiner Karriere unbedingt einmal gewinnen will. «Ich war sehr enttäuscht von seiner Leistung», sagt Stich, «aber als ich gesehen habe, wie er vor Wut seinen Schläger in der Kabine zertrümmerte, hat mir die Reaktion sehr gut gefallen.»

Im nächsten Tennis-Jahr, das für Kamke mit dem Abflug am 27. Dezember nach Australien beginnt, will er die Top 50 der Welt anvisieren. Zum Ausspannen ist vor Weihnachten er nur wenig gekommen - da musste er auf Wohnungssuche mit seiner Freundin nach Hamburg. Zwischendurch traf er sich mit alten Freunden zum Indoor-Soccer, aber meistens hat er einfach «viel geschlafen».

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