Boris Becker
Boris Becker ist wieder im Tennisgeschäft. Foto: Koen Van Weel

Boris Becker ist wieder im Tennisgeschäft. Foto: Koen Van Weel

dpa

Boris Becker ist wieder im Tennisgeschäft. Foto: Koen Van Weel

London (dpa) - Das Weihnachtsfest stand für Boris Becker noch einmal ganz im Zeichen der Familie. Geschenke, Beef Wellington und der Filmklassiker «Vom Winde verweht» - der 46-Jährige ließ es sich in London gutgehen.

Am zweiten Feiertag war es für den dreimaligen Wimbledonsieger dann mit der Ruhe und Entspannung vorbei. Becker flog nach Abu Dhabi, wo an diesem Freitag eines der spannendsten Tennis-Projekte der jüngsten Vergangenheit beginnt. Bei der Mubadala World Tennis Championship tritt Deutschlands Tennis-Legende erstmals als Head Coach von Novak Djokovic auf.

«Mein Team ist stärker mit ihm, und ich hoffe, wir alle bekommen die Ergebnisse, nach denen wir uns sehnen», meinte der Weltranglisten-Zweite mit Blick auf die überraschende Verpflichtung von Becker. Während sein neuer Trainer noch bei seiner Familie weilte, stand Djokovic am ersten Weihnachtsfeiertag in Abu Dhabi auf dem Platz und trainierte mit dem Schotten Andy Murray. Der Serbe hat sich auch in den vergangenen beiden Jahren in Abu Dhabi auf die Mitte Januar beginnenden Australian Open in Melbourne vorbereitet und nach den Siegen im Emirat jeweils den Titel beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison gewonnen.

Die Show-Veranstaltung am Golf wird für Becker damit zum ersten kleinen Gradmesser. Noch immer rätseln Fans und Experten, was es mit der Zusammenarbeit der beiden völlig unterschiedlichen Typen Djokovic und Becker auf sich hat. Glaubt man den Fotos, die beide in den vergangenen Tagen via Twitter um die Welt schickten, haben sie viel Spaß an der neuen Konstellation. Es werde «keine One-Man-Show», hatte Becker in der «Bild» versprochen. Doch Zweifel bleiben, ob sich der Rote Baron in seiner neuen Rolle so zurücknehmen kann, wie Djokovic es von ihm verlangen wird.

In Abu Dhabi wird Becker auch auf seinen alten Rivalen Ivan Lendl treffen, der seit Ende 2011 sehr erfolgreich Djokovics Freund Murray trainiert. Zu dem Duell zwischen dem Belgrader und dem Olympiasieger, der nach langer Verletzungspause sein Comeback gibt, kommt es im Halbfinale aber nicht. Stattdessen spielt Djokovic beim Becker-Debüt als Head Coach gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga, der Murray am Donnerstag mit 7:5, 6:3 besiegte. Im zweiten Halbfinale bekommt es Rafael Nadal nach einem Freilos mit seinem Landsmann David Ferrer zu tun. Der Spanier setzte sich zum Auftakt gegen Stanislas Wawrinka aus der Schweiz mit 7:5, 6:1 durch.

Murray ist wie alle anderen gespannt, wie das Abenteuer mit Becker und Djokovic verläuft. Dem Umstand, dass in Lendl und Becker zwei Helden vergangener Tage wieder auf der Tennis-Bühne zurück sind, misst der Wimbledonsieger nicht all zu viel Bedeutung bei. «Ich denke nicht, dass es zu einer Erneuerung ihrer Rivalität kommt», sagte Murray der Zeitung «Gulf News». «Wenn du einmal auf den Platz gehst, können die Trainer nur noch sehr wenig machen, um das Spiel zu beeinflussen.»

Und doch werden im Tennis-Komplex der Zayed Sports City mindestens genauso viele Kameras und Augen auf Becker in der Trainer-Box wie auf Djokovic auf dem Platz gerichtet sein. Der Name Becker fasziniert in der Tennis-Welt noch immer. Bleibt abzuwarten, ob Becker die Chance wirklich nutzen kann, sich in dem Metier zurückzumelden, in dem er seine größten Erfolge errungen hat.

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