Mit dem neuen Trainer spielt Borussia Dortmund kompakter und nicht mehr so spektakulär. Dafür gewinnt der BVB wieder.

Mit dem neuen Trainer spielt Borussia Dortmund kompakter und nicht mehr so spektakulär. Dafür gewinnt der BVB wieder.
Fast drei Monate dauerte es, ehe die Dortmunder Mannschaft wieder vor der Südtribüne über einen Heimerfolg jubeln konnte.

Fast drei Monate dauerte es, ehe die Dortmunder Mannschaft wieder vor der Südtribüne über einen Heimerfolg jubeln konnte.

dpa

Fast drei Monate dauerte es, ehe die Dortmunder Mannschaft wieder vor der Südtribüne über einen Heimerfolg jubeln konnte.

Dortmund. Borussia Dortmund erfreut sich am „Stöger-Effekt“. Im zweiten Ligaspiel unter dem neuen Trainer glückte dem BVB der zweite Sieg. Dem 2:0 beim FSV Mainz 05 unter der Woche folgte am Samstagabend zum Hinrunden-Abschluss in der Bundesliga ein 2:1 (0:1) gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Balsam für die geschundene Dortmunder Fußball-Seele. Für die der Spieler ebenso wie für die der 81 000 Zuschauer. Nicht zuletzt, weil es der erste Heimsieg seit dem 6:1 gegen Gladbach am 23. September war.

„Im Frühjahr werden wir eine richtig gute Mannschaft sein.“

Peter Stöger, BVB-Trainer

Erstmals in dieser Saison fuhren die Schwarz-Gelben damit einen Erfolg nach Rückstand ein. Weil Christian Pulisic in der 89. Spielminute einen Pass von Shinji Kagawa glänzend verarbeitete, und weil die Mannschaft etwas auf ihrer Seite hatte, was seit Monaten ebenso vermisst wurde wie die spielerische Eleganz aus den ersten acht Wochen der Hinrunde: das Glück. „Die Mannschaft war bereit, alles was sie momentan zur Verfügung hat, reinzuwerfen“, sagte Peter Stöger anschließend.

Mit dem Begriff „momentan“ verwies Peter II. auf das, was gegen gut eingestellte Hoffenheimer ohnehin klar zu erkennen war. Defensiv kompakter und offensiv nicht so spektakulär kam der BVB daher. Insgesamt noch mit viel Verunsicherung im Kopf und fehlender Leichtigkeit in den Beinen, holte die Borussia zum Ende einer turbulenten Hinrunde aber noch einmal alles aus sich heraus. Zumindest Einsatz und Leidenschaft waren nicht vergleichbar mit dem erschreckenden 1:2 gegen Werder Bremen acht Tage zuvor.

Stöger wird die Winterpause dazu nutzen, um seine neuen Spieler noch besser kennenzulernen und dem Dortmunder Ensemble seine Art des Fußballs näher zu bringen. „Im Frühjahr werden wir eine richtig gute Mannschaft sein“, schob der 51-Jährige hinterher. Eine kleine Kampfansage an den Rest der Liga. Nicht weniger als die Champions-League-Qualifikation ist das Ziel, welches Stöger zu erreichen hat. Es würde die Chance erhöhen, über den 30. Juni 2018 hinaus Schwarz-Gelb zu tragen.

Sein Gegenüber vom Samstagabend gilt als aussichtsreicher Kandidat, den Dortmunder Trainerposten im kommenden Sommer zu übernehmen. Dass Julian Nagelsmann selbst, TSG-Sportdirektor Alexander Rosen und Hoffenheims Gesellschafter Dietmar Hopp aber weiterhin stoisch darauf verweisen, dass der jüngste Trainer der Bundesliga bis zum 30. Juni 2019 im Kraichgau bleiben wird, nehmen viele nur als branchenübliche Verhaltensweise wahr. Wer Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Glauben schenkt, der erfuhr im ZDF-„Sportstudio“, dass der BVB sich derzeit nicht mit der Personalie Nagelsmann beschäftigt. Schwer vorstellbar in Zeiten wie diesen, in denen die Clubs frühzeitig und hinter doppelt verriegelten Türen die Zukunft einzustielen versuchen. „Für Peter Stöger ist es eine große Chance“, sagte Watzke dort. Ob der Österreicher tatsächlich nur ein „Platzhalter“ ist, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit erst am Ende der Saison herausstellen.

Christian Pulisic trifft erstmals seit September wieder

„Menschenfänger“ Stöger jedenfalls gelang es innerhalb weniger Tage, eine völlig verunsicherte Dortmunder Mannschaft zu zwei Siegen in Folge zu führen. Dank eines Elfmeter-Treffers von Pierre-Emerick Aubameyang (63.), der den Rückstand durch Mark Uth (21.) ausglich, und dank Christian Pulisic, der erstmals seit September ein eigenes Tor bejubeln durfte. „Es ist nicht alles rundgelaufen“, analysierte Stöger. „Diese ungewöhnlichen Serien innerhalb einer Hinrunde gehen an den Spielern nicht spurlos vorüber.“

Das war gegen Hoffenheim unverkennbar. Am Ende war es den Dortmundern egal. Mannschaft und Südtribüne schlossen zur Melodie von „Jingle Bells“ ihren vorweihnachtlichen Frieden und Geschäftsführer Watzke verwies darauf, dass der BVB trotz der Trendwende ja noch ein wichtiges Pflichtspiel vor dem Weihnachtsfest zu absolvieren habe – am Mittwoch im Pokal-Achtelfinale in München. Der BVB glaubt wieder an sich. Dank des „Stöger-Effekts“. Es sollte den Bayern zumindest eine Warnung sein.

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