Eindhoven (dpa) - Ein Machtkampf im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) hat einen Tag vor dem Beginn der Kurzbahn-EM zum Rücktritt eines von drei Vizepräsidenten geführt.

Wegen andauernder Differenzen mit DSV-Präsidentin Christa Thiel gab der für die Verbandsentwicklung zuständige Andreas Felchle mit sofortiger Wirkung sein Amt auf. «Ich kann die verbandsinterne Ausrichtung nicht mehr mittragen», sagte er «Welt online».

Knackpunkt war die Ausrichtung des Verbandes auf den Leistungssport. Der ehemalige Präsident des württembergischen Verbandes und seit 1992 amtierende Bürgermeister von Maulbronn wollte auch angesichts knapper Gelder den Breitensport unter den fast 600 000 DSV-Mitgliedern besser gefördert wissen.

«Ich musste mir ständig anhören, dass wir von Mitgliedsbeiträgen nicht leben können», sagte Felchle, der als Nachfolgekandidat Thiels galt. Die Rechtsanwältin soll am 4. Dezember zur Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewählt werden. Für eine Stellungnahme war Christa Thiel nicht erreichbar.

Als Reaktion auf den Rücktritts Felchles stellte der Schwimmverband Nordrhein-Westfalens die Wiederwahl Thiels auf dem nächsten DSV-Verbandstag 2012 infrage. «Ob der Schwimmverband NRW auf dem kommenden DSV-Verbandstag bei den Wahlen das Präsidium mit Dr. Christa Thiel an der Spitze unterstützen wird, ist nunmehr eher unwahrscheinlich, oder es müsste sich schon gewaltig etwas ändern», erklärte Landesverbandspräsident Manfred Peppekus. Wenn das DSV- Präsidium immer noch nicht zu der Erkenntnis gekommen sei, dass der DSV auf Bundesebene mehr leisten müsse als nur Spitzensport, sei eine Reform dringend erforderlich, hieß es auf der Verbands-Homepage.

Felchle hatte noch in der November-Ausgabe des offiziellen DSV- Organs «Swim & More» im Editorial das «Wir» im Verband betont, der 2011 sein 125-jähriges Bestehen feiert. Auf der DSV-Homepage war sein Name im Präsidium bereits am Mittwochabend gestrichen.

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