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Philipp Kohlschreiber soll das deutsche Davis-Cup-Team anführen. Foto: Narendra Shrestha

Philipp Kohlschreiber soll das deutsche Davis-Cup-Team anführen. Foto: Narendra Shrestha

dpa

Philipp Kohlschreiber soll das deutsche Davis-Cup-Team anführen. Foto: Narendra Shrestha

Buenos Aires (dpa) - Philipp Kohlschreiber ist zurück im deutschen Davis-Cup-Team. Und soll in Argentinien gleich maßgeblich an einer Überraschung mitarbeiten. Zwei Einzel und das Doppel soll der im Vorjahr Aussortierte spielen. Er ist hoch motiviert.

Mit so einem freundlichen Empfang hatten Kohlschreiber und seine Tennis-Kollegen nun wirklich nicht gerechnet. Argentinische Schulkinder auf Klassenausflug und interessierte Tennis-Kids applaudierten in Buenos Aires beim Training des deutschen Davis-Cup-Teams nicht nur für gelungene Schläge. Kohlschreiber bekam von den Rängen des 14 000 Fans fassenden Stadions im Parque Roca während einer Pause gar einen Extrabeifall, winkte den rund 250 jungen Besuchern freundlich zu und forderte mit einer einladenden Handbewegung sogar noch mehr Stimmung.

Nicht nur wegen der herzlichen Begrüßung ist Kohlschreiber in den Tagen vor dem schweren Erstrundenspiel in Argentinien die Freude über die Rückkehr ins deutsche Team nach einjähriger Abstinenz anzumerken. Nach den internen Querelen mit dem Teamchef-Wechsel von Patrik Kühnen zu Carsten Arriens ist die deutsche Nummer eins, «umso heißer, wieder für mein Land zu spielen». Und das bei der Sommerhitze von 35 Grad.

Als ein argentinischer Journalist wissen wollte, warum es für Kohlschreiber unter einem neuen Kapitän nun kein Problem mehr sei, wieder für Deutschland anzutreten, konnte sich Teamkollege Florian Mayer ein Kichern nicht verkneifen. Vor einem Jahr in Bamberg hatte der Ärger beim 1:4 gegen die Argentinier begonnen. Tommy Haas kritisierte öffentlich Kohlschreibers Fehlen in der Halle nach dessen Absage wegen einer Erkrankung und bekam Unterstützung von Kühnen. Im folgenden monatelangen Hin und Her initiierte Kohlschreiber die Ausbootung von Kühnen als Teamchef beim World Team Cup, dieser wiederum verzichtete nach einem vorangegangenen Gespräch beim Relegationsspiel gegen Australien auf seinen Spitzenmann.

Der Klassenverbleib wurde von der Führung im deutschen Tennis als Triumph der Geschlossenheit gefeiert. Nun ist es Kohlschreiber, der daran appelliert. «Wir müssen uns auf unseren Kreis konzentrieren, als Kollektiv auftreten und unser Ding machen», betonte er schon während der Australian Open anhand der zu erwartenden fanatischen Stimmung im Estadio Mary Teran de Weiss nahe des eher ärmlichen Stadtteils Villa Soldati mit seinen heruntergekommenen Wohnsilos.

Kohlschreiber hat im Davis Cup schon große Matches gezeigt, gerade auf Sand. So holte er 2009 beim 2:3 im Viertelfinale in Spanien beide Punkte gegen Tommy Robredo und Fernando Verdasco. In Buenos Aires wird er gemeinsam mit Christopher Kas auch noch Doppel spielen, das Duo gewann jüngst das ATP-Turnier in Doha. Argentiniens Kapitän Martin Jaite hat Respekt vor dem Weltranglisten-19., zumal Jaite ohne seinen Top-Mann Juan Martin Del Potro auskommen muss. Das DTB-Team sei auch dank Kohlschreiber stärker als vor einem Jahr, wenngleich Philipp Petzschner und Tommy Haas fehlten.

Kohlschreiber unterstrich, sein Verhältnis zu Haas sei nicht so schlecht. «Es wird von den Medien so dargestellt, dass wir uns auf den Tod nicht leiden können, was total falsch ist. Wir werden sicher nicht die besten Freunde, weil wir nicht auf der gleichen Wellenlänge sind», meinte Kohlschreiber vorige Woche im Bayerischen Rundfunk. Dennoch wäre Haas in Argentinien eine Hilfe gewesen. «Im Viertelfinale fragen wir ihn noch mal, ob er dabei sein will.» Nicht nur Freude, auch den Humor hat Kohlschreiber wiedergefunden.

Die Einsätze von Philipp Kohlschreiber im Davis Cup:

6. bis 8. April 2007 Viertelfinale Belgien (A) 3:2

gew. Olivier Rochus 6:3, 7:5, 7:6 (7:4)

verl. Dick Norman 2:6, 3:6

21. bis 23. September 2007 Halbfinale Russland (A) 2:3

gew. Nikolai Dawydenko 6:7 (5:7), 6:2, 6:2, 4:6, 7:5

verl. Igor Andrejew 3:6, 6:3, 0:6, 3:6

8. bis 10. Februar 2008 1. Runde Südkorea (H) 3:2

gew. An Jae-Sung 6:2, 6:2, 6:2

gew. Jun Woong-Sun/An Jae-Sung (mit P. Petzschner) 6:1, 6:3, 6:3

gew. Lee Hyung-Taik 6:0, 4:6, 6:1, 7:6 (7:1)

11. bis 13. April 2008 Viertelfinale Spanien (H) 1:4

verl. David Ferrer 7:6 (7:3), 3:6, 4:6, 2:6

verl. F. Lopez/F. Verdasco (mit P. Petzschner) 7:6 (7:3), 6:7 (1:7), 4:6, 6:2, 10:12

6. bis 8. März 2009 1. Runde Österreich (H) 3:2

gew. Jürgen Melzer 6:7 (4:7), 4:6, 6:4, 6:3, 6:3

gew. J. Knowle/A. Peya (mit N. Kiefer) 6:3, 7:6 (8:6), 3:6, 6:4

10. bis 12. Juli 2009 Viertelfinale Spanien (A) 2:3

gew. Tommy Robredo 6:3, 6:4, 6:4

gew. Fernando Verdasco 6:4, 6:2, 1:6, 2:6, 8:6

5. bis 7. März 2010 1. Runde Frankreich (A) 1:4

verl. Gael Monfils 1:6, 4:6, 6:7 (7:5)

verl. J. Benneteau/M. Llodra (mit C. Kas) 1:6, 4:6, 6:1, 5:7

17. bis 19. September 2010 Relegation Südafrika (H) 5:0

gew. Rik de Voest 6:4, 6:4, 6:4

4. bis 6. März 2011 1. Runde Kroatien (A) 3:2

gew. Ivan Dodig 6:4, 3:6, 4:6, 7:6 (8:6), 6:4

verl. Marin Cilic 2:6, 3:6, 6:7 (6:8)

8. bis 10. Juli 2011 Viertelfinale Frankreich (H) 1:4

verl. Gael Monfils 6:7 (3:7), 6:7 (5:7), 4:6

verl. Jo-Wilfried Tsonga 6:7 (3:7), 6:7 (5:7)

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