Weil Kohlschreiber zum ersten Mal patzt, unterliegt Deutschland Serbien mit 1:2.

Düsseldorf. Wer an diesem Finaltag nach den guten Geschichten für das deutsche Tennis suchte, musste warten, bis das Finale des World Team Cups schon entschieden war. Rainer Schüttler hatte 4:6 und 6:7 (5:7) gegen den Serben Viktor Troicki verloren, und auch Philipp Kohlschreiber zog im gleißenden Sonnenlicht gegen Janko Tipsarevic (2:6, 4:6) den Kürzeren. Unerwartet.

Von Begeisterung und Enthusiasmus des Vortages und dem Sieg gegen Schweden hatte sich das deutsche Team über Nacht weit entfernt, die Einzelauftritte spielten sich irgendwo zwischen überbordender Nervosität und überschaubarer Kraftaufwendung ab. Paris, wo seit Sonntag die French Open gespielt werden, lässt grüßen.

So blieb es den Publikumslieblingen Mischa Zverev und Nicolas Kiefer vorbehalten, im vierten Spiel der Woche den vierten Sieg zu landen, als sie mit 7:5, 4:6 und 10:7 gegen das serbische Spitzenduo Nenad Zimonjic/Viktor Troicki gewannen. Zverev und Kiefer waren damit das erfolgreichste Doppel des Turniers.

"Wir haben unsere Spiele gewonnen, das ist das, was zählt", sagte Kiefer. Man konnte das als falsch verstandenen Teamgedanken auffassen, aber gegen diese Interpretation sprach die Art und Weise, wie sich die besten deutschen Spieler in der gesamten Woche im Rochusclub präsentiert hatten: weitgehend tadellos und geschlossen, so weit man in einem Sport von Geschlossenheit sprechen kann, in dem sich die Akteure schon in Paris wieder als erbitterte Kontrahenten gegenüberstehen.

Teamchef Kühnen sprach dem deutschen Doppel "Weltklasse-Niveau" zu und avisierte dem 21-jährigen Zverev und dem elf Jahre älteren Kiefer eine wichtige Rolle: "Sie haben sich definitiv für den Davis Cup empfohlen."

Zverev spielt mit jugendlicher Begeisterung und Emotion

Zverev wird das gerne hören, er ist der Shootingstar dieses Teams, hat mit jugendlicher Begeisterung und großen Emotionen das Publikum an sich gebunden. Und er hat einem wie Kohlschreiber den Spiegel vorgehalten, dem sportlich in dieser Woche von Düsseldorf gewiss nichts vorzuwerfen war. Seine introvertierte Art aber führt ihn geradewegs an den Herzen der Fans vorbei.

Ein Typ wie Zverev ist die Zukunft des nach sympathischen Stars gierenden deutschen Tennis, Spieler wie Kohlschreiber oder Schüttler stehen trotz ihrer immer mal wieder aufblitzenden Fähigkeiten für eine solide Gegenwart. Nicht weniger - aber auch nicht mehr.

Fakt ist aber auch: Ohne Kohlschreibers drei Siege hätte Deutschland niemals die Gelegenheit gehabt, den Siegpokal von Düsseldorf zum fünften Mal zu gewinnen. Seine Siege gegen Robby Ginepri, Jo-Wilfried Tsonga und Andreas Vinciguerra machen Mut für Paris und sein Auftaktmatch gegen den Australier Bernard Tomic.

"Dort geht es ja über drei Gewinnsätze, das kommt mir entgegen", sagte Kohlschreiber, was bemerkenswert war, hatte er doch bei den Australian Open noch mit seiner Forderung nach einer Spielzeitverkürzung für viel Aufsehen gesorgt. Wie es ihm gefällt - Kohlschreiber jedenfalls war an diesem Tag keine gute Geschichte.

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